Wer in München Handball spielen möchte, kann zwischen 20 verschiedenen Vereinen wählen - und das Interesse an der Sportart ist groß. "Das Angebot ist so beliebt, dass wir bei der Aufnahme von jungen Sportlern auf die Bremse drücken müssen", sagt Werner Dunzinger, Vorsitzender der HSG München West. Aktiv junge Spieler anwerben müsse der Verein daher nicht, auch weil er sich in direkter Nachbarschaft zu einer Grundschule und einem Kindergarten befinde. "Dadurch kommen viele junge Spieler von alleine zu uns", so Dunzinger. Nachwuchsprobleme gebe es erst ab der B-Jungend. "Die 15- bis 16-Jährigen interessieren sich mehr für andere Dinge", sagt Dunzinger.
Der TSV Allach dagegen wirbt aktiv um neue Mitglieder. Jedes Jahr nimmt der Verein am Grundschulaktionstag teil, bei dem Handballstunden angeboten werden. "Der Aktionstag kommt immer ganz gut an", sagt Alexander Friedl, technischer Leiter der Handballabteilung des TSV. Treten die Kinder dem Verein bei, wird zunächst gemeinsam trainiert. "Später erfolgt dann die Aufteilung in Leistungs- und Breitensport", so Friedl. Das Konzept des TSV Allach scheint erfolgreich zu sein: Von den insgesamt 17 Jugendmannschaften spielen einige in der höchsten bayerischen Liga. Sorgen bereitet Friedl die Hallensituation in München. Auf insgesamt acht Sportstätten müsse er seine Mannschaften verteilen. "Wir können momentan kaum noch Spieler unterbringen wegen der schwierigen Hallensituation." Das schlage sich auch in der Qualität nieder: "Es ist schwierig, auf so engem Raum wirklich gutes Training anzubieten." Auch Werner Dunzinger klagt über die Hallensituation in der Stadt: "Das ist echte Mangelverwaltung in München." Zumindest für ihn wird sich die Situation in Kürze etwas entspannen: Bald bekommt der Verein eine zweite Halle.
Friedl erhofft sich von der kommenden Handball-WM eine Verbesserung der Situation: "Die WM steigert hoffentlich die Akzeptanz für die Sportart und das Interesse der Menschen. Mehr Präsenz der Sportart in den Medien könnte auch mehr Geld für Hallen bedeuten". Dunzinger ist da pessimistischer. "Als die Nationalmannschaft 2007 Weltmeister wurde, gab es einen kleinen Boom, der aber schnell wieder abebbte."