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Burschenschaft Danubia:Was für ein Weltbild hat der Danubia-Sprecher?

Nachfragen der Zuhörer zu diesen Aussagen gibt es nicht. Mehr als zwei Stunden lang verfolgen sie H.s Vortrag still, bisweilen schauen sie unter den Tischen auf ihre Smartphones. "Gebt Bescheid, wenn ihr die Schnauze voll habt", sagt H. einmal, aber keiner meldet sich. Stattdessen springen die Jüngsten immer wieder auf, um ihm, dem Chef, den Bierkrug aufzufüllen.

Was für ein Weltbild hat der Danubia-Sprecher? Ein paar Wochen später spricht H. am Telefon über den Abend, er sagt, er würde niemals den Nationalsozialismus verharmlosen. Schon die Nachfrage hält er für einen Versuch, die Danubia in eine Ecke zu stellen. Seine Meinung zu Wüst? Da sei er nicht mehr in der Thematik, er wisse nichts über ihn. Hauptstadt der Bewegung? "Okay, hätte man in Anführungszeichen setzen können."

In der Vergangenheit ist die Danubia mehrmals in die Schlagzeilen geraten. 2001 fand in ihrem Haus ein Neonazi Unterschlupf, er hatte in der Nacht einen Griechen halb tot geprügelt. Am nächsten Tag floh der Täter in die Niederlande. Die Danubia behauptet, nichts gewusst zu haben von dem Verbrechen, das der Mann begangen hatte. Und dass ihn ein Angehöriger einer anderen Verbindung ins Haus gelassen habe. Danach begann der Verfassungsschutz, die Danubia zu beobachten.

Auffällig ist, welche Gastredner die Danubia in der Villa an der Möhlstraße in Bogenhausen empfangen hat. Horst Mahler zum Beispiel, den einstigen RAF-Anwalt und späteren Holocaust-Leugner. 2011 kam Jürgen Schwab. Er war mal bei der NPD, stand später dem inzwischen verbotenen Freien Netz Süd nahe. 2014 sollte Martin Pfeiffer auftreten, Vorsitzender der rechtsextremen Gesellschaft für freie Publizistik (GfP). Nach einer SZ-Anfrage zu dem geplanten Auftritt wurde die Veranstaltung abgesagt.

Anton H. sagt: "Wir haben denen kein Podium geboten, sondern diskutiert. Nur weil ich mich mit einer Position auseinandersetze, muss ich mich noch lange nicht mit ihr gemein machen." Auch für die Einseitigkeit in der Auswahl der Gastredner gebe es einen Grund: "Ich hätte gerne Leute aus dem linken Spektrum eingeladen", sagt H., "aber die kommen halt nicht."

Jetzt, zum Beginn des Sommersemesters, ist H. nicht mehr in München zu erreichen, er ist in ein anderes Bundesland gezogen, studiert dort weiter. Schon im Januar hatte er angedeutet, dass seine berufliche Zukunft dort liegen könnte. H. möchte Lehrer werden für Geschichte, Deutsch und Mathematik. In Bayern erklären Bewerber für den Staatsdienst in einem Fragebogen ihre Verfassungstreue. Wer einer als extremistisch oder extremistisch beeinflussten Organisation angehört, muss mit kritischen Nachfragen rechnen. Das kann sogar dazu führen, dass man nicht im Staatsdienst arbeiten darf.