Christian Springers neues Buch zum Nahost-KonfliktDer „Orienthelfer“ verteidigt Israel

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Bündelt seine Erfahrungen als „Orienthelfer“ und Kämpfer gegen den Antisemitismus in einem neuen Buch: Kabarettist Christian Springer.
Bündelt seine Erfahrungen als „Orienthelfer“ und Kämpfer gegen den Antisemitismus in einem neuen Buch: Kabarettist Christian Springer. (Foto: Oliver Hochkeppel)

Der Kabarettist und Autor Christian Springer will in seinem neuen Buch „Sisi in Gaza“ über den Nahost-Konflikt mit antisemitischen Klischees aufräumen.

Von Oliver Hochkeppel

Christian Springer hat wieder ein Buch geschrieben, das achte seit 2011. Schon oft hat man sich gefragt, wie er das eigentlich schafft. Parallel zu seinem Hauptberuf als Kabarettist, in dem er ja nicht nur mit Solo-Programmen, sondern auch als „Schlachthof“-Gastgeber und Autor für andere (lange Zeit etwa bei der Nockherberg-Fastenrede) äußert gut beschäftigt ist. Und parallel zu seinem aufopfernden Engagement als „Orienthelfer“ mit dem von ihm nach dem Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs gegründeten gleichnamigen Verein.

Nun waren seine Werke mitunter relativ schlank, wie seine an Horst Seehofer gerichtete Replik „Landesvater cool down“ 2015 oder sein Kommentar zum Kreuzerlass „Die Antwort auf Söders Kreuz … ist 240 Jahre alt“. Diesmal aber sieht es anders aus: 400 Seiten ist „Sisi in Gaza“ stark. Ein im wahrsten Sinne des Wortes gewichtiger Diskussionsbeitrag zum Nahost-Konflikt, dem er den Untertitel verlieh: „Was Sie über Gaza nicht wussten und nicht wissen müssen, aber wissen sollten.“  Er hat es in kurzer Zeit bis in den Oktober dieses Jahres hinein geschrieben. Sogar das Trump-Abkommen und den (brüchigen) Waffenstillstand hat er noch eingearbeitet.

Wie bei seinen früheren Werken, ob eben zum Umgang mit Geflüchteten und zum Kreuzerlass, ob zur Klimakatastrophe, zum Umgang mit Russland oder zuletzt zur Geschichte der politischen Gewalt in Bayern – stets hat Springer sich nicht nur um den Grundgedanken der Aufklärung und möglichst akkurate Recherche bemüht, er hat immer klare Kante gezeigt, wie man so schön sagt. Das ist bei „Sisi in Gaza“ nicht anders, diesmal aber wird seine Haltung wohl für viele sehr überraschend sein. Denn der Freund und Verehrer der arabischen Welt und Kultur, der „Orienthelfer“, der auch viele Palästinenser vor dem Terror des Assad-Regimes rettete, zeigt sich hier als vehementer Fürsprecher Israels. Was allerdings keinen verwundert, der auch um Springers lebenslangen Kampf gegen den Antisemitismus weiß.

„Jetzt wird es Zeit, die Klischees auszurotten“, sagt Springer. Entsprechend wütend kämpft er im Buch mit „Aufklärung, Information und vor allem Mitmenschlichkeit“ gegen menschenverachtenden Judenhass, Israel-Vernichtung und Holocaust-Vergleiche. Fulminant stellt er die seit jeher menschenverachtenden, frauenfeindlichen, antisemitischen und die eigene Bevölkerung als Geiseln und Schutzschilde benutzenden Programme, Worte und Taten der Hamas und ihrer Unterstützer bloß. Und nicht minder wuchtig geht er mit der Blauäugigkeit des Westens ins Gericht, dem er die unkritische Übernahme der terroristischen und islamistischen Propaganda vorwirft.

Sein Buch ist Mosaik aus Geschichte und Geschichten

Man könnte dies als einseitig betrachten, würde der ehemalige Student der Semitistik und Philologie des christlichen Orients (neben bayerischer Literaturgeschichte), der ausreichend Arabisch wie Hebräisch beherrscht, nicht solch eine Fülle an Argumenten und Belegen ausbreiten. Wobei sein Buch keine chronologische oder thematisch sortierte wissenschaftliche Abhandlung ist, sondern ein Mosaik aus Geschichte und Geschichten von Gaza, dem Nahost-Konflikt, Israelis und Palästinensern. Mit einer fast überwältigenden, aber immer spannenden Fülle an gründlich hinterfragten, dokumentierten und durchdachten Fakten.

Die mehr als 100 kurzen Kapitel beginnen zumeist mit aktuellen Geschehnissen, um dann ihren historischen und sachlichen Hintergrund und schließlich den Wahrheitsgehalt ihres Niederschlags in der Öffentlichkeit zu ergründen. Oft verstecken sich verblüffende Zusammenhänge und Tatsachen in Exkursen („Dazu noch eines …“) oder Fußnoten. Die eindrucksvoll dazu ausgewählten Illustrationen stammen aus mehreren Zeichnungs-Mappen des von den Nazis verfemten Künstlers Willi Geiger.

Vielleicht hätte sich Springer noch etwas weniger angreifbar gemacht, wenn er die zweifelhafte politische Karriere von Benjamin Netanjahu samt seinem aktuellen Grusel-Kabinett auch entsprechend beleuchtet hätte. Immerhin kann er darauf verweisen, dass dessen härteste Kritiker sich in Israel selbst befinden und ganz im Gegensatz zur anderen Seite keiner von ihnen um Leib und Leben fürchten muss.

Am Sonntag, 16. November, um 11.30 Uhr stellt Springer sein Buch im Lustspielhaus der Öffentlichkeit vor. Grußworte sprechen der Antisemitismus-Beauftragte der Staatsregierung Ludwig Spaenle und Oberstaatsanwalt Andreas Franck, Antisemitismusbeauftragter der bayerischen Justiz. Für die musikalische Umrahmung sorgt der Oberstufen-Chor des Maria-Theresia-Gymnasiums mit Songs aus der „Westside Story“. Es dürfte eine spannende und durchaus kontroverse Veranstaltung werden. Wie sagt Springer so schön: „Nahostexperte werden Sie mit diesem Buch nicht – seien Sie froh darüber!“

Christian Springer: „Sisi in Gaza“, cs Wort, 400 Seiten, 24 Euro; Präsentation am Sonntag, 16. November, 11.30 Uhr, Lustspielhaus, Occamstraße 8

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