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Café Marais:Pariser Flair im Westend

Das Bircher Müsli zwischen altem und neuem Krimskrams. Das Marais im Münchner Westend nennt sich "Ladencafé" und wird diesem Anspruch auch gerecht.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Das Café Marais war einst ein Textilwarenladen. Heute können Gäste hier nicht nur gut frühstücken, sondern es gibt auch einiges zu sehen und zu kaufen.

Fans von Amélie Poulain aufgepasst: Im Marais im Westend werden Erinnerungen an Paris und verträumte Akkordeon-Klänge geweckt. Hohe Räume, bis unter die Decke ausstaffiert mit alten Regalen. Dazu Holzdielen, Holztische, Holzstühle, eine alte Registerkasse auf dem Tresen und in der Luft ein nicht zu aufdringlicher Parfüm-Duft. Amélie-Poulain-Darstellerin Audrey Tautou hätte wunderbar in dieses Ambiente gepasst und die Franzbrötchen schmecken fabelhaft.

"Ladencafé" nennen die Betreiber ihr Etablissement in der Parkstraße. In den Zwanzigerjahren befand sich ein Textilwarenladen in den Räumlichkeiten. Die Einrichtung ist nach wie vor original aus dieser Zeit. Heute bedeutet das, dass es ganz einfach ist, sich vor, während oder nach einem gemütlichen Frühstück oder Nachmittagskuchen in all die Broschen, Ohrringe, Schals, Ketten und Körperpflegeprodukte zu vergucken und sie bei Bedarf auch zu kaufen. Zu testen sind einige übrigens auf der Toilette, dort stehen Handcreme, Lotion und Bio-Seifen bereit.

Welche Frühstücke gibt's da und was kosten sie?

Das Frühstücksmenü ist zwar überschaubar, aber das ist auch beinahe gut so. Denn im Café selbst gibt es so viel zu sehen, dass man so wenig Zeit wie möglich mit der Entscheidung für die Speisen verbringen möchte. Darüber hinaus sind die Kuchen für drei Euro und die warmen Paninis beispielsweise mit gegrilltem Gemüse und Ziegenkäse für 6,20 Euro auch als Frühstücksbeilage empfehlenswert.

Rühreier gibt es wahlweise mit Schinken, Käse, Tomaten oder Speck und kosten 6,50 Euro. Kombinieren lässt sich ein derartiges Frühstück mit frischem Obstsalat, Müsli oder auch griechischem Joghurt mit Nüssen und Honig für jeweils 6,80 Euro. Wer es etwas eleganter möchte, kann den hausgebeizten Lach mit Meerrettich, Baguette und Butter für 12,50 Euro bestellen. Und dann gibt es auch noch eine Auswahl an täglich frischen Mittagsgerichten sowie Quiche und Salate zwischen neun und zwölf Euro.

Wer geht da hin?

Das Café Marais zieht trotz offensichtlichen Potentials zum Hipster-Treffpunkt ein bunt gemischtes Publikum an. Da schlürft der Sohn im Grundschulalter seine heiße Schokolade mit Sahne, während die Eltern und das befreundete Ehepaar auf das Mittagessen warten. Am Nachbartisch sind zwei ältere Herren schon seit einiger Weile in ein Gespräch vertieft, die Uni-Freundinnen an ihrem Platz vor der beschlagenen Fensterscheibe fühlen sich genauso wohl wie die Freundesrunde beim ausgiebigen Frühstück vor der Glasvitrine mit Vintage-Schmuck und Schals.

Wie viel Zeit bringt man mit?

Da das Ladencafé groß ist und sich hinter dem ein oder anderen Hutständer unverhofft ein weiterer kleiner Tisch auftut, findet man in der Regel gut einen Platz, auch wenn das Café auf den ersten Blick sehr voll aussieht. An Wochenenden kann es allerdings voll werden. Das Personal arbeitet nach einem nicht durchschaubaren System, sodass es vorkommen kann, von vier verschiedenen Kellnerinnen bedient zu werden, doch das macht nichts, denn effektiv ist der Service trotzdem.

Das Marais ist kein Café zum Arbeiten, weder Wifi noch genug Ruhe gibt es hier, um hier seinen Laptop aufschlagen zu wollen. Dafür beschwert sich aber auch niemand, wenn man etwas länger über nur einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen sitzt, um den lange nötigen Ratsch unter Freundinnen nachzuholen.