Jimi Tenor und die Rote Sonne, das ist eine Stammgast-Beziehung, wie man sie sonst wohl nur von treuen Pensionsgästen kennt, die für ihren 50. Aufenthalt in der bayerischen Sommerfrische ausgezeichnet werden. Ganz so oft war der finnische Multiinstrumentalist zwar noch nicht in München zu Besuch, doch er arbeitet sich mit nahezu jährlich erscheinenden neuen Alben, die er unter Garantie im Kellerclub am Maximiliansplatz live vorstellt, langsam heran.
Und es passt ja auch nur zu gut, denn als Schöpfer des unterkühlten Clubhits „Take Me Baby“ von 1994 und seiner Entwicklung zum Afrobeat-affinen Jazz- und Funk-Guru fügt sich Tenor ideal in jene Nische ein, die sich die Rote Sonne als Techno- und Konzertclub geschaffen hat. Am 12. März findet nun wieder zusammen, was zusammengehört. Ehrensache, dass der 60-Jährige mit „Selenites, Selenites!“ auch ein neues Album dabeihat, auf dem er seine famos ins Blech blasende Band neuerdings auch mal in Afro-House-Manier auf den Dancefloor schickt.
Weniger zum Tanzen als vielmehr zum bewussten Hören angedacht, sind indes die Blitz Listening Sessions im Blitz Club, der ja bekanntermaßen nur noch bis September auf der Museumsinsel zu Hause ist. Bis mindestens Ende Mai verwandelt sich die Tanzfläche dort donnerstags in eine Art Lounge, in der jenseits des Techno so ziemlich alles erklingt, was die weite Welt der elektronischen Musik hergibt. Im Fall des Münchner Labels „Squama Recordings“, das mit Künstlern wie dem Drummer Simon Popp am liebsten an den Schnittstellen zwischen Jazz, Ambient und Avantgarde agiert, ist das gar nicht mal so wenig, wie man bei der Listening Session am 12. März nachhören darf.
Ungleich körperlicher wird es wiederum am 21. März im DNA Club, wenn dort die Reihe Sexpressions in die nächste Runde geht. Angeführt vom deutsch-brasilianischen Resident DJ Sexstasy bietet der Dancefloor des kleinen Clubs im Werksviertel den Tanzenden hier eine „Spielwiese des Selbstausdrucks, der Sinnlichkeit und der Extravaganz“. Möglich machen es Sets, in denen House und Techno etwa mit Latin-Elementen wie brasilianischem Funk, kubanischer Guaracha, perkussiven Tribal-Sounds und „handverlesenen scharfen Grooves“ aus aller Welt angereichert werden – wobei der Pariser Trance- und Minimal-Eklektiker Lacchesi als Gast des Abends gewiss auch über ganz eigene Würzmittel verfügt.

Viva-, MTV- und Radio-Moderator, Musikjournalist, Buchautor, Podcaster – kaum ein Format, in dem Markus Kavka seine Leidenschaft für die Musik nicht beruflich ausgelebt hat. Nur konsequent also, dass Kavka seit Jahrzehnten auch als DJ unterwegs ist. Nicht nur gemessen an den Auftritten, die er auf Festivals wie dem Sonne, Mond & Sterne hinlegte, muss man dabei hervorheben: Hier lässt einer sein lexikalisches Wissen und seine Pop-Sensibilität in House- und Techno-Sets münden, die von einem Geschmacksbewusstsein in Sachen elektronischer Musik zeugen, das man sich nicht mal eben so draufschafft. Anders gesagt: Markus Kavka legt tatsächlich genauso geschmeidig auf, wie er Interviews führt. So bestimmt auch am 27. März im Bahnwärter Thiel.
Und damit abschließend zu einem Doppel im Blitz, das bis heute repräsentativ für die beiden Techno-Hochburgen Berlin und Frankfurt steht. Da wäre zum einen Ellen Fraatz, die unter ihrem extraterrestrischen Alias Ellen Allien (nur echt mit Doppel-L) bereits in der berüchtigten Berliner Nachwende-Techno-Szene als Resident-DJ von Clubs wie dem Tresor oder dem Bunker einen Stil zwischen Underground-Techno-Härte und harmonischer Süße prägte, den sie auch am 28. März im Blitz Club zelebrieren wird. Und zum anderen seine DJ-Heiligkeit Sven Väth, der als ewige Lichtgestalt der Frankfurter Szene zuletzt vor allem im Pacha zum Stammgast avancierte, nun aber am 4. April zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder im Blitz auflegt. Es dürfte die letzte Gelegenheit sein, ihn dort hinter den Decks zu erleben.

