Thomas Niederbühl, 52, Geschäftsführer der Münchner Aids-Hilfe und Stadtrat (Rosa Liste):"Ich habe mich den Eltern gegenüber an dem Abend geoutet, bevor ich 17 geworden bin. Wir waren im Kino, in ,Die Konsequenz'. Der ist aus heutiger Sicht schrecklich, war aber damals einer der wenigen Filme, wo das Thema vorkam. Danach sind wir schweigend eine halbe Stunde von Karlsruhe in unser Dorf zurückgefahren, und als mein Vater geparkt hat, bin ich damit rausgerückt. Den Wortlaut weiß ich nicht mehr, aber nach dem langen Schweigen war eigentlich klar, was jetzt passiert. Ich musste es nur noch aussprechen. Es war so was wie: ,Wahrscheinlich könnt ihr euch schon denken, was ich sagen will - ich bin auch schwul.' Meine Mutter hat emotional reagiert, das war 1978, und sie hatte Angst, dass ich es schwer im Leben haben und einsam altern werde. Mein Vater war super, für ihn war das ganz selbstverständlich. Für mich war es eine große Erleichterung, weil ich bis dahin das Gefühl hatte, ich würde meine Eltern hintergehen."

Ruth Eisenreich

Bild: cath 25. Januar 2014, 11:182014-01-25 11:18:48 © SZ vom 25.1.2014/bica