Süddeutsche Zeitung

Noura Elmassaoudis Dirndl-Kollektion:Spendenlust im Rüschenhemd

Lesezeit: 2 min

Bei der Modenschau der Charity-Eagles kämpfen die Veranstalter mit der Hitze - trotzdem kommen am Ende für den guten Zweck 72 500 Euro zusammen.

Von Thomas Becker

Manchmal führen die abseitigen Wege zum Erfolg. Wer könnte dazu keine Geschichte erzählen? Die vom Golf-Charity-Turnier der Eagles geht so: die Bar rechts liegen lassen, statt die Linkskurve zum WC einfach geradeaus, rechts um die Ecke schauen - da ist er, der Fernseher. Weil außer musikalischer Druckbetankung gerade kein Programmpunkt ansteht, gönnt sich der Reporter ein paar Minuten Fußball.

Bei "Sweet Caroline" fällt das 3:0, bei "Sweet home Alabama" das 4:0, bei "Smoke on the water" das 5:0, und allmählich fragt man sich in dieser frühen Phase des Abends, wo das alles noch hinführen soll. Nicht nur mit dem FC Bayern und Eintracht Frankfurt, sondern auch mit dieser enthemmten Party-Gemeinde im Clubhaus des Münchener Golf Clubs in Straßlach. Kurz nach 21 Uhr stehen alle auf den Bänken und grölen, was das Stimmband hergibt, auch die Jungen vom Fahrservice wippen verstohlen grinsend mit, der Barkeeper jongliert mit drei Flaschen und pustet dabei aufgeregt in eine Trillerpfeife. Sollten hier nicht Spenden gesammelt werden? Doch, doch, alles zu seiner Zeit.

Lange bevor Sascha Klaar und Band damit begonnen haben, den Gästen so richtig schön einzuheizen, gleicht der Saal einem Treibhaus. Abends um 19 Uhr noch 29 Grad, drinnen kein bisschen Luft: schlechte Voraussetzungen für eine Modenschau. Dennoch stöckeln zehn Models los, um Noura Elmassaoudis Dirndl-Kollektion zu zeigen. Ein Handtaschenwurf entfernt vom "H'ugo's" betreibt die Marokkanerin eine Boutique, gilt mit ihren drei Schwestern als "Münchner Kardashians" (Abendzeitung).

Doch so schick ihre Trachten auch sind: Nach und nach setzt Platzflucht ein, raus an die frische Luft. Die Moderatorin fleht ins Mikro: "Es ist noch nicht zu Ende! Bleibt bitte noch, haltet durch!" Wenig später stolziert Moderatorin Marie Amière zum Finale furioso im Hochzeits-Dirndl mit meterlanger Schleppe hinaus ins Freie: Zeit für Gruppenfotos vor Golfplatz-Panorama! Model und Unternehmer Papis Loveday, Rüschenhemd über der Krachledernen, drapiert sich gleich mal im Querformat zu Füßen der Damen.

Die Einzigen, die draußen sitzen geblieben sind, Martin Krug und Axel Muntz, bekommen nun Gesellschaft von einem Herrn im hellen Sommeranzug: Mykola Aleksandrovich Udianskyi, Krypto-Unternehmer aus Charkiw, laut Forbes 180 Millionen Dollar schwer und unter den 100 reichsten Ukrainern im vorderen Mittelfeld. In bester Oligarchen-Manier kürzt er später die zwischen 3000 und 4000 Euro dümpelnde Versteigerung eines Diamantrings ab, indem er fünf Finger einer Hand hebt: 5000 zum Dritten! "Für den Herrn da hinten", sagt die Moderatorin.

Schirmherr Reiner Calmund wird es freuen. Er ist Teil von "Rolf & Friends", einer Gruppe um den Grünwalder Unternehmer Rolf Merz. Der findet, "dass wir gerade jetzt etwas tun sollten, um Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind, zu helfen". Und so profitieren die Deggendorfer Hilfe Dr. Dück sowie die Stiftungen von Calmund und Felix Neureuther von diesem Abend, bei dem 72 500 Euro zusammenkommen.

Wenn auch unter Mühen: So enthemmt wie bei der Musik sind viele beim Spenden nicht mehr. Felix Neureuther, vorbildlich in Tracht, trotz Hitze sogar in Loferln, geht weite Wege, um diverse Gegenstände an den Mann/die Frau zu bringen. Auch den Geburtstag von Mama Rosi hat er vorzeitig verlassen, "weil's um die gute Sache geht. Trinkt's gern noch a Glasl - da spendet es sich einfacher".

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