Pariser und Mailänder sind keine Schotten. Aber Bierdurst dürften auch die Fans von Paris Saint-Germain und Inter Mailand mitbringen, wenn sie an diesem Wochenende zum Champions-League-Finale ihrer Klubs nach München kommen. Beim Café Woerner’s am Marienplatz, das bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen geriet, weil die schottischen Gäste kurzzeitig den Biervorrat leertranken, gibt man sich dennoch gelassen: „Ich gehe davon aus, dass genug Bier da ist“, sagt eine Mitarbeiterin auf Nachfrage.
Wie sich der Rest von München auf das fußballerische Großereignis vorbereitet: ein Überblick.
Das Rahmenprogramm mit Public Viewing
Am Donnerstag um 11 Uhr eröffnet im Olympiapark das sogenannte Champions-Festival. Dort wird es bis zum Public Viewing am Samstagabend zahlreiche Programmpunkte geben, darunter mehrere Konzerte und ein Auftritt des Freestyle-Fußballers Marcel Gurk. Außerdem sollen Besucher etwa Fotos mit dem Champions-League-Pokal machen und ihre „Zweikampf-Skills“ in einem Fußballkäfig testen können, schreibt die Stadt. Das Spiel, das um 21 Uhr beginnt, wird dann für alle, die kein Ticket für die Arena in Fröttmaning haben, auf einer großen Leinwand am Olympiasee gezeigt. Der Eintritt ist frei, bei Überfüllung „wird der Zugang zum Champions Festival geschlossen“, so die Stadt. 23 000 Menschen sollen dort insgesamt Platz haben.
Die Fußballinteressierten werden sich den Olympiapark am Samstagabend übrigens mit Popmusikfans teilen müssen: Das Konzert der britischen Sängerin Dua Lipa in der Olympiahalle beginnt eineinhalb Stunden vor Anpfiff. Weitestgehend unter sich dürften die Fußballanhänger hingegen am Odeonsplatz und am Königsplatz sein, wo es am Samstag zwei offizielle „Fan Meeting Points“ geben wird.

Champions-League-Finale 2025:Vier Tage im Zeichen des Fußballs
Zum ersten Mal seit 13 Jahren findet am 31. Mai wieder ein Champions-League-Finale in München statt. Welche zwei Mannschaften dort aufeinandertreffen, ist noch unklar. Doch die Vorbereitungen laufen in der Stadt bereits jetzt auf Hochtouren.
Der Odeonsplatz ist den Fans von Inter Mailand vorbehalten, der Königsplatz ist für die Anhänger von Paris Saint-Germain vorgesehen. Dort wird es jeweils ab 11 Uhr Unterhaltungsprogramme, Essen und Trinken geben – ein Public Viewing ist allerdings nur am Königsplatz geplant. Wer das Spiel ansonsten in der Innenstadt sehen möchte, wird sich eine Gaststätte suchen müssen, wobei die Auswahl größer sein dürfte als an gewöhnlichen Bundesliga-Wochenenden: Weil das ZDF überträgt, benötigen Kneipen und Biergärten keine teure Lizenz, sondern im Grunde bloß einen Fernseher oder eine Leinwand. Die Fußball-Kultkneipe „Stadion an der Schleißheimer Straße“ ist bereits seit Tagen ausgebucht.
Keine Fußball-Übertragung wird es im Hofbräuhaus geben, wie Sprecher Tobias Ranzinger bestätigt. Dennoch: „Wir erwarten viele italienische und französische Fans.“ Was in München passiere, das passiere auch im Hofbräuhaus, so Ranzinger, der zugleich betont, eine Balance wahren zu wollen – eine Art Obergrenze für Fußballfans also: „Wir werden auch normale Gäste haben.“ Sorge vor Ausschreitungen hat Ranzinger indes nicht, sagt er, mit Gewalt von Fußballfans hätten sie in der Vergangenheit keine Probleme gehabt. „Wir öffnen alle Bereiche, haben überall Musik und machen ein paar Schweinshaxn mehr als sonst.“

Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) erwartet insgesamt rund 90 000 Übernachtungen von auswärtigen Gästen – und ein Umsatzplus von ungefähr 30 Prozent.
