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Cartoons im Amerikahaus:Ist das lustig?

Bei manchen Witzen bleibt das Lachen im Hals stecken, bei einigen stellt es sich erst gar nicht ein. Humor ist eigentlich wunderbar individuell und doch muss die Pointe gerade in einem so heterogenen Land wie den USA wohl möglichst allgemeingültig sein. Sie sollte auf keinen Fall eine Gesellschaftsgruppe verletzen. Über verbreitete Klischees aber lacht es sich besonders gut.

Cartoos Amerikahaus

Waisenhaus von Marisa Arcocella Marchetto.

(Foto: oH)

Da ist zum Beispiel diese Zeichnung: Ein älteres Paar im Museum vor einem großformatigen Bild - es zeigt eine Hand, den Mittelfinger ausgestreckt. Der Text: "Ich glaube nicht, dass man es gut finden soll." Oder diese: Ein Mann liegt auf einer Arztliege, lutscht am Daumen, nur sein Kopf und Oberkörper sind zu sehen. Neben ihm sein Psychiater, der Folgendes sagt: "Mr. Hargraves, Daumenlutschen kann geheilt werden. Aber sprechen wir zuerst darüber, was Ihre andere Hand macht."

Ist das lustig? Moralisch für manchen Leser vielleicht nicht akzeptabel. Lustig ist aber das hier: Zwei Tauben unterhalten sich auf einem Mauervorsprung: "Wahrscheinlich hat mich Pollock am meisten beeinflusst." Ein Diffee-Cartoon, abgelehnt.

Was ist für ihn und Noth eine gelungene Zeichnung? Sie müsse etwas Überraschendes enthalten, sagen sie einmütig. "Sobald man etwas erklären muss, ist es nicht mehr lustig", sagt Diffee.

Zeichnerisch auf hohem Niveau

Zeichnerisch sind die Arbeiten allesamt auf hohem Niveau. Der Inhalt und die erläuternde Unterzeile - die "caption" - sind ausschlaggebend. Wie wichtig dem New Yorker gerade das Wort ist, mag der Aufruf an die Leser am Ende jedes Magazins zeigen, einen Text zu einer Zeichnung zu erfinden.

Um als Gewinner mit seinem Einfall und Namen veröffentlicht zu werden, muss man sich nicht nur mit dem jeweiligen Cartoon auseinandersetzen. Es bedarf einiger Übung im Fach Humor. Wohl nicht nur Diffee und Noth bedauern, dass sie mit ihren Zeichnungen in Konkurrenz stehen zum Genre Fotografie und dass immer weniger Zeitungen und Magazine Cartoons veröffentlichen.

Das Schöne und Besondere am New Yorker allerdings ist, dass die Cartoons nicht auf einer Humorseite zusammengepfercht werden, sondern beiläufig und dadurch umso überraschender in lange Texte eingebaut werden, mit denen sie inhaltlich nicht zusammenhängen. Da reicht dann auch ein kleines Format, um große Wirkung zu erzielen.

Die Ausstellung im Amerika Haus zeigt uns unsere eigenen Abgründe. Lachen ist hier ausdrücklich erwünscht.

"The rejection collection", bis 27. Juli, Amerikahaus, Karolinenplatz 3, Mo-Fr 10-17 Uhr, Mi 10-20 Uhr, Eintritt frei.

© SZ vom 09.07.2012/afis
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