Circus Krone auf der Theresienwiese:Zu Besuch in der rollenden Stadt

Circus Krone auf der Theresienwiese: Zu dem blauen Zelt vom Circus Krone gehören: Restaurant, Schule, Betriebsfeuerwehr, Mannschaftsküche. Schreinerei und Sattlerei.

Zu dem blauen Zelt vom Circus Krone gehören: Restaurant, Schule, Betriebsfeuerwehr, Mannschaftsküche. Schreinerei und Sattlerei.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der Circus Krone gastiert mit einem neuen Programm auf der Theresienwiese - im größten Circuszelt der Welt. Außenrum entsteht eine eigene kleine Stadt, mit Platz für 400 Menschen und 200 Tiere.

Von Barbara Hordych

Dass im Hintergrund einer Manege oft rege Betriebsamkeit herrscht, gehört zum Zirkusalltag. Doch was in den vergangenen Tagen parallel zum normalen Vorstellungsbetrieb im Krone-Bau in der Marsstraße ablief, sprengte auch für Routiniers des Zirkuslebens den vertrauten Rahmen: Während bis 29. März das dritte Winterprogramm gezeigt wurde, liefen parallel die Umzugsarbeiten für das zehntägige Gastspiel auf der Theresienwiese auf Hochtouren. Dort steht nun das größte reisende Zirkuszelt der Welt, der "blaue Dom", in dem am 2. April die Premiere des Jubiläumsprogramm "Evolution" stattfinden wird.

Die 500 000 Euro teure Sonderanfertigung weist einen Durchmesser von 48 mal 64 Metern und eine Höhe von 16 Metern auf. Allein das Dach besteht aus 30 Teilen und überspannt eine Fläche von rund 3000 Quadratmetern. "Die Gesamtfläche des Zeltes entspricht fast der Größe eines Fußballfeldes und bietet Platz für 4000 Zuschauer", sagt Susanne Matzenau, die Sprecherin des Circus Krone.

Eine rollende Stadt für 400 Menschen und 200 Tiere

Max Siemoneit-Barum sitzt derweil auf einem Traktor und manövriert vorsichtig einen Mannschaftswagen über das Krone-Stammgelände an der Marsstraße. "Er muss zum TÜV, im Anschluss geht es weiter auf die Theresienwiese." Der 32-Jährige unterstützt als stellvertretender Betriebsinspektor den 77 Jahre alten Claus Lehnert, der seit 25 Jahren als sogenannter "Bürgermeister" die rollende Krone-City verwaltet.

Gemeinsam dirigieren die beiden Inspektoren 330 Wohn-, Pack- und Gerätewagen - Behausungen und Büros für gegenwärtig 400 Menschen und 200 Tiere, die etwa 30 Mal pro Spielsaison zwischen Mai und Oktober den Festplatz wechselt. Es gibt ein rollendes Zirkus-Restaurant, ein eigenes Stromaggregat, eine Schule, sogar eine Betriebsfeuerwehr, eine Mannschaftsküche auf Rädern, Büros und Werkstätten wie Schreinerei, Sattlerei, Schlosserei, Damen-und Herrenschneiderei.

Der Bebauungsplan der Krone-City will genau durchdacht sein - samt Abwasser, Frischwasser, Duschen und Müllcontainern. Für Max Siemoneit-Barum bedeutet dies, mit einem Vorkommando von 70 Leuten jeweils einen Tag vor dem Umzug zum neuen Festplatz in die nächste Stadt vorauszufahren. "Wir treffen uns mit den Vertretern der jeweiligen Stadt, um zu klären, wo die Strom- und Wasseranschlüsse sind, dann legen wir generalstabsmäßig den Aufbauplan fest", sagt er. Allein für das Zirkuszelt müssten "rund 200 Anker in die Erde getrieben werden".

