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Büchertipps der SZ-Autoren:Selig in der Sommerfrische

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Mit ihren Zeilen hat man die Seligkeit vor Augen. Etwa wenn Ludwig Thoma über seinen Aufenthalt am Chiemsee schwelgt: "Wenn ich die Augen schließe, und sei es, wo immer, Wasser an Schiffsplanken plätschern höre, erwacht in mir die Erinnerung an die Jugendzeit, an Stunden, die ich im Kahn verträumte, den See rundum und den Himmel über mir." Oder wenn Rainer Maria Rilke seiner Geliebten Lou Andreas-Salomé seine Unterkunft im Fahnensattlerhaus in Wolfratshausen beschreibt: "Und die große Stube war umso dunkler, voller Geheimnisse mit einem leisen tiefrothen Flämmchen im Herzen des Herdes und Alles leer und still wie im Märchen."

Viele Schriftsteller, Maler, Komponisten suchten Erholung und Ruhe am Rande der bayerischen Berge. Viele von ihnen schilderten ihre Eindrücke in Briefen und ließen sie wie Wassily Kandinsky oder Franz Marc einfließen in ihre Arbeit. Der Ausbau der Bahnstrecken von München nach Starnberg, Tegernsee, ins Werdenfelser Land und zum Kochelsee von Mitte des 19. Jahrhunderts an machte es den Reiselustigen leicht, ins Grüne zu kommen.

Die Stadtleute waren nicht immer gern gesehen, aber sie sicherten das Einkommen, wie Lena Christ bemerkt: "Denn der Hunger nach Profit ist bei jeder Bäuerin so groß, dass sie gern auf weiß Gott was alles verzichtet, wenn nur ihr Geldbeutel Nutzen davon hat."

Nach profunder Recherche dokumentiert Elisabeth Tworek, Leiterin der Münchner Monacensia, in vielen Texten das Leben berühmter Sommerfrischler im Alpenvorland. Ihr Buch lässt den Leser teilhaben an deren Erlebnissen und macht die Vergangenheit auf unterhaltsame Weise lebendig. Sabine Buchwald

Elisabeth Tworek: Literarische Sommerfrische. Künstler und Schriftsteller im Alpenvorland. Allitera-Verlag, 2011, 276 Seiten, 19,90 Euro.

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