Irene Schmitt, 58, Anwältin und SPD-Stadträtin:"Ich hatte ein relativ spätes Coming-out, mit Mitte 20. Das hatte den Vorteil, dass ich schon erwachsener war und anders auftreten konnte. Mit meinen Eltern gab es nicht dieses eine Gespräch, das war nicht notwendig. Sie haben einfach mitbekommen, dass es so ist. Sie waren erstaunlich gelassen, obwohl meine Mutter immer großen Wert auf das gelegt hat, was andere Leute sagen. Ich habe auch bald eine Freundin angeschleppt und ihnen vorgestellt - da hatte ich einfach Glück, die haben sie gemocht und damit war das Thema eigentlich rum. Als ich 2002 für den Stadtrat kandidiert habe und es voll durch die Presse gegangen ist, war das für meine Eltern sicher noch mal eine ganz neue Coming-out-Situation, aber auch da war ich überrascht, wie unspektakulär es gegangen ist. Ich habe also gute Erfahrungen gemacht. In meiner Tätigkeit als Anwältin höre ich jedoch auch viele erschütternde Schilderungen von Leuten, die von der Familie verstoßen und aus den Testamenten gestrichen werden."

Ruth Eisenreich

25. Januar 2014, 11:182014-01-25 11:18:48 © SZ vom 25.1.2014/bica