Simon Rattle dirigiert das BR-SymphonieorchesterStrawinskys große Farbschatulle

Simon Rattle am Pult der BR-Symphoniker.
Simon Rattle am Pult der BR-Symphoniker. (Foto: Astrid Ackermann)

Die BR-Symphoniker überzeugen im Konzert in der Isarphilharmonie mit kommunikativem Vortrag und Vielfältigkeit im Ausdruck.

Von Andreas Pernpeintner

Nein, größte Präzision ist wirklich nicht das Merkmal, das die Darbietung des BR-Symphonieorchesters von Schumanns Zweiter Symphonie in der Isarphilharmonie ausmacht. Die Koordination der Instrumente und Instrumentengruppen bröselt nicht, ist aber auch nicht auf jahrelang vertrautem BRSO-Niveau.

Dennoch ist’s ein großes Vergnügen, dieser Schumann-Symphonie zu lauschen, denn Esprit und auch Prägnanz gibt Simon Rattle seinem Orchester ganz vorzüglich vor. Daraus entsteht ein sehr kommunikativer Vortrag, der zu dieser mitunter musikantisch zupackenden Symphonie sehr gut passt. Besonders schön aber gelingt das Adagio, das Rattle wunderbar zwischen Sanftmut und zielbewusstem Schrittmaß austariert und dessen geradezu ätherisch leisen Passagen die BR-Symphoniker bei aller klanglichen Zurücknahme deutliche Artikulation beigeben.

Diese Fähigkeit zur klaren Ausformung noch des leisesten und fahlsten Pianissimos zahlt sich auch nach der Pause bei Strawinskys „Feuervogel“-Ballett in konzertantem Vortrag aus. Wie bei allen konzertant gespielten Bühnenwerken stellt sich die Frage, ob die Musik, auch in ihrer zeitlichen Ausdehnung, als Quasi-Tondichtung funktioniert oder nicht. Klar ist jedenfalls: Auf gewisse Weise hört man das visuelle Erlebnis des Ausdruckstanzes mit, denn auch ohne Bühnengeschehen ist die Musik hochassoziativ.

Das atemlose Flirren der Streicher. Die teilweise ungemein lichte, transparente Instrumentation mit hohen Holzbläsern, Harfen und Celesta. Als maximaler Kontrast die Dunkelheit von gleich zwei Kontrafagotten. Die klangräumliche Weitung durch zwischendurch auf der Empore auftretende Trompeten. Die vier Wagnertuben, die mit großen Dämpfern bestückt nur für wenige Töne aufmarschieren. Dann wieder die mächtig pulsierende rhythmische Kraft des starkbesetzten Schlagwerks. Die Vielfalt der Darbietung ist hinreißend, und Rattle schwenkt Strawinskys große Farbschatulle mit Hingabe.

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