Was läuft in den Clubs:Trash, Trance, Afro-House

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Nitefreak, DJ und Produzent aus Zimbabwe, haucht dem House neues Leben ein. (Foto: Neil Favila)

Der Juni in den Münchner Clubs bringt unter anderem Nitefreak aus Zimbabwe, DJs aus Sachsen und die Wiederkehr der queeren Disco-Helden „Hercules & Love Affair“ mit sich.

Von Martin Pfnür

Ein besonders schöner Aspekt der elektronischen Musik liegt in der Vielzahl ihrer Möglichkeiten. Öffnet sich doch etwa übers Sampling oder auch über die Verbindung mit analogem Instrumentarium ein stilistisches Feld, dessen Weite kaum überblickbar ist. Und so sind denn auch Techno, House oder Electro nicht einfach immer nur Techno, House oder Electro, sondern grob umrissene Genreriesen, die sich wiederum in ein Vielfaches an Subgenres verästeln und verzweigen lassen.

Als paradetypisches Verästelungsbeispiel lässt sich an dieser Stelle etwa der Afro-House von Nitefreak (8. Juni, Pacha) anführen. Haucht der DJ und Produzent aus Zimbabwe der guten alten House Music doch auf eine Weise neues Leben ein, bei der zwar der als „Four to the Floor“ bekannte Viervierteltakt des House gewahrt bleibt, der Sound jedoch erfrischende neue Akzente setzt. Mit sonnenwarmen Atmosphären. Mit weich gezeichneten Klangtexturen. Mit Beats, die eher sachte pulsieren als knallen. Und mit Chants von Gastsängerinnen und -sängern, die diesen wunderbar eigenen Tracks eine besondere Form der Dringlichkeit verleihen.

Für innovative Electronica steht auch das von den Brüdern Dario und Marco Zenker geführte Münchner Label „Ilian Tape“, das in der Woche darauf am 15. Juni im Blitz Club Geburtstag feiert. Zwar ist das im Fall von „17 Years of Ilian Tape“ kein wirklich runder, aber dennoch ein schöner Anlass, um einige Aushängeschilder der Label-Familie hinterm DJ-Pult zu versammeln. So wird neben einem Set der Zenker Brothers selbst etwa auch der Münchner Produzent und DJ Bryan Müller aka Skee Mask auflegen. Bereits mehrfach vom ebenso hyperkritischen wie einflussreichen Online-Musikmagazin Pitchfork für seine stets nach vorne gedachten Alben gepriesen, steht dieser für einen staunenswert plastisch produzierten Sound zwischen Ambient und Breakbeat – und damit auch für den Beweis, dass München in Sachen elektronischer Musik schon was hermacht.

Ein Wochenende voller Trance fährt wiederum die Rote Sonne vom 21. Juni bis in die Morgenstunden des 23. Juni im Rahmen der Party-Reihe des Labels und DJ-Kollektivs „Sachsentrance“ auf. Ganze 16 Acts werden dort nach ihrer ausgedehnten China-Tour durch Städte wie Shanghai einer elektronischen Stilrichtung huldigen, die derzeit ihr großes internationales Revival erfährt. Überraschend ist das nur bedingt, denn alles kommt ja irgendwann mal wieder. Warum also nicht auch dieser trashig-ekstatische Sound aus den Neunzigern, mit dem man sich beim Sachsentrance Weekender von Underground-DJs mit wundervollen Namen wie Justin Tinderdate oder Trancemaster Krause in Richtung Trance-Transzendenz beamen lassen kann.

Bleiben noch zwei Höhepunkte zum Monatsausklang. Zum einen Hercules & Love Affair aus New York, die als queeres Bandprojekt mit ihrem famosen Debüt von 2008 die Verbindungen zwischen House und Disco ausleuchteten und für ihr jüngstes Album „In Amber“ erneut mit dem beziehungsweise der großen Transgender-Ausnahmesänger(in) Antony Hegarty aka Anohni zusammenfanden (28. Juni, Museum Brandhorst). Und zum anderen Oliver Huntemann aus Hamburg, der als Mittfünfziger bereits seit geraumer Zeit zu den Electro-Grandseigneurs dieses Planeten zählt, und am 29. Juni den kleinen DNA Club im Werksviertel am Ostbahnhof beehren wird. 

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