Süddeutsche Zeitung

Brauchtum:Advent, Advent, der Krampus rennt

Perchten, Hexen, Teufel und andere Schreckensgestalten ziehen durch den Christkindlmarkt in der Fußgängerzone

Zweiter Advent, eigentlich eine friedliche Zeit: Aber was ist das? Durch den Christkindlmarkt in der Fußgängerzone ziehen am Sonntagnachmittag gruselige Gestalten, dämonenartige Wesen mit Teufelsfratze, nadelspitzen Reißzähnen und blutunterlaufenen Augen. Allen voran schreitet ein Bischof, der mehr unheimlich als fromm aussieht, hinter ihm tummeln sich zottelige Gesellen, deren Kopf mal zwei und auch mal vier Hörner zieren. Es ist, als hätte die Hölle ihre Tore geöffnet, doch die meisten Weihnachtsmarktbummler, die beim teuflischen Schaulaufen Spalier stehen, bleiben gelassen bis vergnügt. Auch bei den kleinen Zuschauern hält sich der Schrecken in Grenzen. Einige klatschen die wüsten und wilden Kerle sogar ab.

Eingeladen zum "Großen Krampuslauf" hat die Münchner Krampusgruppe "Sparifankerl Pass". 25 Gruppen aus Bayern, Österreich und Südtirol sind dem Ruf ihrer Münchner Kollegen gefolgt, und so ziehen etwa 300 Krampusse, Perchten, Klausen, Hexen, Teufel und andere Schreckensgestalten zum Gaudium der Passanten und tausendfach fotografiert durch die Altstadt. Schellen, Rasseln und Kuhglocken erzeugen einen ohrenbetäubenden Rhythmus des Grauens.

Die Tradition des Krampuslaufens geht auf die christlich-mythologischen Figuren des gütigen Bischofs Nikolaus und seines finsteren Begleiters, des Krampus, zurück, der "ungezogene" Kinder straft - ein pädagogisches Konzept, das heute nicht mehr als ganz zeitgemäß gilt. In München ist der Brauch des Krampuslaufens seit 1740 verbürgt. Damals zogen sogenannte Klaubaufe furchteinflößend durch die Stadt.

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SZ vom 10.12.2018 / wg
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