Busbetriebshof Laim:Die größte Garage der Stadt

Lesezeit: 4 min

Im Busbetriebshof Laim werden 150 Linienbusse auf Vordermann gebracht. Der Neubau in Moosach soll das noch einfacher und schneller machen

Von Anita Naujokat, Laim/Moosach

Manche Geräte in der mechanischen Werkstatt sehen aus, als könnten sie sofort dem Deutschen Museum überantwortet werden. Doch die Schleifböcke, den Amboss, das stählerne Monster zum Reinigen der Rußfilter und die Abkantbank zum Biegen von Blechen, die Bohr- und Nietmaschinen gibt Franz Fendt nicht so schnell aus der Hand. Die seien alle noch super in Schuss und funktionierten wie neue, versichert er. Und sie werden auch mitkommen, wenn die Stadtwerke München (SWM) den Busbetriebshof West an der Hans-Thonauer-Straße in Laim schließen und ihn am Georg-Brauchle-Ring in Moosach wieder eröffnen. Ende 2020 soll es soweit ein, wenn alles nach Plan verläuft.

60 Jahre wird der Busbetriebshof in Laim dann alt sein, und er hätte gründlich saniert oder neu gebaut werden müssen. Er ist einer von zweien, den die Stadtwerke für die städtischen Busse der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) unterhalten. Die Pläne für eine Renovierung hätten schon komplett gestanden, berichtet Fendt, doch dann schwenkten die Stadtwerke in Abstimmung mit der Stadt um. Das Grundstück in Moosach westlich des Abfallwirtschaftsbetriebs München (AWM) wäre nur schwer zu vermarkten gewesen, in Laim wäre eine hohe Lärmschutzwand wegen des geplanten Wohnungsbaus auf dem benachbarten Gelände des ehemaligen Tramdepots an der Zschokke-straße notwendig geworden. "Und eine Sanierung zu finanzieren ist, wie wir beim Busbetriebshof Ost gesehen haben, auch keine Kleinigkeit", sagt Fendt.

Franz Fendt und Ralf Willrett sind sozusagen die Herren über die städtische Busflotte. Fendt ist Bereichsleiter Bustechnik und -werkstätten bei den Stadtwerken, Willrett der Geschäftsführer Bus bei der MVG und Ressortleiter derselben Sparte bei den SWM. In der Spitze sind im Schnitt 450 Busse gleichzeitig im Stadtgebiet im Einsatz. Ist nach Störungen Schienenersatzverkehr nötig, sind es schon mal mehr, sagt Willrott. Etwa die Hälfte der Busleistungen stemmen 13 private Partner, deren Fahrzeuge sich durch nichts von den typisch blauen MVG-Bussen unterscheiden. Zusammen mit den Unternehmen beschäftigen SWM und MVG mehr als 1500 Busfahrer und -fahrerinnen.

Im Ablauf ähnelt so ein Busbetriebshof ein wenig dem auf einem gewerblichen Reiterhof. Bringen die Reiter die Pferde nach den Ausflügen zurück, übernehmen Mitarbeiter die Tiere und kümmern sich um Pflege, Fütterung und medizinische Betreuung. Die Fahrer kommen nach dem Ende ihrer Touren ebenfalls auf den Hof zurück, stellen die Busse ab und überlassen sie dann den Fachleuten aus der Werkstatt zum Tanken, Waschen, Warten oder Reparieren, bis die Fahrzeuge in wohltemperierten Hallen wieder bereitstehen. Schließlich sollen die Fahrgäste nicht in vereisten Bussen frieren müssen. Ist an einem Bus etwas nicht in Ordnung, hinterlässt der Fahrer im Wagen einen Mängelzettel. Und das kommt häufiger vor, als gemeinhin gedacht.