Feste Zirkushäuser sind selten

Ein logistischer Kraftakt, bei dem nichts zufällig ist und von dem viele Münchner nichts ahnen. "Weil sie die zwei Leben des Circus Krone nicht kennen", sagt Matzenau. "Es gibt tatsächlich Münchner, die sagen, ,mei, der Krone hat ein Zelt, das wussten wir gar nicht'." Das zehntägige Zeltgastspiel biete die Gelegenheit, den Circus Krone erstmals seit vier Jahren so zu erleben wie die übrige Welt - im Zelt. Es kommt eher selten vor, dass Krone in München außerhalb seines Stammhauses an der Marsstraße spielt.

In anderen Städten wiederum sorge die Nachricht, dass der Circus Krone in seiner Münchner Heimat einen festen Winterbau besitze, für Überraschung. "Früher gab es solche festen Zirkushäuser auch in Dresden, Berlin und Hamburg", erzählt Matzenau. Im Zweiten Weltkrieg wurden sie zerstört - auch in München. Doch nur hier sei 1945 gleich wieder ein "spielfähiges festes Haus aus dem Boden gestampft" worden. Und das ist bis heute der einzige feste Zirkusbau Deutschlands.

Neue Nummern von den bekannten Stars

Als eine Art Dankeschön für eine hervorragend gelaufene Wintersaison mit mehr als 400 000 Besuchern verstehe die Krone-Familie das Münchner Zeltgastspiel. Es soll auch eine Generalprobe für das neue Programm zum 110-jährigen Bestehen sein. Es enthält Nummern, die bislang in München noch nicht zu sehen waren. Natürlich seien "die Stars aus dem eigenen Haus", die Juniorchefin Jana Mandana und ihr Ehemann, der englische Raubtierdompteur Martin Lacey Junior, wieder mit dabei. "Aber mit ganz neuen Darbietungen", sagt Susanne Matzenau.

Jana Mandana etwa werde ihre Pferde-Freiheitsdressur und die klassische Hohe Schule im Csardas-Rhythmus vorführen - Klänge, zu denen auch erstmals eine vierzehnköpfige Show-Ballettgruppe auftreten wird, inszeniert von dem amerikanischen Film- und Fernseh-Choreografen Gene Reed. Bis Anfang dieser Woche reisten die Wagen der Artisten an. Zwar seien die Nummern, die Zirkuschefin Christel Sembach-Krone nach wie vor persönlich aussucht, "praktisch perfekt", wie Matzenau sagt. Doch sie müssten noch angepasst und in die richtige Reihenfolge gebracht werden.

Wie die Reise weitergeht

In der Nacht vom 12. auf den 13. April wird sich die Krone-City dann in Bewegung setzen, zunächst nach Landau. Dort wird Max Siemoneit-Barum wieder bereit stehen, um die Fahrzeuge in Empfang zu nehmen und mit dem Traktor auf die jeweiligen Stellplätze zu ziehen. "Aufatmen können wir immer erst, wenn alles an seinem Platz steht".

"Wenn ich die Wiesnwirte höre, die sagen, sie brauchen Wochen, um ihre Zelte auf- und abzubauen, muss ich immer ein wenig schmunzeln", sagt Matzenau. Der Zirkus bewältige den Aufbau des Chapiteaus in sechs Stunden, den Abbau sogar in nur drei Stunden. "Das geht natürlich nur, weil wir keine Saisonarbeiter, sondern eine eingeschworene Zeltmannschaft beschäftigen", sagt Matzenau. Bei der sitze jeder Handgriff und jeder wisse, wo er anpacken muss.

Evolution, Premiere, 2. April, 20 Uhr. Bis 12. April weitere Vorstellungen, werktags 15 und 20 Uhr, sonn-und feiertags 14.30 und 18.30 Uhr, Karfreitag, 3. April, spielfrei, dafür öffentliche Dressur- und Artistenproben ab 14 Uhr; 018 05/24 72 87.

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