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Burger-King-Mitarbeiter:Drangsaliert und schockiert

Burger King

400 Mitarbeiter verkauften für Burger King in den Yi-Ko-Filialen in München Whopper, Pommes & Co. Derzeit profitiert McDonald's von der Schieflage bei der Konkurrenz.

(Foto: dpa)
  • Die Beschäftigten der Münchner Burger-King-Filialen sind von der Insolvenz des Franchisenehmers Yi-Ko schockiert.
  • Bis vor kurzem glaubten sie noch an eine gute Lösung, jetzt müssen sie um ihre Jobs bangen.
  • Von der Lage bei Burger King profitiert nur einer: McDonald's.

Von Ralf Scharnitzky

Große Sterne hängen vom Dach, auf der Empore stehen leuchtende Christbäume, Imbissstände sind mit Kerzen, Tannengrün und kleinen Packerln geschmückt. Sogar der Münchner Hauptbahnhof kann einen gewissen Charme entwickeln in der Weihnachtszeit. Doch es gibt zwei Punkte, da fehlt jegliche vorweihnachtliche Stimmung: "Closed for unknown period of time" steht am Eingang bei Burger King am Südausgang Bayerstraße.

Und die große Filiale auf der Empore in der Vorhalle ist sogar mit Bauzäunen verrammelt. "Big King, Probierwoche, nur 1.99" steht noch auf einem Transparent. Die zwei Schnellrestaurants waren die Goldgruben der elf Münchner Burger-King-Filialen, die seit Mittwoch zur Insolvenzmasse gehören. Und sie dürften auch die ersten sein, für die Insolvenzverwalter Marc Odebrecht neue Pächter findet. Die Deutsche Bahn als Verpächter hat bereits signalisiert, dass sie mit Burger King Europe wieder ins Geschäft kommen möchte.

Die elf Münchner Filialen gehören zum Franchisenehmer Yi-Ko, der bisher 89 Burgerbratereien in Deutschland betrieb. Ende November hatte der US-Konzern der Holding die Lizenz gekündigt, weil den Verantwortlichen Verfehlungen bei der Hygiene in den Küchen und beim Umgang mit Mitarbeitern vorgeworfen wurden. Die Hygiene ist nicht mehr das Problem - alle Läden sind dicht. Aber die Drangsalierung der Mitarbeiter geht weiter. Die sind am Mittwoch aus allen Wolken gefallen, als sie ihre Lohnabrechnungen für November gesehen haben: Es wurden Gehälter gekürzt und Arbeitszeiten fehlerhaft berechnet. Der Gipfel der Geschmacklosigkeit: Den Beschäftigten wurden für die Zeit seit der Schließung der Lokale Urlaubstage abgezogen.

Mustafa Öz, Münchner Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG): "Wir hatten bereits am Donnerstagvormittag 60 Mitarbeiter hier, die Rat bei uns suchten." Er wirft der Burger King Europe GmbH und Yi-Ko vor, die Öffentlichkeit und die Beschäftigten seit einer Woche damit beruhigt zu haben, dass sie eine gute Lösung für die etwa 3000 deutschen Mitarbeiter finden würden. Gewerkschafter Öz meint erbost: "Jetzt, 14 Tage vor Weihnachten, der totale Schock. Die Beschäftigten und ihre Familien stehen vor einer vollkommen unsicheren Zukunft."

Es ist unklar, ob alle Arbeitsplätze gerettet werden können

Die Gewerkschaft wird in der kommenden Woche für die 400 betroffenen Mitarbeiter in München zusammen mit der Arbeitsagentur eine Informationsveranstaltung machen. Nach NGG-Angaben erhalten die Betroffenen bis Ende Januar Insolvenzgeld. Ob alle Arbeitsplätze gerettet werden können, scheint fraglich. Die Gewerkschaft fordert, dass Burger King so schnell wie möglich die Lizenzen wieder erteilt und dass alle Filialen erhalten werden. "Jetzt wird sich zeigen, ob Burger King Europe wieder die Filialen beliefert und damit Verantwortung für die Beschäftigten übernimmt", sagt der NGG-Chef.

Das in die Wege zu leiten, ist jetzt die vordringliche Aufgabe des Insolvenzverwalters Odebrecht. Er muss versuchen, aus der vorhandenen Masse möglichst viel Vermögen zu generieren, um die Gläubiger zu bedienen. Das geht am besten bei einem breiten Geschäftsbetrieb. Der Insolvenzverwalter wird sich deshalb beim US-Konzern um vorläufige Lizenzen und um die Wiederaufnahme der Warenlieferung bemühen. Wenn das geregelt ist, wird er versuchen, die deutschen Filialen schnell und teuer an den Mann zu bringen. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Weitergabe im Paket oder Vergabe einzelner Filialen.

Bei den beiden Läden im Hauptbahnhof, die von der DB gepachtet sind, wird er keine Schwierigkeiten haben. "Es gibt wohl kaum einen Franchisenehmer, der sich nicht für diese Läden interessiert", sagt Nicole Rubenbauer, Gesellschafterin der Gastronomielandschaft "Genusswelten" in der Haupthalle. Die kaufmännische Leiterin des Familienunternehmens weiß, wovon sie spricht: Rubenbauer betreibt die zwei Burger King im Ostbahnhof.

Gute Geschäfte mit der Insolvenz macht Konkurrent Mc Donald's, der seine Burger die vergangenen Monate in einem Container am Ausgang Arnulfstraße verkaufte. Nun dürften die Umsätze noch steigen: Der Branchenprimus eröffnete am Donnerstag seine neue große Filiale im umgebauten S-Bahn-Untergeschoss.

© SZ vom 12.12.2014/ahem
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