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BR-Symphonieorchester:Trost im Verlust

Christian Gerhaher

Engagiert sich derzeit auch für die Freiheit der Kunst: der Bariton Christian Gerhaher.

(Foto: Gregor Hohenberg / Sony Classical)

Dirigent Robin Ticciati und das BR-Symphonieorchester haben ein düsteres, aber spannendes Programm zusammengestellt: Opernsänger Christian Gerhaher singt Gustav Mahlers "Kindertotenlieder". Eröffnet wird mit Schuberts Trauermarsch und der D-Dur-Serenade von Johannes Brahms.

Von Rita Argauer

Die Musik als so rituelle wie abstrakte Kunst hat in der Trauer große Bedeutung. Das durchaus düstere Programm, dass das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks nun mit Christian Gerhaher unter Robin Ticciati präsentiert, passt aber in die Zeit. Denn eine Gesellschaft fängt zwangsläufig an, sich mit dem Tod auseinandersetzen, wenn die Nachrichten täglich Todeszahlen melden. Dass der Tod und das Sterben wieder Teil des gesellschaftlichen Lebens werden muss, mag in der Konfrontation hart sein. Trotzdem ist das auch wichtig in einer Gesellschaft, in der die Auseinandersetzung mit der Sterblichkeit in den vergangenen 100 Jahren zunehmend pathologisiert wurde.

Als Gustav Mahler die "Kindertotenlieder" schrieb, hatte er einen solch tragischen Verlust noch nicht erleiden müssen. Seine Tochter Anna-Maria starb erst drei Jahre später. Die Texte dieser fünf Lieder stammen von Friedrich Rückert, der zwei Kinder verloren hatte und daraufhin eine Sammlung von 428 Kindertotengedichten verfasst hatte. Es mag zu den schlimmsten Verlusterfahrungen gehören, ein Kind zu verlieren. Die Übersetzung dieser Tragik in Kunst kann helfen, kann trösten. Die Auseinandersetzung mit dem Tod verschiebt sich von privater Trauer in Richtung einer allgemeingültigeren Bedeutung. Zumal Mahler seinen Zyklus in Dur enden lässt. Das BRSO eröffnet das Konzert passend dazu mit Schuberts Trauermarsch aus der Oper "Adrast". Anschließend löst die D-Dur-Serenade von Johannes Brahms, eine Art symphonische Vorform, in sanft-eleganter Stimmung die Tragik. Denn auch deren Gegenseite ist künstlerisch wie gesellschaftlich notwendig.

Symphonieorchester des BR, Freitag, 5. Februar, 20 Uhr, Live-Stream aus dem Herkulessaal unter www.br-klassik.de/concert/ausstrahlung-2382262.html

© SZ vom 04.02.2021/van
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