Chöre Go-Sing-Choir und Köşk-Chor

Go-Sing-Choir

Ein Auftritt war nie geplant. Das hätte den einen oder anderen Sänger vielleicht sogar zu sehr eingeschüchtert und davon abgehalten, zu erscheinen. Die Idee des Go-Sing-Choir ist es aber, dass alle kommen können, ob sie singen können oder nicht. Es soll keine Hürden geben, nur die Lust am gemeinsamen Singen beliebter Pop-Nummern. Wenn dieses Konzept für einen offenen Chor an die Idee des 1. Münchner Kneipenchores vor vier Jahren erinnert, dann trifft das zu. So fing alles an, aber je öfter die etablierte Boazn-Bande auftritt, umso mehr wollen sich dem lässigen Haufen anschließen, umso länger wird die Warteliste, und jede Kratzkehle kann aufgrund des geübten Auftretens nun auch nicht aufgenommen werden. "Das ist schon schade", sagt der Kneipenchor-Leiter Jens Junker, "erst motiviert man die Leute zu singen, dann muss man sie wegschicken."

Genau aus diesem Dilemma heraus hat er zusammen mit Ian Chapman von der Band Gurdan Thomas den Go-Sing-Choir gegründet: keine Mitgliedschaft, keine Verpflichtungen, keine Kostüme - man trifft sich nur einmal jeden letzten Sonntagnachmittag im Monat im Club Milla, studiert in zwei Stunden ein Stück ein, bekommt ein Video davon und geht wieder auseinander. Kann das klappen? Junker und Chapman wissen schließlich nie, wie viele kommen und wie sie singen.

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Aber sie haben eine Methode entwickelt, mit der jeder schnell seine Wohlfühl-Stimmlage findet, und sie haben immer einfache, aber schöne Arrangements geschrieben. "Das ist kein Karaoke", sagt Junker, "es soll schon mehrstimmig sein". Gerade sangen sich ein paar Dutzend Gäste mit "Where is my mind" um den Verstand, und beim ersten Termin im Mai setzten sie sich über Amy Winehouse' "You Know I'm No Good" hinweg: Und wie gut sie waren, das zeigten alle bei einem spontanen Auftritt nach der Probe auf dem Platz vor der Milla.

Köşk-Chor: Sänger, die in einer Subkultur-Galerie proben

Irgendwann hatte Manuela Rzytki genug von der Vereinzelung. Warum mehrstimmige Gesangsprojekte immer nur alleine umsetzen, wenn doch ein Chor dafür wie geschaffen ist? Kurzerhand gründete die Musikerin, die auch an Produktionen des Residenztheaters und den Münchner Kammerspielen mitwirkt, einen Laienchor. Weil die Sänger die Räumlichkeiten des Kunstprojekts "Köşk" nutzen dürfen, übernahmen sie dessen Namen einfach für sich. Aktuell singen etwa 20 Leute regelmäßig in der Gruppe, darunter vor allem Frauen. "Deshalb arrangiere ich unsere Lieder unkonventionell - da singen die Frauen auch mal im Tenor und unsere wenigen Männer schon mal die höheren Lagen", erklärt die Gesangsleiterin Manuela Rzytki.

Der Chor ohne strenge Vorschriften singt dann auch nicht nur klassische Werke. Poplieder stehen bei dem individuellen Gesangsverein ebenso auf dem Programm wie Kunstperformances. Als Manuela Rzytki den Chor vor zweieinhalb Jahren startete, mimte das Ensemble auch schon mal eine Raumfahrtbesatzung: "Ich hatte ursprünglich sogar die Vorstellung von einem ,Space-Chor', aber auf Dauer immer die gleiche Idee umzusetzen, war mir dann doch zu dogmatisch." Außerdem legt die Musikerin, die auch die Band Parasyte Woman gründete, großen Wert auf eine gemeinsame Gestaltung des musikalischen und künstlerischen Programms zusammen mit den Sängern: "Ich bin ja schließlich kein Maestro".

Einmal pro Woche probt der Laienchor, der alle Altersgruppen ansprechen möchte, in den Räumen der ehemaligen Stadtbibliothek im Westend. Der Köşk-Chor ergänzt das vielfältige Angebot des künstlerischen Zwischennutzungsprojekts des Kreisjugendrings, von dem das gesamte Stadtviertel profitieren soll. "Die Räume sind zwar nicht besonders nobel ausgestattet, aber die Atmosphäre hier gefällt uns sehr", erklärt die Chorleiterin ihre Wahl für den Proberaum.

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