800 bis 1000 Unfallschäden habe jeder der zwei Busbetriebshöfe pro Jahr zu bewältigen, sagt Fendt, jeden Tag zwei bis drei - meist leichte Kratzer und Streifschäden. 40 Mitarbeiter sind in den Werkstätten, in der Verwaltung und im Lager in Laim tätig, ebenso viele an der Truderinger Straße in Bogenhausen. Gearbeitet wird rund um die Uhr in Schichten, nachts ist immer ein Team von vier Leuten einschließlich Schichtführer da. Und auch samstags, sonn- und feiertags benötigen die Fahrzeuge Wasser für die Scheibenwischanlage und Sprit. Busse ohne Mängel kommen zunächst in die Betankungsspur, eine Art überdachter Schleuse, an deren Ende die Waschstraße ist. 55 Liter Diesel auf 100 Kilometer schluckt ein 18 Meter langer Gelenkbus, bis zu 350 Liter passen in seinen Tank, bei den zwölf Meter langen Bussen sind es etwa 100 Liter weniger. Und der Tankautomat leistet Erstaunliches: 80 Liter pro Minute fließen durch den Zapfhahn, so dass die großen Gefährte in weniger als viereinhalb Minuten vollgetankt sind. In der Praxis geht das noch deutlich schneller, denn kaum ein Bus kommt mit dem letzten Tropfen in den Hof angefahren. 350 000 Liter sind als Vorrat gebunkert - Treibstoff für etwa 1000 Füllungen, die mit zehn Tankzügen geliefert werden.

Mit eingeklappten Seitenspiegeln bringt ein Fahrer den Bus wenige Meter weiter zur Waschstraße, in der sich riesige weiß-gelbe Bürsten an den Flanken entlangschieben und sich von beiden Seiten um Front und Heck schließen ehe sie das Fahrzeug wieder freigeben. Die Doppelportal-Anlage bedient gleichzeitig zwei Richtungen, nach dreieinhalb Minuten ist der Waschgang beendet. "Standardbusse erkennt die Waschanlage automatisch und steuert den Vorgang allein, bei den Buszügen muss der Prozess mit der Hand programmiert werden" erläutert Fendt. Gewaschen werden die Busse alle zwei Tage, bei Frost etwas weniger, die Innenreinigung erfolgt durch externe Firmen. Fertig zum nächsten Einsatz kommen die Fahrzeuge in die Abstellhalle. Dass die Busse stehen, wo sie stehen sollen, wird noch von Hand organisiert. "Bis allerspätestens 4.30 Uhr müssen alle betriebsfertig sein", sagt Fendt. Die ersten rücken um 4.10 Uhr aus, während die Nachtbusfahrer schon wieder zurückkommen. Die Fahrer holen sich die in Fächern steckenden Linienverlaufsschilder für die jeweilige Strecke aus einem Häuschen hinter der Pforte, bevor sie in ihre Fahrzeuge steigen und die Bordcomputer starten. "Die Schilder sehen altmodisch aus ohne Ende", sagt Fendt, "sind für die Fahrgäste aber sehr informativ".

Und wie steht es um die Abluft aus den Hallen? Besondere Filter brauche es nicht, versichert Fendt. Die nach Euro-4/5/6 zertifizierten Fahrzeuge mit ihren Katalysatoren für Stickoxide und Rußpartikelfilter belasteten die Umwelt deutlich weniger als ein Pkw, bezogen auf Kilometer und Zahl der beförderten Personen. Die Fahrzeugabgase in der weitläufigen Werkstatthalle werden über Schläuche gesammelt und übers Dach abgeführt.

Stehen in Laim eine Betankungs- und Waschstraße samt einer Notspur für 150 Busse zur Verfügung, werden es in Moosach zwei parallel verlaufende für bis zu 200 Fahrzeuge sein, eine dritte als Nottankstelle. Ausgestattet sein wird der von der Bremer Planungsgruppe Gestering, Knipping, de Vries entworfene Busbetriebshof erstmals mit einer professionellen Spenglerei und Lackiererei, um die Unfallschäden richten und lackieren zu können. Hinzu kommt eine optimierte Prüfspur, vergleichbar mit denen beim TÜV. Die Investitionssumme dürfte im unteren dreistelligen Millionenbereich liegen.

Gruben, Hebe- und Prüfstände werden auf neueste Techniken wie E-Mobilität und auch die 23 Meter langen Buszüge ausgelegt sein - 37 sind derzeit im Einsatz, im Frühjahr sollen zehn hinzukommen. In Laim gibt es nur einen mobilen Dacharbeitsstand, in Moosach wird es eine größere Variante mit Grube, Hebeanlage, Arbeitsbühne und Kran geben. Das Arbeiten am Dach wird immer wichtiger, weil zunehmend Komponenten auf den Busdächern untergebracht werden. Dort oben finden sich schon seit Jahren die Module für die Klimaanlagen.

Anders als die Maschinen aus der mechanischen Werkstatt wird Franz Fendt nicht mehr mit nach Moosach umziehen. Der 63-Jährige wird das Projekt noch weiter mitplanen, bei der Eröffnung aber bereits im wohlverdienten Ruhestand sein.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema