Gastronomie in MünchenDie Brasserie Thi hat geschlossen – was die Gründe sind

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Die Betreiber der Brasserie Thi, die Brüder Thi (li.) und Vu Nguyen, wollen sich nun voll ihrem anderen Lokal widmen, dem Tivu in der Rumfordstraße.
Die Betreiber der Brasserie Thi, die Brüder Thi (li.) und Vu Nguyen, wollen sich nun voll ihrem anderen Lokal widmen, dem Tivu in der Rumfordstraße. Robert Haas

Trotz hervorragender Lage in der Altstadt und einem Spitzenteam müssen die Brüder Thi und Vu Nguyen ihr Lokal aufgeben. Die Fehler, die zur Schließung führten, suchen sie auch bei sich.

Von Sarah Maderer

Die Brasserie Thi hatte den perfekten Standort, könnte man meinen. Mitten in der Altstadt, zwischen Hofbräuhaus und dem Luxushotel Mandarin Oriental und in Lauflage zu den großen Einkaufsstraßen. Trotzdem musste das Lokal in der Bräuhausstraße vor wenigen Wochen schließen.

Wie es dazu gekommen ist, ließe sich nicht klar beantworten oder an einem einzigen Grund festmachen, sagt Vu Nguyen rückblickend. Er führte die Brasserie Thi zusammen mit seinem Bruder Thi, nach dem das Restaurant benannt war. „Die Lage war eigentlich toll“, findet auch Vu Nguyen, „aber in die Innenstadt kommen die Leute vor allem, um bayerisch zu essen und nicht französisch.“

Bayerische Küche kommt bei Nguyens nicht auf den Tisch. Angefangen haben sie mit vietnamesischen Tapas in ihrem ersten Lokal, dem Tivu in der Rumfordstraße, das sie 2019 eröffneten. Zwei Jahre später, kurz nach dem zweiten Corona-Lockdown, legten sie mit der Brasserie Thi nach, wo es sowohl im Ambiente als auch in der Küche gehobener zuging und wo auch Wein eine große Rolle spielte.

Ab dann wurde der eine Bruder, Thi, überwiegend im Tivu als Küchenchef gebraucht und Vu kümmerte sich immer mehr um den Service und die reibungslosen Abläufe in der Brasserie. „Sie hat mehr von meiner Aufmerksamkeit gebraucht als gedacht“, erinnert sich Vu Nguyen. „Das habe ich ein bisschen unterschätzt.“

Unterstützung bekam er von einem Top-Team: von Jacob Weis und Patrick Mertens als eingespielte Küchen-Doppelspitze, die zuvor schon zusammen im Sternelokal von Schloss Elmau gekocht haben; und im Service von Merjem Music und David Schaubruch, die beide ausgebildete Sommeliers sind. „Wir hatten nur Fachpersonal, das kostet“, sagt Nguyen. Trotzdem sei es gut gelaufen, auch im ersten Jahr nach der Pandemie, als die Menschen wieder ausgehen wollten.

Doch die gesamtwirtschaftliche Lage sei inzwischen eine andere, meint Nguyen. „Die Leute konsumieren weniger und der Zeitgeist geht dahin, sich bewusster zu ernähren und weniger Alkohol zu trinken.“ Wein sei anstelle von Flaschen zunehmend glasweise bestellt worden. Dazu käme die Unsicherheit der Menschen, die nun sehr bewusst mit ihrem Geld umgingen.

Außerdem sei die Brasserie Thi kein „Walk-In-Lokal“ gewesen, wo Gäste spontan unter der Woche vorbeigekommen wären. „Ein Menü wie unseres hat Event-Charakter“, sagt Nguyen, „das nimmt man sich bewusst vor.“ Darauf reagierten die Brüder bereits im Frühjahr, als sich erstmals abgezeichnete, dass nicht genug umgesetzt wird. Ein zusätzliches À-la-carte-Menü mit kleineren Bistro-Gerichten sollte ihr Konzept zugänglicher machen, doch der gewünschte Effekt blieb aus.

Der Nachfolger für die Brasserie Thi steht schon fest

Mitte August zogen sie dann die Reißleine. Die Fehler, die zur Schließung führten, suchen sie auch bei sich: „Vielleicht haben wir zu wenig Marketing gemacht, vielleicht haben wir zu spät auf die allgemeine Stimmung reagiert“, überlegt Vu Nguyen. Er hätte zum Beispiel schon im vergangenen Jahr die Speisekarte anpassen oder mehr alkoholfreie Getränke anbieten können. Abschließend resümiert er: „Vielleicht habe ich einfach mit dem Konzept in dieser Lage nicht ins Schwarze getroffen.“

Als zu teuer habe Nguyen die Preise der Brasserie Thi nicht empfunden, denn 30 Euro für einen Hauptgang zahle man anderswo in der Innenstadt genauso. Das Restaurant Elsa, das bald in die Räumlichkeiten der Brasserie Thi einziehen wird, will dagegen seine Preise niedriger ansetzen und weg vom Fine Dining. „Bei uns wird es deutsch-österreichische Küche für ein Münchner Publikum geben“, kündigt der neue Wirt Lucas Kucz an, der zuletzt die Gastronomie im Chiemgauhof in Übersee leitete und sich mit dem Elsa erstmals selbständig macht.

Die Brüder Nguyen konzentrieren sich nun wieder ganz und gar aufs Tivu, das nach wie vor gut ausgebucht sei, sagt Vu Nguyen. Seit ein paar Wochen ist er nun wieder dort im Service, er habe festgestellt: „Es tut mir gut, wieder eng mit meinem Bruder zusammenzuarbeiten.“ Auch ihr Mittagscatering wollen die beiden ausbauen. Ein weiteres Lokal sei aber vorerst nicht geplant.

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