Buchwalsky: Ein Hauch von Mailand in der Barer Straße
Es gibt sicher viele schöne Plätze, an die man sich im Buchwalsky setzen könnte. Der schönste aber ist vermutlich der neben der üppig gefüllten Brot- und Kuchentheke. Zumindest dann, wenn man bekennender Tram-Fan ist. Die fast wie ein Erker anmutende Nische bietet einen freien Blick auf die Barer Straße. Auf die Trambahnen, die hier alle paar Minuten vorbeifahren. Und auf das Gewusel dieser an Läden und Ladencafés reichen Straße. Die Barer Straße ist so zentral, wie es eine Straße außerhalb der Münchner Altstadt nur sein kann. Insofern: Hier ein Café zu eröffnen, macht Sinn. Und dann ist es auch noch ein solches, das sich „Feinkost“ als Namenszusatz gegeben hat. Und diesem wird es gerecht.
Zu erwähnen sind an der Stelle gleich zwei Dinge: das Rührei auf Brioche mit Avocado und Miso-Mayonnaise (14,50 Euro). Die Eier sind von einem Hof aus dem Chiemgau, man meint, das herauszuschmecken. Und auch wenn der Eindruck täuschen sollte: Es schmeckt allemal. Genauso wie das Pastrami-Sandwich mit Meerrettich und Zwiebel-Chutney (14,50 Euro). Das Brot kommt von Julius Brantner, der seine Bäckerei einen Tram-Halt entfernt hat und dessen Brote zum Besser-wird-es-nicht in der Münchner Gastro zählen. Neben Frühstück bietet das Buchwalsky auch einen Mittagstisch an, drei fixe Gerichte und eine wechselnde Tagessuppe.



Das Buchwalsky ist kein Ort, der versucht, den betont günstigen Café-Ketten Konkurrenz zu machen, die in den vergangenen Monaten auch unweit der Uni aufgetaucht sind. Das wäre auch nicht möglich, die Bohnen kommen von einer kleinen Rösterei. Ein Cappuccino kostet vier Euro, ein Matcha Latte 5,50 Euro. Den Espresso gibt es für einen Euro, allerdings nur im Stehen, wie in Italien. Ein Hauch von Mailand in der Barer Straße. „Der wird gut angenommen“, sagt Betreiber Andreas Buchwalsky, der seinen gleichnamigen Laden als „alkoholfreie Tagesbar“, als „ungezwungenes Frühstückscafé“ beschreibt. Mieten kann man die Räumlichkeiten auch für Feierlichkeiten.
Stolz ist Buchwalsky auf zwei Dinge: darauf, dass für die allermeisten Produkte kleine Lieferanten aus der Region akquiriert wurden. Und darauf, dass das Bananenbrot sowie die übrigen Kuchen (ab 5 Euro) selbst gebacken sind. Und das Beste: Das Bananenbrot gibt es in Kombination mit einem Cappuccino schon für acht Euro. Max Fluder
Café Buchwalsky, Barer Straße 74, täglich von 8.48 Uhr bis 17.28 Uhr, Mittwoch ist Ruhetag, instagram.com/cafe_buchwalsky
Tutu Kitchen: Bunter Brunch in charmanter Atmosphäre

Ein Pfännchen Shakshuka, ein Stapel Pancakes und ein veganes Weißwurstfrühstück, dazwischen eine Schale Hummus mit Fladenbrot zum Teilen: Es ist kulinarisch betrachtet ein buntes Durcheinander, dass man sich beim Brunch im Tutu Kitchen zusammenstellen kann. Auch das Interieur kommt ein wenig zusammengewürfelt daher, mit seinen unterschiedlichen Holztischen und -stühlen in Retro-Optik. Zwischen den vielen gestriegelten, ins Kleinste durchkonzipierten Brunch-Spots der Stadt fällt Tutu Kitchen heraus – und genau das macht den Charme aus.
Dass es hier nun jeden Samstag auch Frühstück gibt, ist relativ neu. Bekannt ist das Lokal in der Steinheilstraße bislang hauptsächlich für sein Abendprogramm. Seit der Eröffnung Ende 2023 werden hier abends Mezze und Drinks in geselliger Atmosphäre serviert. Auch da hat sich Inhaber Twana Nedamaldeen nicht auf eine gastronomische Linie festgelegt: Neben zahlreichen nahöstlichen Gerichten stehen auch Fish and Chips auf der Speisekarte. Denn eines ist ihm besonders wichtig: dass sich seine Persönlichkeit, seine Handschrift hier widerspiegelt. Die findet sich überall im Restaurant. Im Namen Tutu, einem Spitznamen seiner Eltern für ihn. In den Möbeln, die er wegen seiner Affinität für die Sechzigerjahre gewählt hat. In der kleinen Holzbühne neben der Eingangstür, auf der jeden zweiten Montag Konzerte gespielt werden, weil ihm Musik viel bedeutet.


