Was läuft in den Münchner Clubs?Wilder Tanz durch den Mai

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Markus Binder (links) und Hans-Peter Falkner pflügen als „Attwenger“ seit Anfang der Neunziger durch die Musikszene.
Markus Binder (links) und Hans-Peter Falkner pflügen als „Attwenger“ seit Anfang der Neunziger durch die Musikszene. Helmut Wimmer

Der Blitz Club feiert drei Tage und Nächte Geburtstag, „Attwenger“ bitten in der Milla zur Disco mit Haltung, und der famose Neo-Trip-Hop-Spezialist Puma Blue geht tiefschürfenden Fragen nach.

Von Martin Pfnür

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Den Übergang vom April in den Mai begeht man der Tradition nach ja am besten tanzender Weise. Während die Walpurgisnacht von den Germanen und Kelten zwecks Frühlingsbegrüßung und Böse-Geister-Austreibung stets mit Feuern und Tänzen zelebriert wurde, lässt sich die traditionsreiche Sause dank anschließendem Feiertag heute auch jenseits jeder Geisteraustreibung auf diversen Dancefloors feiern.

Am rauschendsten gewiss mit dem Einstieg in die Feierlichkeiten zum Neunjährigen des Blitz Clubs, die sich als bisher größte Party des Clubs mit mehr als 50 DJs vom 30. April an über ganze drei Tage und Nächte erstrecken (siehe www.blitz.club). Auf der Museumsinsel wird es die letzte Geburtstagsfeier sein, doch in der Ankündigung ist bereits raunend von einer möglichen „Wiedergeburt“ des Clubs an anderer Stelle die Rede.

Für alle, die sich am 2. Mai nicht im Blitz festgetanzt haben, steht mit dem Auftritt des Duos Attwenger in der Milla wiederum ein Konzertabend bereit, der Tanzbarkeit und Haltung aufs Schönste vereint. Von ihrem Gstanzl-Purismus zwischen Steirischer Harmonika und Drums haben sich die beiden Oberösterreicher ja längst auch in elektronische Gefilde aufgemacht. Auf ihrem tollen neuen Album „Wos“ etwa in Form einer Disco-Nummer wie „Sozialismus in Discos“ mit dem Wunsch nach einem „entspannten Sozialismus / alle gratis in Discos / allgemeinen Feminismus / und weniger Stress / An gscheiden Algorithmus / und koan Nationalismus / und ned so viel Pessimismus / weil sonst wird alles witzlos“. Amen.

Wer es dagegen lieber etwas düsterer hat, geht am besten zum parallel stattfindenden Auftritt des Rappers und Performance-Künstlers Zebra Katz im Werkraum der Kammerspiele. Der nämlich umkreist mit seinen stockduster verwummerten Industrial- und Electro-inspirierten Tracks bevorzugt seine Position als queerer schwarzer Hip-Hop-Künstler, die er in diesem immer noch latent machohaften Gockelgenre sehr zurecht als vollkommen unterrepräsentiert ansieht.

Freunde der Nostalgie kommen wiederum am 6. Mai auf ihre Kosten, wenn die in München aufgewachsene und heute in Berlin ansässige Sängerin Nalan mit ihrem neuen Album „2009“ im Import/Export auftritt. War Nalan neben der Rapperin Ebow einst Teil des feministisch empowernden Hip-Hop-Trios Gaddafi Gals, so bezirzt sie auf ihrer zweiten Solo-Platte mit derart ätherischem Indie- und Elektro-Pop, dass man sich am liebsten zurück in die Nullerjahre beamen möchte. Eine schönere Hommage auf einen lange geschlossenen Münchner Konzertclub wie „59:1 (fiftynine to one)“ wird man so schnell jedenfalls nicht zu hören bekommen.

Nalan stellt ihr neues Album am 6. Mai vor.
Nalan stellt ihr neues Album am 6. Mai vor. Sima Dehgani / @simadehgani

Nicht minder harmonisch gestaltet sich auch der Sound, den Just Emma für die Dancefloors dieser Welt kreieren. Schaffen die voluminös pumpenden Deep-House-Tracks des Hamburger Duos doch oftmals so träumerische Atmosphären, dass man sie bei aller inhärenten Energie gleichermaßen zum Tanzen wie als meditatives Betthupferl genießen kann. Beim weltbekannten Burning Man Festival in der Wüste von Nevada führen sie ihr Publikum damit regelmäßig in die frühen Morgenstunden hinein – bei ihrem Set am 9. Mai im Bahnwärter Thiel womöglich ebenfalls.

Und damit abschließend zu einem, der bei der Präsentation seines Debüts „Holy Waters“ in der Milla einst ein solches Glanzstück von einem Konzert hingelegt hat, dass man sich jetzt schon auf seine Rückkehr freut. Die Rede ist von Jacob Allen aka Puma Blue, der als Fusionist von jazziger Freigeistigkeit und trip-hoppiger Beatwucht die Gloominess britischer Instanzen wie Radiohead oder Portishead tief im Herzen trägt, dabei aber doch sein ganz eigenes Ding durchzieht. Im Live Evil stellt er am 14. Mai mit „Croak Dream“ ein neues Album vor, das um die Frage kreist, wie man denn leben würde, bekäme man den Zeitpunkt und die Umstände des eigenen Todes im Traum offenbart. Klingt erst mal wenig erbaulich – aber musikalisch tatsächlich ziemlich fantastisch.

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