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Christian Udes Abschied:Ein Mann wie die Stadt

Christian Ude

Christian Ude beim Wiesn-Standkonzert im September 2013 vor der Bavaria als Dirigent - zum letzten Mal in seiner Amtszeit.

(Foto: Stephan Rumpf)

Christian Ude war erfolgreich, politisch versiert und populär. In jüngerer Zeit stand der Oberbürgermeister aber oft quer zur Stimmung in München. Das wäre ihm früher nicht passiert. Für viele war er die Verkörperung dessen, was es heißt, Münchner zu sein.

Wenn einer 20 Jahre lang eine Großstadt als Oberbürgermeister regiert, dann ist er nicht nur ein erfolgreicher, sondern auch ein guter Politiker. Und wenn er stets mit nahezu Zwei-Drittel-Mehrheiten wiedergewählt wird, dann ist er noch dazu beliebt. Christian Ude, der nun mehr nolens als volens in Pension geht, war erfolgreich, politisch versiert und sehr populär. Er hat München geprägt, wie das in den letzten 50 Jahren nur Hans-Jochen Vogel geschafft hat. Für viele Münchner war Ude die Verkörperung dessen, was es heißt, Münchner zu sein: ein Mann wie die Stadt.

Ude hat vieles richtig und manches falsch gemacht. In großen Fragen stand er in jüngerer Zeit manchmal quer zur Stimmung in der Stadt, was ihm früher nicht passiert wäre, weil er da die Stimmung in der Stadt war. Er hat etliche Probleme schleifen lassen, auch weil es so viele Möglichkeiten gab, angenehmere Dinge zu tun. Auch das gehört zu München und damit zu Ude: Wenn man draußen in der Sonne sitzen kann, wäre man doch blöd, die Pflicht stets rechtzeitig zu erfüllen. Das ist Udes Mykonos-Prinzip.

Und dennoch: Wäre ihm eine erneute Kandidatur als OB 2014 nicht aus Altersgründen verwehrt gewesen, er hätte noch einmal und wohl wieder mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit gewonnen.

CSU machte oft weniger Schwierigkeiten als die SPD

Nicht die SPD als solche ist in München populär. Bei der ersten Kommunalwahl ohne Ude ist sie deswegen in München dramatisch eingebrochen. Ude hat seit den Neunziger Jahren die Münchner SPD gezogen. Weil aber gerade die SPD so oft so wenig mit populären Politikern in den eigenen Reihen klarkommt, war das Verhältnis etlicher Parteifunktionäre zu Ude von einem bisweilen aggressiven Minderwertigkeitskomplex geprägt. Die CSU hat ihm oft weniger Schwierigkeiten gemacht als die SPD.

Allerdings, auch das gehört zur Wahrheit, war die immense Zugkraft der Lokomotive Ude eher auf den MVV-Raum beschränkt. Udes Ergebnis als SPD-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl war mau, auch wenn es besser war als vor fünf Jahren. Ude hat die Sozialdemokraten in Bayern immerhin aus dem Koma in die Pflegebedürftigkeit gezogen.

München wird sich zwar von seinem Oberbürgermeister Ude verabschieden müssen, nicht aber von der öffentlichen Person Christian Ude. Er wird der Stadt als Kolumnist, als Redner, als schnurrbärtige Erinnerung daran, dass früher alles besser und vor allem lustiger war, als Nörgler, als Ich-Maschine und als Kümmerer erhalten bleiben - eben als der archetypische Münchner.

© SZ vom 30.04.2014/ahem

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