bedeckt München

Brücke zwischen den Stadtteilen:Abkürzung mit Hindernissen

Seit Dezember können Fußgänger und Radfahrer auf dem Arnulfsteg die Gleise östlich der Donnersbergerbrücke überqueren. Wer dann aber weiter in die Schwanthalerhöhe will, muss vorerst einen Umweg nehmen

Von Andrea Schlaier, Schwanthalerhöhe

Schon klar, das hier ist nicht die Millennium Bridge von Sir Norman Foster, die Fußgänger in unerhört elegantem Schwung über die Themse leitet. Das hier ist der Arnulfsteg, der eine Brücke über 37 Gleise der Deutschen Bahn schlägt. Seit 23. Dezember können Menschen laufend oder radelnd auf halbem Weg zwischen Donnersberger- und Hackerbrücke auf einer Länge von 240 Metern die Seiten zwischen den Stadtteilen Neuhausen und Schwanthalerhöhe wechseln. Ein erhebender Gang, bestechend aussichtsreich und tatsächlich auch schön anzuschauen. Die Optik ist hier nicht das Problem. Sondern eine funktionierende Anbindung der weiteren Infrastruktur an das neue Bauwerk. Wer es am südlichem Ende verlässt, landet nach wenigen Metern an einer Schranke: an der vierspurigen Landsberger Straße, auf der täglich 34 000 Fahrzeuge vorbeirauschen und mittendrin auch noch die Tram. Rüber ins Westend führt kein direkter Weg. Erst Mitte dieses Jahres soll sich das ändern, wenn die Stadt eine ampelgesteuerte Querung für Fußgänger und Radfahrer schafft.

Arnulfsteg München

Erhebend ist der neue Arnulfsteg.

(Foto: Robert Haas)

Kein Zweifel, sie mögen ihn jetzt schon, ihren Arnulfsteg, die Nachbarn zu beiden Seiten der Gleise, und nutzen ihn rege. Wer mit dem Rad unterwegs ist, hat endlich eine Alternative zum Strampeln durch den Feinstaubdunst auf der Donnersbergerbrücke oder dem Gerangel mit Autos auf der engen Hackerbrücke. Umso größer ist das Unverständnis, dass die Stadt ihren Bürgern nun zwar für knapp 27 Millionen Euro einen infrastrukturellen Höhepunkt schenkt, es aber trotz dreijähriger Bauverzögerung nur schafft, diesen amputiert an den Start zu bringen.

Radweg vom beziehungsweise zum Arnulfsteg soll einmal hier verlaufen: Blick von der Bergmannstraße über die Landsberger Straße Richtung Philipp-Loewenfeld-Straße

Wer von der Bergmannstraße aus geradewegs zur Brücke will, bleibt an der Landsberger Straße hängen.

(Foto: Andrea Schlaier/oh)

Denn wer etwa mit dem Rad vom Arnulfpark auf der Neuhauser Seite über den luftigen Steg ins Westend unterwegs ist, wird auf der anderen Seite über eine weite Auslaufschleife an der Philipp-Loewenfeld-Straße entlassen. Ein paar Meter diese kurze Sackgasse entlang kommt dann erst der Rad- und Fußweg, schließlich die Landsberger Straße. Wer von hier aus ins Westend will, muss über den Radweg zu Donnersbergerbrücke und Trappentreustraße, dort über die Ampel-Traverse und kann erst dann geradeaus in die City. Was natürlich auch geht: von der Philipp-Loewenfeld-Straße nach links auf den Radweg in die Innenstadt biegen - ist aber die verkehrte Fahrtrichtung, also illegal.

Radweg vom beziehungsweise zum Arnulfsteg soll einmal hier verlaufen: Blick vom Arnulfsteg und der Philipp-Loewenfeld-Straße  über die Landsberger Straße Richtung Bergmannstraße

Was dem Steg am südlichen Ende noch fehlt, ist eine direkte Anbindung ans Westend.

(Foto: Andrea Schlaier/oh)

"Erst, wenn die Querung kommt", sagte Sibylle Stöhr (Grüne), Vorsitzende des Bezirksausschusses Schwanthalerhöhe in der jüngsten Sitzung, "ist der Arnulfsteg wirklich ein Leuchtturmprojekt". Und das, darauf legt sie Wert, gebe es nur, weil es die beiden angrenzenden Stadtteilgremien, also auch die Kollegen aus Neuhausen-Nymphenburg, gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern vorangetrieben hätten. Da die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) diesen Sommer Tramgleise in dem Bereich saniert, heißt es aus dem neuen Mobilitätsreferat, soll im Zuge dessen die neue Fußgänger- und Radler-Furt gebaut und im September fertig werden.

Schnurgerade wird die 1,3 Millionen Euro teure Furt aber nicht über die breite Landsberger Straße führen. Von der Bergmannstraße kommend, muss man einen kleinen Schwenk Richtung Arnulfsteg machen: erst nach rechts auf die Landsberger Straße, ein paar Meter weiter an der neuen Ampel stoppen, queren, dann in einem Schlenker zurück und schließlich rechts abbiegen hinüber zur Brücke über die Gleise. Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) hätte eine andere Variante bevorzugt, heißt es aus dem Baureferat. Denn im KVR halte man die vom Stadtrat beschlossene Wegführung der Fahrradhauptroute für unterdimensioniert und unkomfortabel. Stattdessen favorisierten die Verkehrsfachleute eine diagonale direkte Querung von der Bergmann- zur Philipp-Loewenfeld-Straße. Die MVG hielt aber dagegen und setzte sich durch, unter anderem mit dem Verweis zu negative Auswirkungen auf die Sicherheit und eine Reduzierung der Leistungsfähigkeit der Tram. So bleibt es beim kleinen Hakenschlag.

Weil der Übergang mit 20 Metern relativ lang sei, so das Baureferat, wird nördlich der Tramgleise eine zweieinhalb Meter breite Mittelinsel angelegt. Außerdem werden, "um den Raum für die Aufstellflächen und Signalstandorte zu schaffen, die nördlichen Richtungsfahrbahnen über eine Länge von etwa 80 Metern verschwenkt, die Radwege werden entsprechend angepasst und die Gehbahnen etwas verschmälert". Durch die Verschwenkung entfallen auf der Nordseite der Landsberger Straße neun Kurzzeitstellplätze, an der Südseite fünf Längsparker. Das Licht des Leuchtturmprojekts wird, wenn man bei Sibylle Stöhrs Bild bleibt, frühestens nach den Sommerferien angehen.

© SZ vom 26.01.2021
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