„Blackout Problems“-Sänger Mario RadetzkyDer Boss hilft

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Wenn Mario Radetzky (Mitte), Sänger der „Blackout Problems“, nicht mehr weiter weiß, liest er in der Autobiografie „Born to Run“. Dort findet er immer wieder Momente, in denen sich Bruce Springsteen durchgekämpft habe. „Das tröstet mich über die eigene Situation hinweg.“
Wenn Mario Radetzky (Mitte), Sänger der „Blackout Problems“, nicht mehr weiter weiß, liest er in der Autobiografie „Born to Run“. Dort findet er immer wieder Momente, in denen sich Bruce Springsteen durchgekämpft habe. „Das tröstet mich über die eigene Situation hinweg.“ (Foto: Bernhard Schinn)

Die „Blackout Problems“ sind erfolgreich wie nie – trotzdem haben Booking, Management und Plattenfirma die Zusammenarbeit beendet. Wie steckt man so etwas weg? Mit einem Blick in die Biografie von Bruce Springsteen.

Von Michael Bremmer

Woher nimmt er nur diese Energie? Ein Konzert der Blackout Problems Ende des Jahres in der Muffathalle in München. Sänger Mario Radetzky steht schweiß überströmt auf der Bühne. Noch einen Song zuvor ist er über die Bühne gerast, ist auf der Stelle gesprungen. Hat gesungen. Hat geschrien. Hat geshoutet. Das Konzert ist rappelvoll – alle sind gekommen, um mit der Band ihr erfolgreiches Jahr zu feiern. Und plötzlich erzählt der Sänger, was alles schiefgelaufen ist: Innerhalb eines Jahres hat die Band alles verloren, was sich die Musiker mühsam aufgebaut, erarbeitet haben.

Die Booking-Agentur aus London hat die gemeinsame Arbeit beendet. Das Management aus Berlin hat gekündigt, wegen Erfolglosigkeit – sechs Tage nach dem Auftritt von Blackout Problems beim Mega-Festival „Rock am Ring“. Ihre Plattenfirma – Sony, eines der großen Major-Labels in Deutschland – hat die Zusammenarbeit gelöst: Und das, obwohl das aktuelle Album der Band auf Platz 5 der Charts gelandet ist.

Wie steckt man so etwas weg?

Woher nimmt man die Kraft, nicht alles hinzuschmeißen?

Wer schenkt einem in einer solchen Situation Hoffnung? Mario Radetzky muss ein wenig nachdenken über diese Fragen. Es ist Anfang der Woche. Wie zuletzt jedes Wochenende war die Band bei Festivals in Deutschland, Österreich, Schweiz, Tschechien, Italien und sogar Frankreich unterwegs – es läuft so gut wie noch nie. Der Sänger schnieft. Er hat sich eine Erkältung eingefangen und muss die kommenden Tage nutzen, um fit für die nächste Show zu werden. Also: Wer macht Mut?

Der Boss. So sagt es Mario Radetzky natürlich nicht. Er sagt: Bruce Springsteen. Oder vielmehr dessen Autobiografie „Born to Run“, die der Münchner Musiker gerade liest. Oder vielmehr verschlingt – jede der 672 Seiten.

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Alle haben Mario Radetzky abgeraten, Musiker zu werden. Mittlerweile ist seine Band "Blackout Problems" bei Sony unter Vertrag, er spielt als Gitarrist Konzerte mit den "Sportfreunden Stiller" und arbeitet als Musikproduzent. Sein Drang: Er möchte es allen zeigen, den Nörglern, den Besserwissern.

SZ PlusVon Michael Bremmer

„Wenn ich gerade nicht mehr weiterweiß, wenn alles gerade wahnsinnig anstrengend ist, wenn alles gerade negativ ist, dann finde ich in seiner Biografie immer wieder Momente, in denen sich Bruce Springsteen durchgekämpft hat“, sagt Mario Radetzky.  „Und das tröstet mich über die eigene Situation hinweg.“

Natürlich kann man nicht eine durchaus erfolgreiche Münchner Band mit einem Weltstar vergleichen. Das weiß auch Mario Radetzky, das will er auch gar nicht. Aber sehr wohl könne man aus der Springsteen-Autobiografie etwas für sich herausziehen. Sein Ding durchzuziehen, zum Beispiel, selbst wenn die Plattenfirma zu meckern anfängt.

„Tatsächlich war Bruce Springsteen in den Anfangstagen mäßig erfolgreich“, sagt Mario Radetzky, „für damalige Verhältnisse.“ Seine beiden ersten Alben hätten sich nicht so gut verkauft – wobei heute jeder Künstler über knapp 100 000 verkaufte Alben natürlich jubeln würde. Damals hatte die Plattenfirma jedenfalls, so schildert es der Blackout-Problems-Sänger, die Zusammenarbeit mit Springsteen beenden wollen. Er bekam eine letzte Chance, das dritte Album „Born to Run“ brachte ihm dann „den großen Durchbruch“.

Was noch dazukam: Das damalige Management trennte sich von Springsteen, es folgte ein großer Streit, bei dem der US-amerikanische Rockstar auch finanziell schwer zu kämpfen hatte. Es war eine unsichere Zeit für Springsteen, trotzdem „hat er sich durchgekämpft“, wie es Radetzky nennt. Die ganze schwierige Zeit über habe er seine E Street Band beschäftigt, habe alles bezahlt, sei der Boss des Ganzen gewesen, „daher kommt ja auch sein Spitzname“.

Eine ähnliche Rolle – in einem viel kleineren Rahmen natürlich – hat Mario Radetzky bei seiner Band. Er hat die Aufgaben des Managers übernommen, die zukünftigen Platten erscheinen bei seiner eigenen Plattenfirma.

Aber Vorbild ist Bruce Springsteen aus einem ganz anderen Grund: „Bei ihm habe ich nach all den Jahrzehnten immer noch das Gefühl, dass die Kraft, die ihn antreibt, der Wunsch ist, auf der Bühne Großartiges zu liefern“, sagt Mario Radetzky. Vier Springsteen-Konzerte hat der Münchner Musiker in den vergangenen zehn Jahren gesehen – und jedes Mal habe er sich gedacht: „Woher nimmt dieser Mann diese Energie? Wie schafft er es, ein Stadion zum Tanzen, zum Weinen, zum Lachen und dann aber auch zum Verstummen zu bringen?“

Weswegen ihn Bruce Springsteen noch beeindruckt?

„Er hat immer die Kunst an erster Stelle gestellt und hat sich nicht blenden lassen von jeglichen Erwartungen.“

Und: „Er hat immer seine eigene Meinung gehabt und versucht, sich für das Richtige einzusetzen“, sagt Mario Radetzky, „deswegen ist er ein ganz tolles Vorbild.“ So habe er etwa, als Trump wieder US-Präsident wurde, bei seinen Konzerten immer erwähnt, dass die USA „zurzeit von einem Tyrannen regiert wird“.

Zurück in die Muffathalle, zum Rückblick auf das Jahr 2024. In seiner Ansage, was sich so alles ereignet hat das ganze Jahr, erwähnt Mario Radetzky auch, dass die Band von einem Kanzlerkandidaten angezeigt worden sei. Die Band hat nicht stillhalten können, als der heutige Bundeskanzler Friedrich Merz bei einer Fernseh-Talkshow eine umstrittene Aussage zu Asylbewerbern in Deutschland machte. Das Verfahren ist mittlerweile eingestellt worden.

In der SZ-Serie „Ein Stück Hoffnung“ empfehlen Künstler aus München und Bayern Werke, die sie optimistisch stimmen.

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