Mobilität in MünchenWomit ein neuer Carsharing-Verein punkten will

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Bald geht es los mit dem Carsharing Trudering (von links): Johann Bieringer, Christian Koch von der Ostallianz, Rainer Ludwig und Stefan Ziegler vom Bezirksausschuss Trudering.
Bald geht es los mit dem Carsharing Trudering (von links): Johann Bieringer, Christian Koch von der Ostallianz, Rainer Ludwig und Stefan Ziegler vom Bezirksausschuss Trudering.
Privat
  • In Trudering soll im Herbst der erste von Privatleuten organisierte Carsharing-Verein der Stadt starteten, mit zwei bis drei stationierten Fahrzeugen.
  • Der Verein verzichtet auf monatliche Gebühren und verlangt stattdessen eine Aufnahmegebühr von 50 Euro plus 600 Euro Einlage.
  • Ein Sharing-Auto soll generell etwa 15 bis 20 private Autos ersetzen und ist etwa bis 12 500 Kilometer Jahresfahrleistung günstiger als ein eigenes Auto.
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In Trudering geht bald das erste Carsharing-Angebot der Stadt an den Start, das Privatleute organisieren. Doch braucht es das, wo es doch schon Stattauto, Miles und andere Anbieter gibt?

Von Andreas Schubert

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Irgendwann hat sich Johann Bieringer gedacht, wozu sollte er denn ein eigenes Auto besitzen, wenn er sich eines mit anderen Menschen teilen kann. Noch hat er seinen privaten Wagen nicht abgeschafft, aber bald soll es so weit sein. Bieringer bildet zusammen mit Rainer Ludwig den Vorstand des Vereins Carsharing Trudering. „Von Nachbarn für Nachbarn“ lautet das Motto dieses ersten Carsharing-Vereins der Stadt. Und wenn alles läuft wie geplant, will der Verein im Herbst klein anfangen und mit zwei oder drei an festen Orten stationierten Fahrzeugen an den Start gehen.

Freilich ist Carsharing in München nichts Neues, es gibt verschiedene Anbieter wie Miles, Sixt, Free2move oder Carvia, deren Autos die Nutzer überall in deren Geschäftsgebiet auf legalen Parkplätzen ausleihen und abstellen können. „Freefloating“ nennt sich das, man zahlt entweder nach Minute oder nach zurückgelegter Strecke. Und dann gibt es noch den Platzhirschen Stattauto, der seit 34 Jahren ein stationsbasiertes Carsharing anbietet und mittlerweile über eine Flotte von 450 Fahrzeugen verfügt, die auf feste Stationen im ganzen Stadtgebiet verteilt sind.

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Auch in Trudering ist Stattauto vertreten, wozu also braucht es einen eigenen Verein? Das, so erklärt es Bieringer, sei vor allem eine Frage des Geldes. Denn bei Stattauto zahlen die regulären Mitglieder, sofern sie keine Ermäßigung erhalten haben, neben einer Kaution zu Beginn der Mitgliedschaft auch einen monatlichen Beitrag von sechs Euro plus acht Euro monatlich für ein Sicherheitspaket. Dazu kommen dann noch die Kosten für die Nutzung der Fahrzeuge.

Diese monatlichen Gebühren will sich Carsharing Trudering sparen. Hier zahlen die Mitglieder eine Aufnahmegebühr von 50 Euro und eine einmalige Einlage von 600 Euro. Letztere wird wieder ausbezahlt, wenn man aus dem Verein wieder austritt. Dass keine Monatsgebühr fällig wird, soll vor allem denjenigen zugutekommen, die nur sehr selten Auto fahren.

Wie viel die Ausleihe später kosten wird, kann der neue Carsharing-Verein noch nicht sagen. Das wird laut Auskunft auf der Vereinshomepage carst.org vom Kaufpreis der Autos abhängen, von deren Kraftstoffverbrauch und vom aktuellen Spritpreis. Als Rechenbeispiel ist aber für einen Kleinwagen eine mögliche Ausleihgebühr von 95 Cent pro Stunde aufgeführt sowie ein Kilometerpreis von 35 Cent.  Für zwei Stunden und gefahrene 20 Kilometer käme man dann auf 8,90 Euro.

Mit ihrem Carsharing wollen die Truderinger auch einen Beitrag zur Verkehrswende leisten. Unterstützt werden sie dabei vom Verein Ostallianz, in dem neben den Münchner Stadtbezirken Trudering-Riem und Bogenhausen auch die Gemeinden im östlichen Umland Münchens organisiert sind. Auf einer Veranstaltung der Ostallianz sind Bieringer und seine Mitstreiter auf die Idee gekommen, einen eigenen Carsharing-Verein zu gründen. Auch mit dem Verein Vaterstettener Auto-Teiler (VAT) arbeitet Carsharing Trudering zusammen. Den VAT gibt es schon seit mehr als 25 Jahren, er verfügt über eine Flotte von 27 Fahrzeugen, die auch die Mitglieder von Carsharing Trudering nutzen können.

Für Johann Bieringer liegen die Vorteile auf der Hand. Einerseits tue man der Umwelt etwas Gutes, andererseits finde man in der Stadt besser einen Parkplatz, seit das Mobilitätsreferat an zentralen Orten in verschiedenen Stadtteilen eigens Parkplätze für Carsharing-Autos eingerichtet hat. Verwaltung und Politik wollen dadurch die Zahl der privaten Autos in der Stadt verringern.

Etwa 700 solche Carsharing-Parkplätze gibt es derzeit in der Stadt. Davon sind 172 an den Anbieter Stattauto und 25 an die Firma Carvia vermietet, die dort stationäres Carsharing anbieten. Diese Sonderparkplätze sind zwar ausgeschildert. Weil manche Nutzer anderer Carsharing-Anbieter die Schilder übersehen oder nicht verstanden haben, mussten jüngst mehrere Fahrzeuge von den vermieteten Parkplätzen abgeschleppt werden. Darauf reagiert die Stadt nun: Von diesem Montag an, werden die Sonderstellplätze deutlicher ausgeschildert, um künftig Missverständnisse zu vermeiden.

Nach verschiedenen Berechnungen soll ein Sharing-Auto etwa 15 bis 20 private Autos ersetzen. Und wer sein eigenes Auto aufgibt, spart sich viel Geld. Johann Bieringer schätzt, dass er künftig etwa 1200 Euro weniger pro Jahr fürs Autofahren ausgeben muss, wenn die laufenden Kosten für einen Privatwagen, also Versicherung, Steuer oder Wertverlust, wegfallen. Laut Bundesverband Carsharing ist ein durchschnittliches Carsharing-Angebot in Deutschland bis zu einer Jahresfahrleistung von 12 500 Kilometern günstiger als ein eigenes Auto.

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