Mehr Kontrollen gefordert:Ein Viertel erstickt im Verkehr

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Mehr Kontrollen gefordert: Verdrussquelle Nummer eins: der Verkehr, hier am Autobahnende der Lindauer Autobahn.

Verdrussquelle Nummer eins: der Verkehr, hier am Autobahnende der Lindauer Autobahn.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Bürgerversammlung von Sendling-Westpark kämpft einmal mehr mit der Verdrussquelle Nummer eins: der Blechlawine im Südwesten der Stadt.

Von Jürgen Wolfram

In der Murnauer Straße, an der Passauer Straße oder entlang der innerstädtischen Autobahn zwischen Luise-Kiesselbach-Platz und Keuzhof zu wohnen, kann Menschen den Schlaf rauben. Sei es wegen der Strahlkraft einer beleuchteten Litfaßsäule, sei es wegen der Geräusche, die von stark frequentierten Fahrbahnen herrühren. Überhaupt der Verkehr: Er ist die größte Plage der Menschen im Münchner Südwesten. Dies zeigte sich einmal mehr bei der Bürgerversammlung für den Stadtbezirk Sendling-Westpark.

Ein Gutteil des "dicken Bündels an Anträgen", die der Versammlungsleiter, Stadtrat Jörg Hoffmann (FDP), in Händen hielt, entfiel auf diesen Bereich. Daneben treiben die Anwohner Sorgen wegen der gefährdeten Schüler-Mittagsbetreuung an der Fernpaß-Schule, Klimaschutzfragen sowie die andauernde Schließung des Ausflugslokals "Nestroy Garten" am Westpark um. Mehrheitlich unterstützt wurde ein Antrag, die Palliativbetreuung in den städtischen Altenheimen zu verbessern.

Den mit Abstand meisten Ärger birgt das Verkehrsgeschehen in dem hochverdichteten Viertel mit 60 000 Bewohnern, aus dem das ADAC-Hochhaus wie ein Wahrzeichen herausragt. Zur Minderung der Lärmbelästigung wurden unter großer Zustimmung der Versammlungsbesucher Tempo-30-Zonen und/oder verschärfte polizeiliche Kontrollen sowohl in der Passauer Straße, als auch in Teilen der Murnauer Straße sowie an der Garmischer Autobahn gefordert. Ein Durchfahrtsverbot für Lkw auf der Murnauer Straße soll durch Beschilderung besser sichtbar gemacht werden.

Die Versammlung fordert zwei Windkraftanlagen im Stadtbezirk

Intensiv beschäftigen sich die Leute in Sendling-Westpark mit Energie- und Klimaschutzfragen. Abzulesen war dies unter anderem an erfolgreich eingereichten Anträgen zur Errichtung von zwei stadtbezirkseigenen Windkraftanlagen und zur Reduzierung der Straßenbeleuchtung. "Jede zweite Laterne" soll nach Meinung der meisten Versammlungsbesucher ganz ausgeschaltet werden.

Zu den Dauerthemen des Viertels gehören die Raumprobleme der Mittagsbetreuung an der Fernpaßschule. Eine Sprecherin der Elterninitiative "Mittagsinsel" schilderte eindringlich, wie sich die Kinder seit Jahren auf Wanderschaft begeben, weil sie mit wechselnder Unterbringung leben müssen. Das sei "ein Armutszeugnis" für die Stadt, die nun endlich eine langfristige räumliche Lösung finden und deren Finanzierung klären sollte. Eine Aufforderung, der sich der Bezirksausschuss-Vorsitzende Günter Keller (SPD) ausdrücklich anschloss.

Keller listete noch ein paar andere Defizite auf, die zu kompensieren die Stadt gehalten sei. So warte Sendling-Westpark "seit Jahrzehnten" auf ein Kulturbürgerhaus und ein Jugendzentrum. Wenigstens sollte nun die Chance einer JUZ-Interimslösung an der Ecke Garmischer Straße/Bernrieder Straße genutzt werden, sagte der BA-Vorsitzende. Die ehemalige Gehörlosenschule am Westpark in einen Bildungscampus zu verwandeln, dafür sei es gleichfalls höchste Zeit. Keller erhob ferner die Forderung nach einem besseren Parkraummanagement zwischen der Bahnlinie, dem Mittleren Ring und der Fernpaßstraße. An der Martin-Behaim-Straße habe die Deutsche Bahn viel zu lange Anwohner mit Warnschildern und eigenen Parkscheinautomaten vergrault.

Die Kriminalstatistik fällt besser aus als in Straubing

Überaus günstig falle für den Stadtbezirk trotz dichter Besiedlung die Kriminalstatistik aus. Darauf wies der Leiter der Polizeiinspektion Sendling, Thomas Pfeffer, hin: "Sie stehen in dieser Hinsicht sogar besser da als Straubing." Allerdings nähmen die Diebstähle von Fahrzeugteilen signifikant zu, ebenso wie das Auftreten "falscher Polizisten", die Ältere mit Schocknachrichten um ihr Geld bringen.

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