Süddeutsche Zeitung

Club Gecko eröffnet:"Wir wollen ein älteres Publikum"

Goldene Plastik-Geckos und dreidimensionale Beleuchtung : Aus dem Max & Moritz wird der Club Gecko - er soll verschiedene Altergruppen anziehen. Geschäftsführer Jörg Thiel über die Besonderheiten des Münchner Partyvolks und gute Flirtmöglichkeiten.

Offenbar geht es gar nicht anders. Jedes Mal, wenn ein neuer Club eröffnet, sehen die Räume sogar am Tag vor dem Opening noch eher nach einem Rohbau als nach einer Diskothek aus. Und die Verantwortlichen sind gestresst, während sie zwischen Leitern, Kabeln und Handwerkern herumirren und im Lärm der Bohrmaschinen letzte Instruktionen brüllen. Auch Jörg Thiel, 39, Geschäftsführer des Max&Moritz am Maximiliansplatz, das von Freitag an nun Gecko heißen wird.

Der alle paar Jahre anstehende Interieur-Wechsel war diesmal mit Kosten von 1,5 Millionen Euro besonders teuer und umfangreich, auch weil neue Brandschutzauflagen umgesetzt werden mussten. Constantin Wahl und Matthias Scheffel, die unter anderem das Jack Rabbit, Pacha und Lazy Moon betreiben, haben sich dann dafür entschieden, gleich einen ganz neuen Club zu eröffnen. Das erhöht die Chancen, auch wieder etwas ältere Gäste in den Keller am Maximiliansplatz 5 zu locken als zuletzt, sagt Thiel.

SZ: Herr Thiel, nennen Sie ihren Club Gecko, weil die Schuppenkriechtiere nachtaktiv sind?

Jörg Thiel: Nein, das war ursprünglich nur eine Designidee für den Toilettenbereich, aber er hat alle überzeugt, denn bei den Namen muss man ja immer ein bisschen aufpassen.

Worauf?

Dass sie nicht ganz verschandelt werden im Sprachgebrauch.

Wie die Nachtgalerie, die Naga genannt wird.

Zum Beispiel. Bei Gecko gibt es keine Gefahr, dass der Name noch abgekürzt wird. Und ein neuer Name hat am Anfang den Vorteil, dass die Leute auf einen neuen Club neugierig werden. Hätten wir das Max & Moritz wiedereröffnet, hätten viele gesagt: Oje, wieder der Kiddie-Laden.

Und jetzt ist es einer für alle?

Ja, unser Zielpublikum liegt zwischen 18 und 30 oder darüber. Wir wollen auch wieder ein älteres Publikum.

Vor gefühlten Urzeiten, als hier noch das Soul City residierte, gab es da auch schon solche Altersunterschiede, die Jungen hierhin, die Alten dorthin?

Ich glaube nicht. Da gab es auch noch nicht solche Berührungsängste mit den ganz jungen Leuten. Die sind damals in die Kultfabrik gegangen. Jetzt ist der Ostbahnhof nicht mehr so angesagt, und alle Altersstufen treffen in der Innenstadt aufeinander. Und da sagen dann eben manche aus meinem Freundeskreis über einige Clubs: Ey, da sind mir die Leute zu jung, da gehe ich nicht hin. Daran wollen wir ein wenig rütteln.

Und sich eine möglichst große Kundengruppe erschließen. Was erwartet einen denn im Gecko?

Die Musikrichtungen Party-, Club- und Black-Music, das 0,33-Bier für drei Euro, acht Euro Eintritt, und alles, was einen modernen Club ausmacht.

Das wäre?

Zum Beispiel wollen die Leute wandern. Von Club zu Club, wie auf der Sonnenstraße, oder eben drinnen. Deshalb gibt es bei uns zwei Areas. Außerdem sieht man mittlerweile in vielen Clubs die Rundbars.

Da kann auf größerer Fläche mehr Umsatz gemacht werden.

Da kann man besser flirten. Früher musste man sich doch mit dem Rücken an den Tresen lehnen, um Leute zu sehen und nicht nur an die Wand zu glotzen. Jetzt steht man normal an der Bar und schaut zur gegenüberliegenden Bar-Seite. Damit hat die Milchbar angefangen, und viele ziehen nach. Außerdem muss man bedenken, dass die Gäste mittlerweile immer online sind.

Also gibt es einen guten Handy-Empfang?

Ja, wir bauen gerade einen GSM-Verstärker ein. Denn wenn du keinen Empfang im Club hast, gehen die Leute eben raus zum Chatten, und der Laden ist leer. Außerdem erwarten die Gäste mittlerweile ein Reservierungssystem wie im Flugzeug. Sie tippen auf ihren Tisch, den möglichst prominenten natürlich, und reservieren gleich online, da ruft keiner mehr an.

Was hat sich noch verändert?

Vor zehn Jahren kamen die Leute noch früher. Da war oft schon gegen Mitternacht am meisten los, heute ist das bei uns erst um ein Uhr. Das liegt daran, dass man in der Innenstadt viele Alternativen hat, um vorher schon zu feiern. Und Partyrestaurants wie Cavos, Kytaro oder Hugo's gibt es auch immer mehr.

Zu den Gesetz en des Nachtlebens gehört nicht nur, dass ein neuer Club erst in letzter Sekunde fertig wird, sondern auch, dass er etwas bietet, was sonst niemand hat. Was gibt's da im Gecko?

Alle haben mittlerweile LED-Decken, wir haben eine dreidimensionale LED-Decke. Und natürlich die goldenen Plastik-Geckos an den Wänden im Toilettenbereich.

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Quelle:
SZ vom 16.10.2013/infu
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