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Buch über Giesinger Boazn:Verrufenes Saufloch

Interessanterweise hat das Mundartwort Boazn auf dem Land eine pejorative Bedeutung: Eine Boazn ist dort ein verrufenes Saufloch. Wenn Münchner von der Boazn sprechen, meinen sie das neutraler. Wahrscheinlich hat sich die Semantik in den letzten 150 Jahren verselbständigt, in denen die Boazn aufkamen.

Welches Lokal wird das nächste sein, das dichtmachen muss? Das Captain Jack in Untergiesing.

Sie sind, wie der Historiker Karl Gattinger in seinem kulturgeschichtlichen Beitrag am Ende des Büchleins schreibt, als Relikte aus der Zeit der Industrialisierung zu betrachten, in der Zugereiste aus der bayerischen Provinz die Münchner Vororte besiedelten. Es waren Arbeiter, die sich abends ein, zwei schnelle Bier genehmigen wollten. So entstanden Boazn. Ob den Urgiesingern diese Gentrifizierung wohl passte?

Maximilian Bildhauer: Munich Boazn. Band 1, Giesing. Volk-Verlag, München 2012. 137 Seiten, 11,90 Euro.

© SZ vom 16.06.2012/afis
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