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Busbahnhof:Dach an der Münchner Freiheit bekommt neue Farbe

Dach der MVG-Haltestelle an der Münchner Freiheit in München, 2016

Die Regierung gibt den Anwohnern des Busbahnhofs an der Münchner Freiheit recht: Die Stadtwerke müssen das umstrittene Dach sanieren.

(Foto: Robert Haas)
  • Die Regierung von Oberbayern hat den Anwohnern am Busbahnhof an der Münchner Freiheit recht gegeben: Das Dach darf nicht mehr giftgrün gestrichen werden.
  • Eine Sanierung sei außerdem unausweichlich.
  • Seit seiner Einweihung im Dezember 2009 war die Haltestelle umstritten, nur ein paar Monate später wurden die ersten Baumängel sichtbar.
  • Vier Millionen Euro hat der Busbahnhof insgesamt gekostet.

Von Christian Gschwendtner

Am Dienstagnachmittag blinkt das Smartphone von Karen Meißner. Die Zahnärztin hat eigentlich keine Zeit, im Behandlungszimmer warten die Patienten. Sie blickt deshalb nur kurz auf das Display - und kann nicht fassen, was sie da sieht: "Mein erster Gedanke? Ich habe die Welt umarmt." Es ist ihr Vermieter, der da aus London schreibt. Und er hat gute Nachrichten für die Zahnärztin.

Nach jahrelangem Streit hat er einen wichtigen Sieg gegen die Stadtwerke München (SWM) errungen. Die Regierung von Oberbayern hat beschlossen, dass das giftgrüne Skandaldach des Busbahnhofs an der Münchner Freiheit in Zukunft nur noch unter einer Bedingung gereinigt werden darf: Wenn es hinterher in einer komplett anderen Farbe angestrichen wird. Eine Nachricht, welche die Anwohner an der Münchner Freiheit aufatmen lässt.

Denn genau genommen hat der umstrittene Busbahnhof seit seiner Einweihung im Dezember 2009 nichts als Ärger verursacht. Zunächst ging es nur um die grellgrünen Reflexionsstrahlen, die das Dach abwarf. Und über die sich die Anwohner fürchterlich beschwerten. Die Strahlen verursachen nämlich Kopfschmerzen und tauchten die gesamte Umgebung in einen Grünton. Dann, nur ein paar Monate später, wurde die ersten Baumängel sichtbar. Auf der Dachoberseite bildeten sich seltsame Blasen. Seither müssen zweimal pro Jahr Handwerker anrücken und die Blasen aufschneiden.

Eine Schadensbegrenzung, mehr nicht. Von einem Prestigeobjekt, als solches wurde der Busbahnhof einst angepriesen, konnte seitdem keine Rede mehr sein. Vier Millionen hat der Busbahnhof gekostet. Ein grüner Pappelhain sollte es werden, mitten in Schwabing. Doch das Versprechen konnte nicht eingehalten werden. Warum, das kann man jetzt unter anderem in der zwanzigseitigen Begründung der Bezirksregierung nachlesen.

Beiläufig heißt es darin, "sämtliche Pläne waren nur in schwarz-weiß ausgeführt". Über das Grün, das später so heftig die Gemüter erregte, sei nur geredet worden. Umso größer war die Überraschung nach Fertigstellung des Bauwerks. Es gab viele Vorbehalte gegen das Projekt, aber dass der Farbanstrich solche Probleme machen würde, daran dachte niemand.

Es gibt ein paar Anwohner, die noch heute Fotos von den Eröffnungsmonaten auf dem Computer gespeichert haben. Spricht man sie auf das Grün an, schütteln sie nur den Kopf. Doch bei den Stadtwerken sah man keinen Grund zur Nachbesserung. Also fing der Vermieter der Zahnärztin stellvertretend an, dagegen zu klagen. Die Stadtwerke hätten leider jedes Gesprächsangebot abgelehnt, teilte er mit.

Was folgte, war ein komplizierter Rechtsstreit, der sich durch die Instanzen zog. Ein Farbgutachter bestätigte vor Gericht eine erhebliche Belästigung der Anwohner. Seiner Einschätzung folgte auch das Oberlandesgericht, und wies die Klage des Vermieters trotzdem ab. Aus formalen Gründen. Das umstrittene Dach sei in einem Planfeststellungsverfahren genehmigt worden. Der zivilrechtliche Weg sei deshalb der falsche, so der Tenor.

Bus- und Trambahnhaltestelle an der Münchner Freiheit in München, 2016

Aus dem grün leuchtenden "Palmenhain" ist inzwischen ein verdrecktes Dach geworden, das auch noch Blasen wirft.

(Foto: Stephan Rumpf)

Also landete der Fall im Dezember 2014 wieder bei der Regierung von Oberbayern. Und die ließ sich Zeit. Das Dach war inzwischen so verdreckt, das es aufgehört hatte zu strahlen. Die SWM hätten es aber jeder Zeit wieder reinigen können. Dann wäre der ganze Ärger von vorne losgegangen. Weil die Baumängel aber immer gravierender wurden, sah die Bezirksregierung im Oktober dann doch Handlungsbedarf. Sie stellte nun klar, dass das Dach in keinem Fall wieder giftgrün glänzen darf.

Bei den Stadtwerken ging der Bescheid erst am Mittwochnachmittag in der entsprechenden Fachabteilung ein. Er werde momentan geprüft. Eine Stellungnahme könne man erst danach abgeben, sagte SWM-Pressesprecher Matthias Korte. Unklar ist deshalb, ob die Stadtwerke Rechtsmittel gegen den Beschluss der Bezirksregierung einlegen. Theoretisch hätten sie dafür einen Monat Zeit.

Unklar ist auch, wie es mit den Baumängel weitergehen wird. Angeblich soll sich der Stadtrat bereits eingeschaltet und auf eine schnelle Sanierung der Dachoberfläche gedrängt haben. Bestätigen wollte das am Mittwoch aber niemand. "Eine Stadtratsbefassung gab es nach unserem Kenntnisstand nicht", erklärte Stadtwerke-Sprecher Korte. Es wiederholte aber noch einmal, dass mittelfristig eine Neugestaltung des gesamten Daches vonnöten sei. Wie die aussehen wird, kann bei den Stadtwerken derzeit ebenfalls niemand sagen. Man hat einen externen Gutachter beauftragt, nach der Ursache für die ominösen Blasen zu suchen. Und der wird sein Ergebnis wohl erst in ein paar Monaten vorstellen.

Für die Zahnärztin Karen Meißner dauert der ganze Streit schon viel zu lange. Zur Beseitigung der Baumängel sagt sie nur soviel: "Es wäre schön, wenn es nicht wieder fünf Jahre dauert."

© SZ vom 08.12.2016/jey
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