Büchertipps der SZ-Autoren Ein Cocktail aus Blut und Prosecco

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Das wahre Leben spielt sich - auch in München - nicht auf Champagner-Partys ab, sondern im Friseursalon, wo sich Promis und Normalos zwischen Trockenhaube und Waschbecken so nahe kommen wie sonst nicht einmal im P1. Und so vermittelt Tomas Prinz, Szene-Coiffeur aus dem Glockenbachviertel, unfreiwillig die alternde Schauspiel-Diva Charlotte Auerbach an die Soap "SidL" (So ist das Leben) eines fiktiven TV-Senders aus Unterföhring. Als dort am Set der Chefautor plötzlich tot in der Kulisse liegt, ist Hobby-Detektiv Prinz mittendrin in seinem vierten Mordfall.

Die Suche nach dem Täter spielt in Christian Schünemanns Krimi nur eine untergeordnete Rolle. Viel mehr Spaß macht es, in diesen Cocktail aus bösem Blut und Prosecco-Chichi einzutauchen. Friseur-Azubis werden sich an akribisch recherchierten Haarschneide-Szenen erfreuen, Bunte-Leserinnen an einer Milieustudie aus dem Paradies - und so mancher Leser findet immerhin sein Lieblingscafé wieder.

Ziemlich treffend beschreibt Schünemann das Leben im Viertel rund um die Hans-Sachs-Straße. Da stört auch die mitunter sehr auffällige Betonung gängiger Klischees (schwuler Friseur, zickige Schauspielerin) nicht. Wer Glück hat, verschluckt sich beim Lesen vor Lachen an seinem Apérol Sprizz. Im schlimmsten Fall schaut man danach in den Spiegel - und wünscht sich eine neue Frisur. Tobias Dorfer

Christian Schünemann: Daily Soap. Ein Fall für den Frisör. Diogenes-Verlag, 2011, 235 Seiten, 9,90 Euro.

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