Burschenschaft Danubia "Bei uns gibt es keine ideologischen Scheuklappen"

Im Jahr 2005 etwa wurde dem Danubia-Mitglied Sascha J. die Aufnahme in den juristischen Staatsdienst verweigert. H.s Hoffnung: Dass ihm die Mitgliedschaft anderswo keine Probleme bereitet, weil die Danubia nur im bayerischen Verfassungsschutz gelistet ist. H. sagt, er habe sich nichts vorzuwerfen: "Ich habe nie eine Straftat begangen." Der Danubia dürfte er auch nach dem Umzug verbunden bleiben. Eine Burschenschaft gilt schließlich als "Lebensbund".

Warum aber geht jemand wie H. überhaupt zur Danubia? Die Antwort fällt eher dünn aus: Die burschenschaftlichen Werte Freiheit, Ehre, Vaterland teile er, er sieht sie "im Einklang mit der demokratischen Verfassung". Die Frage, warum er der Danubia beigetreten ist, stellt man natürlich auch Arndt N. Der 19-Jährige sitzt an einem kühlen Wintertag vor einem Café in Bogenhausen. N. studiert Politikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), er trägt eine Ray-Ban-Brille und eine Marco-Reus-Frisur. Und er ist Fux bei der Danubia, so heißt ein Mitglied in der Probephase.

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N. ist hineingewachsen ins Milieu: In sechster Generation ist er Verbindungsstudent, auch sein Vater war Danube. "Bei uns gibt es keine ideologischen Scheuklappen, wir reden mit jedem, der mit uns reden will und der uns nicht ablehnt", sagt er. N. weiß um den Ruf der Danubia, aber er sagt: "Ich kann nicht verstehen, warum zehn Leute so staatsgefährdend sein sollen - zumal wir uns politisch absolut zurückhalten: Wir veranstalten keine Demos, wir besetzen keine Hörsäle."

Das mit der Zurückhaltung ist so eine Sache. So schreibt die Danubia etwa auf ihrer Facebook-Seite, zwei ihrer Mitglieder hätten im Januar in Freilassing bei "Wir sind die Grenze" mitdemonstriert. An der Demo nahmen auch Rechtsextremisten teil. Zudem teilt die Danubia Solidaritätsbotschaften für den AfD-Politiker Björn Höcke und Mitteilungen der Identitären Bewegung, die ihrerseits wegen "Verflechtungen mit rechtsextremistischen Parteien und Gruppierungen" im Verfassungsschutzbericht genannt ist.

Und wo verortet N. sich politisch? Hm, das könne er nicht so genau sagen. Er verweist auf das angeblich breite Spektrum der politischen Ansichten bei der Danubia. Es gebe auch SPD-Anhänger. Aber keine NPD-Mitglieder. "Früher hatten wir natürlich welche, auch Republikaner", sagt er.

Derzeit veranstaltet die Danubia keine öffentlich angekündigten Vorträge, auf ihrer Webseite begründen die Burschenschafter das "eingeschränkte Semesterprogramm" mit anhaltenden "Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit unserer Immobilie". Seit einem Jahr schon laufen Renovierungsarbeiten. Vor dem Haus an der Möhlstraße flattert die rot-grün-weiße Danubia-Fahne, aber die Farben sind ein wenig verblasst.

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