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Champions League:Juventus-Fans im Hofbräuhaus: "Einfach nur sehr laut"

Hofbräuhaus am Platzl in München, 2015

Im Hofbräuhaus am Platzl werden die italienischen Fans die eine oder andere Maß Bier trinken.

(Foto: Claus Schunk)

Sie kommen zahlreich und sie kommen schon früh am Vormittag: Wie der Sicherheitschef des Hofbräuhauses, Gerd Lutz, italienische Fußballfans erlebt.

Interview von Andreas Schubert

An diesem Mittwochabend spielt der FC Bayern im Champions-League-Achtelfinale gegen Juventus Turin im Fröttmaninger Stadion. Und auch wenn das Hofbräuhaus darauf Wert legt, keine Fußballkneipe zu sein, sondern ein bayerisches Wirtshaus, ist es für viele italienische Fans Anlaufstelle. Dort ist eigens ein Sicherheitsdienst im Einsatz, um Ärger mit betrunkenen Fans zu vermeiden. Ein Gespräch mit Gerd Lutz, dem Sicherheitschef des Hofbräuhauses, über die Frage, wie die Ordner den Ansturm bewältigen.

SZ: Herr Lutz, wann kommen denn die ersten Italiener ins Hofbräuhaus?

Gerd Lutz: Ein paar waren schon am Dienstagvormittag da. Der große Schwung kommt aber immer erst am Abend so gegen 18 Uhr. Am Spieltag kommen sie schon am Vormittag und bleiben so bis 17 Uhr - dann geht es ins Stadion.

Wie feiern die Italiener?

Viele treffen sich in der Schwemme. Ins Bräustüberl wollen die nicht. Dann wird natürlich bis zum Schankende getrunken und es wird schon mal sehr laut. Aber aggressiv sind italienische Fußballfans in der Regel nicht. Sie sind einfach nur sehr laut.

Es bleibt also friedlich?

Normalerweise schon. Ich mache den Job seit 2009 und habe noch keine Schlägereien erlebt. Die Ordner sollen auch deeskalierend wirken und einschreiten, bevor ein möglicher Konflikt entsteht.

In welchen Fällen muss die Security trotzdem einschreiten?

Was wir nicht dulden, sind Fangesänge. Fahnenschwenken und das Ausrollen von Transparenten sind ebenfalls nicht erlaubt - und auf Tische und Stühle zu steigen, ist ein absolutes No-Go. Erkennbare Fan-Gruppen ab fünf Leute, die zum Beispiel Trikots tragen, angetrunken sind und potenziell Ärger machen, werden am Spieltag schon am Eingang abgewiesen.

Was machen Sie, wenn's trotzdem eskaliert?

Wir fordern die Gäste auf, ruhig zu sein, und sie bekommen kein Bier mehr. In der Regel verlassen sie dann nach einiger Zeit von selber das Lokal. Wenn das nicht wirkt, kommt das Hausverbot.

Dass italienische Fans sich im Hofbräuhaus versammeln, ist ja nichts Neues. Feiern Fans verschiedener Vereine auch unterschiedlich?

Nein, da habe ich bisher nichts feststellen können.

Wie viele Ordner sind bei großem Fanandrang im Einsatz?

Am Vortag sind es von 17 Uhr an in der Regel vier. Wir haben uns natürlich vorbereitet und auch italienischsprachige Kollegen angefordert. Am Spieltag sind es dann vier Ordner ab 10 Uhr, zwischen 12 Uhr mittags und 20 Uhr sind es dann insgesamt neun Einsatzkräfte.

Sind Sie selbst auch im Einsatz?

Ja, bis die meisten sich Richtung Stadion aufgemacht haben.

Dann können Sie ja wenigstens noch das Spiel sehen.

Vielleicht schon. Den Anpfiff werde ich aber sicher verpassen.

Gerd Lutz, 67, ist pensionierter Polizist und betreibt eine Firma für Sicherheitsberatung. Außerdem kümmert er sich um die Sicherheit im Hofbräuhaus.

(Foto: privat)
© SZ vom 16.03.2016/vewo

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