Das läuft in den Münchner ClubsDraußen tanzen, drinnen träumen

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Christian Löffler ist am 12. Juni im Bahnwärter Thiel zu erleben.
Christian Löffler ist am 12. Juni im Bahnwärter Thiel zu erleben. (Foto: Calvin Leander Herbstrith)

Christian Löffler bezirzt als Live-Act an der frischen Luft, die Rote Sonne feiert eine Berliner House-Sause, und die Tam Tam Treppenbar lädt zum Entspannen im Schlafsack ein.

Von Martin Pfnür

Wer als Musiker Erwähnung in der Literatur findet, erfreut sich damit natürlich einer besonders kostengünstigen Form der Werbung. So gesehen, wäre es schon interessant zu erfahren, wie viele neue Hörer Christian Löffler wohl dazu gewonnen hat, seit er als musikalischer Favorit der seelenwunden Ich-Erzählerin Ida in Caroline Wahls gehypter „22 Bahnen“-Fortsetzung „Windstärke 17“ namentlich erwähnt, und seine Interpretation von Smetanas „Moldau“ dort bei einer Art generationenübergreifender häuslicher Listening-Session einem Vergleich mit dem Original unterzogen wurde.

Ein Track übrigens, der durchaus repräsentativ für Löfflers naturverbundenen Sound steht. Ist der Greifswalder Produzent, der bevorzugt in einer Studio-Blockhütte am Darß an seiner Musik arbeitet, doch ein wahrer Meister des harmonisch fließenden und organisch pumpenden Wohlklangs. Dementsprechend dürfte auch sein Open-Air-Live-Set am 12. Juni (19.30 Uhr) auf dem Gelände des Bahnwärter Thiel eine ziemlich erhebende Angelegenheit werden, denn die geradezu meditative Qualität von Löfflers filigranen Tracks entfaltet sich freilich auch jenseits der Fiktion.

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Eine beseelende Nacht ist auch tags darauf, also am 13. Juni, in der Roten Sonne zu erwarten. Geht man von seiner bezeichnend betitelten EP „Soul Notion“ aus, so wird dort etwa der Berliner DJ und Produzent Jean-Jez eine Musik auflegen, die man in dieser leichtfüßigen Verbindung von House, Jazz und Soul seit der Blütezeit der „Cafe del Mar“-Reihe nicht mehr gehört hat. Im Verbund mit der luxemburgischen Wahlberlinerin Katy De Jesus und den vom Techno zum flockigen House konvertierten Christoph Faust fügt sich das unter dem Motto „Wet Skin“ zu einer Berliner Beschwörung des guten alten „Four to the floor“ zusammen, die gewiss für nasse Haut auf der Tanzfläche sorgen wird.

Das Kontrastprogramm hierzu bietet wiederum am 14. Juni die Tam Tam Treppenbar, die in der Therese-Giehse-Halle zur Nacht der luziden Träume lädt. Anstatt von Menschen mit nassgetanzter Haut wird die Tanzfläche dort von Menschen in Schlafsäcken bevölkert, die sich ab 23 Uhr von einem Sandmännchen-Line-up erster Güte in musikalische Traumlandschaften entführen lassen.

So etwa in jene von Anadol aus Istanbul, die als Produzentin eine wunderbar psychedelische Form des Ambient kreiert, hier aber als DJ mit ihrem Plattenfundus ein sanftes Betthupferl beschert. Die Bühne teilt sie sich dabei auch mit Limpe Fuchs, die als Komponistin akustischer Happenings bereits seit den Sechzigern einen Fixstern der Münchner Klangkunst bildet, und sich im Duo mit Caspar Lesjak und seinem Analogsynthesizer ins Unterbewusstsein aller Anwesenden hineinspielen wird. Zusammen mit der brillanten japanischen Ambient-Pianistin Midori Hirano, dem All-Women-Chor The Witches Of Westend oder dem stilistisch umtriebigen Münchner Musiker Enik, der eine musikalische Traum-Lesung beisteuert, ergibt das ein siebenstündiges Programm von einer Qualität, die man eigentlich nicht verschlafen sollte. Zumindest nicht komplett.

Bleiben noch zwei, bei denen eine gewisse Verwechslungsgefahr besteht. Daher in aller gebotenen Kürze: Der französische Ethno- und African-House-Spezialist Apache trägt zwar einen ähnlich dämlichen Namen wie der deutsche Rapper Apache 207, hat aber bei aller Breitentauglichkeit dann doch entschieden mehr weltmusikalische Seele und Tanzbarkeit zu bieten als letzterer, wie er am 21. Juni als DJ im Pacha beweisen wird. Und Garnier mag zwar ein Shampoo-Hersteller sein, aber eben auch der Nachname des immer noch verehrungswürdigsten aller (Tech-)House-DJs. Am 27. Juni kommt der große Laurent Garnier für eines seiner ebenso raren wie eleganten Sets in den Blitz Club. Und wer diesen 59-Jährigen, der als DJ bis heute mit der Begeisterung eines jungen Hüpfers agiert, noch nicht hinter den Decks erlebt haben sollte: bitte nachholen. Allzu oft kommt er womöglich nicht mehr.

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