Die Sicherheit
Fans von Paris Saint-Germain gelten nicht als die allerbesten Verlierer. Als ihr Team zuletzt in einem Champions-League-Finale stand, 2020 in Lissabon, und verlor, reagierten einige von ihnen mit Gewalt auf die Niederlage gegen den FC Bayern. Unter anderem brannten Autos, zerbrachen Fensterscheiben und wurden Polizisten mit Feuerwerkskörpern attackiert. Das Glück für die portugiesische Hauptstadt: Wegen der pandemiebedingten Reiseverbote zerlegten die Pariser ihre eigene Stadt. Diesmal jedoch werden Zehntausende nach München kommen, genau wie die berüchtigten Inter-Mailand-Ultras der „Curva Nord“. Wie groß ist also das Gewaltpotenzial am Wochenende?
„Es ist damit zu rechnen, dass Risikopersonen hier sein werden“, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag, „aber wir sind gut vorbereitet.“ Etwa 2000 Beamte werden rund um das Champions-League-Finale im Einsatz sein. Unterstützung komme dabei von der bayerischen Bereitschaftspolizei sowie von szenekundigen Beamten aus Italien und Frankreich. Über Feindschaften zwischen den Fangruppen von Inter Mailand und Paris Saint-Germain sei zwar nichts bekannt, so die Polizei, aber gerade „die italienischen Fans haben ein gewisses Potenzial“. Deshalb habe man die Partie als Hochrisikospiel eingeschätzt.
Die Polizei werde verstärkte Präsenz zeigen, sagte der Sprecher. Hinzu kämen mobile und feste Sperren, um einen Vorfall wie zuletzt bei der Meisterfeier des FC Liverpool in England zu verhindern. Dort war ein Mann am Montagabend mit einem Auto in mehrere feiernde Fans gefahren. „Wir haben das auf dem Schirm“, betonte der Sprecher. Die Sicherheitskonzepte würden stets angepasst und seien gut, jedoch: „Ein hundertprozentiger Schutz ist nicht möglich.“
Der Verkehr
Zu Chaos in der U-Bahn kam es im vergangenen November nach dem Champions-League-Spiel des FC Bayern gegen Benfica Lissabon, nachdem einige Fans am Bahnhof Odeonsplatz Bengalos gezündet hatten. Zwischenzeitlich stellte die U-Bahn den Betrieb damals sogar ganz ein. Das soll nicht noch einmal passieren: „Die Mitarbeiter sind entsprechend sensibilisiert und auch die Branddirektion ist darauf vorbereitet, dass es zu einer Häufung von Auslösungen der Brandmeldeanlagen kommen kann“, teilt die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) auf Anfrage mit.
Trotzdem empfiehlt die MVG allen Fans, die zum Champions-League-Finale in die Arena fahren, eine frühe Anreise. Das Angebot zwischen Innenstadt und Fröttmaning werde bewusst verstärkt: Ab 13 Uhr komme alle fünf Minuten eine U-Bahn, ab 15 Uhr alle drei Minuten. Und auch nach dem Spiel fahren die Züge laut MVG „in kurzen Abständen“.
Wer am Wochenende in den Olympiapark möchte, sei es zum Fußballschauen oder für das Konzert von Dua Lipa, dem rät die MVG, mit der U8 zu fahren: Ab 16 Uhr komme zwischen Hauptbahnhof und Olympiazentrum alle fünf Minuten ein Zug. Die Züge der U3 könnten bereits ab Donnerstag, also mit dem Beginn des Festivals im Olympiapark, „voller als gewohnt“ sein.
Durch die Fantreffs an Odeons- und Königsplatz entfallen zudem die jeweiligen Bushaltestellen. Die Haltestelle „Odeonsplatz“ kann bereits ab Mittwoch, die Haltestelle „Königsplatz“ am Samstag nicht angefahren werden. Insgesamt sind die absehbaren Auswirkungen des Champions-League-Finals auf den Verkehr in München aber gering. Die Polizei hat dennoch eine Bitte an alle Münchner: „Kommen Sie nicht mit dem Auto in die Innenstadt.“

