Egal, wie viele Abende man schon in einem Restaurant verbracht hat, betritt man es zum ersten Mal bei Tageslicht, fühlt es sich plötzlich ganz anders an. Dieser Effekt stellt sich wahrscheinlich momentan bei vielen Gästen ein, die erstmals zum Brunchen ins Restaurant Roecklplatz kommen. Lange war hier nur abends Betrieb, doch seit Januar hat das Ausbildungsrestaurant in der Isarvorstadt sonntags auch tagsüber geöffnet und serviert eine Brunch-Karte, die genauso vielseitig ist wie das Menü am Abend.
Der Gastraum wirkt bei Tag hell und freundlich, was an den tiefen Fenstern mit Blick auf den Roecklplatz liegt. Sonst reflektieren sie abends schummriges Licht, am Morgen lassen sie dagegen viel Sonne ein. Auf den Tischen stehen Blümchen und Kaffeetassen anstelle von Kerzen und Weingläsern, und die Garderobe ist nicht voller Jacken, sondern voller Kinderwägen.

Besonders jetzt im Sommer könnten sich Familien keine bessere Lage für ein Frühstückslokal wünschen. Auf dem Spielplatz direkt vor der Tür können sich die Kids austoben und zum Baden nach dem Brunch braucht man bloß einmal die Straße zu überqueren. Die Küche bedient außerdem jeden Geschmack, vom Weißwurstfrühstück vor zwölf, übers Schnitzel am Mittag, bis zum Kaffee mit Bananenbrot am Nachmittag. Zwischen 11 und 16 Uhr bleibt genug Zeit, sich einmal quer durch die Karte zu probieren.
Zum einen gibt es eine Tageskarte mit wechselnden Gerichten, darunter Weißwürste mit Breze und süßem Senf (7 Euro), Eggs Benedict mit Avocado und Spinat (9 Euro), French Toast mit Ahornsirup und Zimt-Zucker (7,90 Euro) und ein Trüffelomelett auf Walnussbrot mit Spinat und Käse (22 Euro). Preislich sticht das Omelett deutlich heraus, doch das liegt an seiner Größe (schätzungsweise drei bis vier Eier) und dem frischen Trüffel, der großzügig über den Teller gehobelt wird.

Die ständige Brunch-Karte fällt mit Ausnahme vom Wiener Schnitzel (29 Euro) komplett vegetarisch und zum Teil vegan aus. Von den Eierspeisen ist besonders das Shakshuka (8,50 Euro) zu empfehlen, dessen Tomaten-Paprika-Ragout noch blubbert, wenn es serviert wird, und das durch frische Chilis pikant, doch nicht zu scharf schmeckt. Neben der Schnitzel-Alternative aus Sellerie (19 Euro) steht außerdem immer auch ein veganes Pastagericht auf der Karte, etwa Rote-Bete-Rigatoni mit veganem Feta, Rucola und Walnuss (18 Euro).
Zur Nachspeise kann man zwischen griechischem Joghurt mit Obst, Honig und Nüssen (7,50 Euro), selbst gebackenem Bananenbrot mit Beeren und Zitronenjoghurt (8,50 Euro) und einer Waffel mit Sauerkirschen und Matcha-Sahne (6,50 Euro) wählen. Dabei handelt es sich nicht um die weichen Waffeln in Herzerl-Form, sondern um die knusprige belgische Variante, die nach Zimt schmeckt und warm an den Tisch kommt, sodass die Matcha-Sahne auf ihr schmilzt.
Der freundliche Service ist wie die Kirsche auf der Matcha-Sahne. Bloß, dass es zu diesen preiswerten und durchweg gut umgesetzten Gerichten keinen frisch gepressten Saft gibt, ist der einzige Wermutstropfen bei diesem Brunch-Angebot. Stattdessen kann man aber mit Schaumwein (mit und ohne Alkohol) oder mit einem Bloody-Mary-Cocktail (7 Euro) aus Wodka und Tomatensaft anstoßen, der laut Speisekarte dann hilft, „wenn der Kater am Morgen miaut“.
Roecklplatz, Isartalstraße 26, 80469 München, Telefon: 089/45217129, Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 17.30 bis 24 Uhr, Brunch immer sonntags von 11 bis 16 Uhr.