Das Tutu Kitchen lässt sich nicht in klare kulinarische Kategorien einordnen. Das unterstreicht auch das neue Brunch-Menü. Die nahöstliche Küche macht dabei natürlich einen Teil aus. So gibt es zum Beispiel Shakshuka mit Feta (14,40 Euro), Sucuk mit Spiegeleiern (11,30 Euro) und eine Auswahl an Mezze sowie Dips, serviert mit dünnem Fladenbrot. Sehr zu empfehlen ist das Muhammara, eine Paste aus gerösteter roter Paprika und Walnüssen, garniert mit Granatapfelkernen (7,90 Euro). Dazu gibt es eben auch „westliche“ Klassiker wie Bio-Rühreier auf Sauerteigbrot (9,90 Euro), Croissants mit Butter und Marmelade (6,40 Euro) und vegane fluffige Pancakes mit Obst und Ahornsirup (12,40 Euro). Und für die bayerische Note noch vegane Weißwürste mit Breze und süßem Senf (11,20 Euro). Mit guter Qualität kann der Brunch im Tutu Kitchen definitiv punkten, ebenso mit der gemütlichen, unprätentiösen Atmosphäre. Und auch das vermeintliche Durcheinander der Gerichte zahlt sich aus: Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Emily Joy Neumann
Tutu Kitchen, Steinheilstraße 10, Montag bis Samstag 18 bis 1 Uhr, Samstag zusätzlich zum Brunch von 9.30 bis 15 Uhr, Sonntag 18 bis 23 Uhr instagram.com/tutu_kitchen_mezze_bar
Lou Lou Tagesbar: Ein exzellenter Ort, um in den Tag zu starten

Rote Farben dominieren den Raum, dazu ein wenig Marmor, polierter Edelstahl und gedämpftes Licht – die Lou Lou Tagesbar ist so eingerichtet, dass der Gedanke an den ein oder anderen Aperitif naheliegt, dazu vielleicht ein Schälchen mit Zitronenoliven. Und klar, durchzechte Nächte können durchaus in der Tagesbar in der Türkenstraße starten, bis 22 Uhr hat sie geöffnet. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass man es sich im Lou Lou nicht schon in der Früh gemütlich machen könnte. Im Gegenteil: Die Tagesbar ist ein exzellenter Ort, um in den Tag zu starten.
Das liegt unter anderem an der Frühstückskarte: Die ist zwar überschaubar, jedes Gericht hat aber eine eigene Note – und zu viel Auswahl braucht man frühmorgens ja ohnehin nicht unbedingt.
Wer es süß mag, kann zwischen einem French Toast und Granola wählen, mal gibt es außerdem Birchermüsli mit Apfelkompott und Zimt-Crème-Fraîche und Erdnussbutter, mal, so wie jetzt, eine Açaí-Bowl (ab 13 Euro). Kleine Abwandlungen dieser Gerichte sowie das Durchwechseln der Karte generell sorgen dabei für willkommene Abwechslung zum immer gleichen Frühstücksangebot. Dasselbe gilt für die Grill-Sandwiches: Die gab es zeitweise mit einer kleinen Tomatensuppe, derzeit gibt es sowohl zur vegetarischen Variante mit Schalotten-Konfit und Kimchi (15 Euro) als auch jener mit Schinken, Sauerkraut und Kimchi (17 Euro).
Wer ein klassisches Frühstück sucht, das auch auf Fotos etwas hermacht, der sollte das „Danish Breakfast“ (15 Euro) bestellen: Die aufgeschlagene Butter ist ein Hingucker – und schmeckt genauso gut, wie sie aussieht. Dazu gibt es Sauerteigbrot, ein gekochtes Ei, etwas Marmelade und wahlweise Käse oder Schinken.
Klar könnte man jetzt sagen: Das ist doch ein ganz gewöhnliches Frühstück. Und recht hätte man. Aber dänisches Frühstück klingt schöner – und scheint mit Blick auf die sozialen Medien voll im Trend zu sein. Dass an den umliegenden Tischen vor allem junge, stilbewusste Frauen sitzen, überrascht daher kaum. Dazu passt, dass es nun, nach der Wiedereröffnung – im Januar musste das Lou Lou aufgrund eines Wasserschadens vorübergehend schließen – Kaffee der Marke Melrose gibt, den die Influencerin Emma Svenningson herausgebracht hat.
Zum „Danish Breakfast“ passt zumindest optisch auch eine der Matcha-Variationen. Auch hier beziehen die Betreiber das Pulver der Marke Health Bar von einer Influencerin: Stefanie Giesinger ist Mitgründerin und Markenbotschafterin. Allen, denen so was nicht so wichtig ist, sei ein frisch gepresster Saft aus Apfel, Karotte, Orange und Ingwer empfohlen. Der ist leicht scharf und strahlt ebenso schön wie der Matcha – nur eben orangefarben.

Außerdem, und das ist der Vorteil an einer Tagesbar wie dem Lou Lou: Die Übergänge vom Frühstück zum Lunch und Abendessen sind hier fließend. Wer keine Lust hat auf ein Brot mit Rührei und Avocado (18 Euro), der muss einfach bis 11.30 Uhr warten. Von da an gilt parallel zur Frühstücks- auch die Lunchkarte, auf der unter anderem ein Rindertatar oder Spitzkohl mit Romanesco-Sauce und Haselnüssen stehen. Auch hier wird bis auf ein paar Klassiker alle paar Monate durchgewechselt.
Sicher ist: Es ist kein Problem, im Lou Lou auch weit über das Frühstück hinaus zu verweilen und sich durch den Tag zu snacken. Allein, das nötige Kleingeld braucht man: Selbst für Münchner Verhältnisse sind die Preise stattlich. Jacqueline Lang
Lou Lou Tagesbar, Türkenstraße 37, 80799 München, Öffnungszeiten: täglich von 8.30 bis 22 Uhr. Die Frühstückskarte gilt bis 14 Uhr.

