Münchner Momente:Warum der Christkindlmarkt die bessere Wiesn ist

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Münchner Momente: Das friedliche Treiben auf dem Münchner Weihnachtsmarkt.

Das friedliche Treiben auf dem Münchner Weihnachtsmarkt.

(Foto: IMAGO)

Kein Gejammer über die Getränkepreise, keine Punschtassenschlägereien - aber dafür Kuschelbedürfnis, Nächstenliebe und innere Wärme.

Glosse von Andreas Schubert

Zu behaupten, die Massen hätten den Christkindlmarkt zur Eröffnung am Montag gestürmt, wäre sicherlich dem feierlichen Anlass nicht angemessen. Als Oberbürgermeister Dieter Reiter den Christbaum anknipste, drängten sich die Leute so friedlich und beseelt aneinander wie Hundewelpen im Bastkörbchen. In schwierigen Zeiten wie diesen rücken die Menschen eben gerne etwas näher zusammen. Dazu kommt, dass das Kuschelbedürfnis im grauen November besonders hoch ist. Glühwein- und Senfflecken auf dem Mantel sind in der Vorweihnachtszeit kein Ärgernis, sondern ein Ausdruck der Nächstenliebe.

Zum bisher letzten städtischen Christkindlmarkt 2019 kamen nach Angaben der Stadt 3,3 Millionen Besucher. Wenn das stimmt, waren das etwa halb so viele wie beim Oktoberfest - auf einer Fläche, die 84-mal kleiner ist als die Theresienwiese. So viel zum Thema Kuscheln.

Der Budenzauber vor dem Rathaus ist aber nicht die Wiesn, auch wenn beide zufällig ein und denselben Chef haben. Statt Hendlhüten tragen die Menschen lustige Rentiergeweihe auf dem Kopf, niemand mosert, wenn abends am Marienplatz Volksmusikanten ihr mehr oder minder Bestes geben. Und anders als beim Oktoberfest muss sich Wirtschafts- , alias Wiesn-, alias Christkindlmarktreferent Clemens Baumgärtner kein Gejammer über die Getränkepreise anhören.

Im Advent sitzt den Leuten der Geldbeutel eben so lange locker, bis das Weihnachtsgeld sich im Glühweindunst aufgelöst hat. Zudem ist es allemal günstiger, sich vor einer bunten Glitzerkulisse mit versüßtem Alkohol von innen zu wärmen, als daheim die Heizung oder gar das Licht anzumachen. Fünf Euro für ein Becherchen Glühwein dürfen da schon mal drin sein. Und selbst wenn das auf die Mass hochgerechnet 25 Euro wären, so hat man bislang von einer Forderung nach einer Punschpreisbremse oder Ähnlichem noch nichts gehört.

Selten hört man zudem, auch wenn es sie zumindest andernorts gibt, von Weihnachtsmarktschlägereien. Das kann daran liegen, dass die Vorweihnachtszeit auch Betrunkene meist friedlich stimmt - oder aber daran, dass so eine Punschtasse anders als ein Masskrug eher weniger zum Zuhauen verleitet.

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