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Buchtipp und Lesung mit Sharon Dodua Otoo:Augenzeugin der Weltgeschichte

Der Roman ist das Debüt der in London geborenen Autorin und Aktivistin.

(Foto: Fischer Verlage)

Die in London geborene Autorin Sharon Dodua Otoo hat mit "Adas Raum" einen Debütroman vorgelegt, der sich über Jahrhunderte spannt. Nun ist die Schriftstellerin und Aktivistin im Live-Stream aus München zu erleben.

Von Anna Covell

"Ich war verdammt, alles zu bezeugen, aber nichts verhindern zu können." Mit diesem Satz werden die durch die Jahrhunderte wandernden Motive und Figuren der Erzählwelt von Sharon Dodua Otoo beleuchtet. "Adas Raum" heißt der lebendige Debütroman der in London geborenen Autorin und Aktivistin, die auf gut 300 Seiten die Geschichten von vier Adas erzählt.

Ada ist zum einen eine junge Ghanaerin, die 1459 um ihr verstorbenes Baby trauert. Sie ist aber auch die Londoner Mathematikerin Ada Lovelace sowie die polnische Zwangsprostituierte Adelaida im KZ Dora. Und in der zweiten Romanhälfte ist sie Ada, die 2019 schwanger nach Berlin kommt. Ada ist damit der Orlando unserer Zeit - eine Augenzeugin der Weltgeschichte. Durch die Verteilung der Erzählung auf verschiedene Schultern entmachtet Otoo den allwissenden Erzähler: Neben ihren Protagonistinnen lässt die Autorin einen britischen Reisepass und einen Türklopfer erzählen - sowie das Bordellzimmer in der Baracke 37 des KZ Dora, das dem Roman seinen Namen gibt. Otoos literarisches Spiel mit Perspektiven ist eine Ode an die Erzählkraft der Objektwelt, die zum ständigen, machtlosen Bezeugen des Weltgeschehens verdammt ist.

Sharon Dodua Otoo: Adas Raum (Roman, S. Fischer, 319 Seiten, 22 Euro). Lesung am Di., 27. April, 20.30 Uhr, Literaturhaus. Streamtickets über literaturhaus-muenchen.de

© SZ vom 22.04.2021
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