Bundestagswahl 2017 Ein Mann für den Norden

Bernhard Loos soll für die CSU einen schwierigen Wahlkreis erobern

Von Dominik Hutter

Am Ende wirken alle zufrieden. "Eine sehr gute Wahl", sagt Evelyne Menges, Stadträtin und Bezirks-Vizechefin der CSU. Von Personalreferent Alexander Dietrich, Stadtrats-Urgestein Walter Zöller und Bezirksgeschäftsführer Frank Gübner ist Ähnliches zu hören. Sie mögen ihn in der Partei: den 61-jährigen Bernhard Loos, der nun als Nachfolger des langjährigen Bundestagsabgeordneten Johannes Singhammer im Jahr 2017 den Wahlkreis München-Nord holen soll.

Mit 91 zu 64 Stimmen ist bei einer Delegiertenversammlung am Mittwoch die Stichwahl gegen Bernd Fabritius ausgegangen - und der Vertriebenen-Funktionär Fabritius ist nicht der einzige Bundestagsabgeordnete, den der in der Öffentlichkeit nahezu unbekannte Loos aus dem Rennen geworfen hat. Auch Julia Obermeier, seit 2013 über die Liste im Berliner Parlament, wollte im Münchner Norden antreten. Sie zog kurz vor der Abstimmung zurück: wegen mangelnder Erfolgsaussichten. München-Nord ist traditionell der am heißesten umkämpfte Wahlkreis Bayerns - und die CSU gab sich alle Mühe, diesem Ruf schon bei der Kandidatenauswahl gerecht zu werden. Zwölf Bewerber gab es um die Singhammer-Nachfolge, selbst Walter Zöller kann sich an keinen vergleichbaren Andrang erinnern. Darunter waren neben den zwei Bundestags-Platzhirschen auch Bezirksausschusspolitiker wie der Freimanner Patric Wolf oder Christian Krimpmann aus der Maxvorstadt. Nebst diversen Quereinsteigern.

Der Alte: Johannes Singhammer hatte bisher das Direktmandat.

(Foto: Robert Haas)

Dass am Ende Loos das Rennen machte, liegt wohl vor allem an seiner Verwurzelung und Beliebtheit in der Partei. Der Unternehmer, der sich als Bezirksgeschäftsführer in der Mittelstands-Union München engagiert, ist seit den Achtzigerjahren bei Wahlkämpfen mit dabei. Mit so einem, das sagen viele in der Nord-CSU, kann man gut Plakate kleben und Infostände betreiben. Loos wusste denn auch seine Truppen hinter sich: Der Kreisverband 8, dessen stellvertretender Vorsitzender er ist, hatte sich bereits im Vorfeld für den Mann aus den eigenen Reihen entschieden. Eine solche Hausmacht können weder Fabritius noch Obermeier aufweisen. Beide sind Kandidaten "von außen", die es über die Liste in den Bundestag geschafft haben und nun einen eigenen Wahlkreis suchen. Obermeier hat es zuvor schon im Münchner Westen probiert und unterlag dort dem JU-Mann Stephan Pilsinger.

Die Münchner CSU zieht damit erneut mit vier Männern in die Bundestagswahl: Loos im Norden, Pilsinger im Westen, Wolfgang Stefinger im Osten und Michael Kuffer im Süden. Den Parteimitgliedern ist dies durchaus bewusst. Natürlich wäre eine Frau ein Zeichen gewesen, räumt Zöller ein. Nur: Es gibt eben mehrere Kriterien bei der Kandidatenauswahl, und diesmal habe alles für Loos gesprochen.

Vermutlich wäre alles anders gekommen, wenn Mechthilde Wittmann ihren Hut in den Ring geworfen hätte. Die Landtagsabgeordnete, die im Sommer 2015 ihre Position als stellvertretende Bezirkschefin verloren hat, galt als 100-Prozent-Kandidatin. Wenn sie denn gewollt hätte. Die erklärte Favoritin von Bezirkschef Ludwig Spaenle hätte die Position ohne jede Konkurrenzbewerbung erlangt, davon sind viele in der CSU überzeugt. Anfang September aber lehnte die 48-jährige Mutter zweier Kinder ab - aus familiären Gründen. Das war es dann erst einmal mit der Verweiblichung der Partei.

Der Neue: Bernhard Loos soll der CSU den Wahlkreis München Nord sichern.

(Foto: CSU)

Loos, der seine Erfahrung mit beruflicher Bildung in die Politik einbringen will, weiß, dass er es schwer haben wird. Vermutlich schwerer als jeder andere CSU-Direktkandidat in Bayern. Denn München-Nord war bis 2009 eine SPD-Domäne, hier regierte Axel Berg. Loos' Gegner 2017 ist Florian Post, der Berg im Vorfeld der 2013-Wahl aus dem Rennen geworfen hat und dann über die Liste ins Parlament einzog. Und noch eine weitere Gegnerin des CSU-Mannes besitzt Bundestagserfahrung: die Grüne Doris Wagner. Bei der CSU stellt man sich zusätzlich auf Konkurrenz von ganz rechts außen ein. In der Partei wird vermutet, dass AfD-Bayernchef Petr Bystron im Münchner Norden antreten will.