Geht man vom Dresscode aus, der bei der neuesten Ausgabe der Mahala Disko am 29. Mai im Import/Export explizit gewünscht ist, so dürfte diese allein schon visuell einen interessanten Abend ergeben. Drei Euro Ermäßigung bekommen hier alle, die etwa als „Tanzbären, Einhörner, Schlangenbeschwörerinnen und Schlangenbeschwörer oder Feuerspuckerinnen und Feuerspucker“ aufschlagen. Genaueres im Hinblick auf die Mitnahme von Hausschlangen und den Brandschutz bleibt man auf der Website des Konzertclubs zwar schuldig. Einer ausschweifenden Party zwischen Balkan-Beats, Hip-Hop, Cumbia und Reggae darf man sich bei diesem Bühnenprojekt von Mitgliedern der Münchner Brass-Combo Oansno, dem Balkan-Beats-Spezialisten DJ Jahvolo und Sängerin Irina aber allemal sicher sein.
Definitiv auf die Mitnahme von Schlangen und Feuer verzichten müssen wird man derweil beim parallel am 29. Mai stattfinden Set des DJ-Duos Melbo & Falke im Bahnwärter Thiel. Dafür aber bringen die beiden Residents des renommierten Hamburger Techno-Clubs Südpol einen Sound mit nach München, der in seiner Verbindung aus knackigem Tech-House und organisch pumpendem Deep-House eine Wärme verströmt, in der man sich auch ohne Feuerspuckeinlagen über Stunden auf dem Dancefloor einrichten kann.
Eher Achtzigerjahre-kühl nehmen sich dagegen die elektronischen Songtexturen aus, mit denen der junger Berliner Carlo Karacho tags darauf am 30. Mai in die Rote Sonne kommt. Zwischen Synth-Pop, Post-Punk sowie den stilistischen und textlichen Eigenheiten der „Neuen Deutsche Welle“, die in den Achtzigern über die Bundesrepublik hinwegschwappte, reitet dieser tolle Kauz auf seinem neuen Album mit dem wunderbaren Titel „Der letzte Ritt durchs Nadelöhr“ jene „Neue Neue Deutsche Welle“, die zuletzt etwa Edwin Rosen oder Nils Keppel zu einiger Popularität führte.
Die 2022 im Zuge der Energiekrise von Olaf Scholz eingeführte Begrifflichkeit des „Doppel-Wumms“ lässt sich wiederum ganz vortrefflich auf ein Duo übertragen, das am 3. Juni mit vereinten Kräften den Blitz Club aufmischt. Die Rede ist vom Frankfurter Donnergott Chris Liebing, der einst der wohl härtesten Techno-Spielart „Schranz“ maßgeblich zur Geburt verhalf, und dem niederländischen Elektronik-Allrounder Speedy J aus Rotterdam. Zusammen bilden sie als Collabs 3000 ein Produktions- und DJ-Duo, dessen fulminante Wucht wohl mindestens jenen Trompeten von Jericho nahekommt, die der Bibel nach die Stadtmauern der besagten Stadt zum Einsturz brachten. Kurzum: Im Zusammenwirken mit der berüchtigten Soundanlage des Blitz Clubs versprechen diese beiden ein Erlebnis, das mit dem Adjektiv „körperlich“ wohl nur unzureichend beschrieben ist.
House gibt es im Pacha mit Matthias Tanzmann und Mathias Kaden
Ungleich zurückgelehnter geht es da schon im Garten Eden zu, der vom 5. Juni an bis Anfang September jeden Freitag von 17 bis 22 Uhr vor dem Restaurant Fräulein Wagner im Bavariapark seine Pforten öffnet. Bei freiem Eintritt lässt sich hier den DJ-Sets von Vinyl-Aficionados wie den Gastgebern Tom Wieland und Lars Krone lauschen, die zwischen dubbigem Downbeat, balearischer Electronica, raren tropikalischen Grooves, Soul- und Reggaeperlen oder brasilianischem Boogie so ziemlich alles auf die Plattenteller legen, was einem einen entspannten Abend verschafft. Tanzen ist bei dieser wöchentlichen Sonnenuntergangsbegrüßungssause natürlich ausdrücklich erlaubt.
Und damit zum Abschluss noch zu einem weiteren Doppel, das am 5. Juni zwar weniger mit Techno-Wumms ins Pacha kommt, dafür aber mit einem besonders feinen Händchen für die Spielarten des House. Wären sie aus Bayern, könnte man bei Matthias Tanzmann und Mathias Kaden von einer Art Doppel-House-Hias-Besetzung sprechen. Doch da die beiden international gefeierten Player nun mal in Leipzig respektive Gera aufgewachsen sind, belassen wir es schlussendlich bei einer dringenden Empfehlung für diese Nacht mit zwei House-Meistern aus dem obersten DJ-Regal.

