Buchprojekt:Reden statt schweigen

Buchprojekt: Christa lebte als Kind in einem Wagen in Steinhausen.

Christa lebte als Kind in einem Wagen in Steinhausen.

(Foto: Andreas Tobias)

Neun Münchner Sinti und Roma sprechen über ihr Leben

Es sind mal nachdenkliche Gesichter, mal fröhliche. Toni zum Beispiel rief nach dem Interview für das Buch an und sagte: "In das Buch muss ein Regenbogen, unbedingt ein Regenbogen." So kam es, dass Toni in dem kleinen Buch "gern gesehen", das zum Gedenktag an die Deportation der Münchner Sinti und Roma am 13. März erschienen ist, mit einem Lichtstreifen aus Regenbogenfarben am Kinn und am Hals zu sehen ist. Toni ist einer von neun Protagonisten, die in dem Büchlein über Münchner Sinti und Roma zu Wort kommen. Die evangelische Theologin Sabine Böhlau, der Vikar Fabian Brüder und der Fotograf und Schauspieler Andreas Tobias hatten das Projekt nach einer Tagung im Dezember 2017 entwickelt, bei der das lange Schweigen der Kirchen nach dem Genozid von Sinti und Roma zur Sprache kam. Monatelang redeten sie in München mit Menschen, die sich als Angehörige der Minderheit verstehen.

"Es ist keine Publikation über Sinti und Roma, das ist ihr Buch", sagt Sabine Böhlau. Und Brüder betont, das Buch sei "gemeinsam mit Sinti und Roma" entstanden. Da ist zum Beispiel Christa. Sie ist mittlerweile Urgroßmutter mit 21 Urenkeln, 14 Enkeln und fünf Kindern. Sie verbrachte ihre Kindheit mit der Großmutter in einem Wagen auf einem Platz in Steinhausen. "Jeder hat nichts gehabt. Aber wir haben uns gehabt", erzählt sie in dem Interview. "Der Mensch kann viel ertragen. Wir haben es nicht anders gekannt. Und wir haben es überlebt", sagt Christa.

Roy wiederum erzählt, wie sein tiefer Glauben ihm aus der Depression geholfen hat. Und Toni berichtet, dass er fast schon auf der schiefen Bahn gewesen sei, "doch die Religion hat mir Mut gemacht, die Hoffnung nicht zu verlieren". Es ist ein kleines Buch über die Hoffnung, aber auch die schreckliche Zeit der Verfolgung, Deportation und Ermordung der Sinti und Roma durch die Nazis wird darin erzählt.

Das Buch "gern gesehen" kann gegen Spende bei Madhouse, Landwehrstraße 43, bezogen werden.

© SZ vom 15.03.2019 / anl
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