Bond-Girl Karin Dor:Das ewig süße Mädel

SZ: Bei dieser Sterbeszene gab es Probleme mit Ihrem Kleid. War der Gedanke umzudisponieren für Hitchcock völlig ausgeschlossen?

Karin Dor als Bond-Girl in "Man lebt nur zweimal"

Karin Dor als Bond-Girl in "Man lebt nur zweimal", 1967.

(Foto: Foto: Cinetext)

Dor: Wenn er sich eine Szene im Kopf ausgemalt hatte, rückte er davon nicht ab. Er hatte mir alles schon ganz am Anfang in seinem Büro haarklein beschrieben: Nach dem Schuss sollte Juanita niedersinken wie in einen "pool of blood". Aber das Kleid fiel nicht richtig. Sie haben ewig mit einem Double herumprobiert. Bis sie am Saum Nylonschnüre befestigten und an jedem Schnurende ein Arbeiter saß, der auf Kommando anzog. Nun war das ja akribisch austariert. Also lief ich im Badetuch herein, das Double stieg aus dem Kleid und ich hinein. Aber so war dann alles, wie er es sich vorgestellt hatte.

SZ: Er soll Sie ja auch in Ihrem Wohnwagen aufgesucht haben. . .

Dor: Oh ja. Er kam regelmäßig vorbei und ließ sich von mir erklären, wie man Königsberger Klopse oder Kohlrouladen macht. Seine Sekretärin musste für seine Köchin mitschreiben. Zu seinem Büro gehörte ein Speisezimmer. Essen war seine große Leidenschaft.

SZ: Ihr wichtigster deutscher Regisseur war Harald Reinl, der die Karl May- und Edgar-Wallace-Filmwellen begründete.

Dor: Er hatte eine phantastische Nase für Stoffe. Über seine Qualitäten in der Schauspielführung kann man streiten. Doch für den deutschen Kriminalfilm waren die Wallace-Filme innovativ. Heute kann man darüber lachen. Aber auch die Dreharbeiten waren oft irrsinnig komisch. Bei "Der unheimliche Mönch" gab es in einem dieser Gruselschlösser einen kleinen Bühnenarbeiter, der vor Ilse Steppat und mir rückwärts mit der Klappe herlief und plötzlich ragten nur noch seine O-Beine aus einer Truhe in die Luft. Wir konnten gar nicht mehr aufhören zu lachen. Nach dem vierten Drehanlauf schickte Reinl uns raus, damit wir uns beruhigten. Ich habe diese Filme geliebt! Aber ich habe auch meine Heimatfilme geliebt.

SZ: Hatten Sie nie Probleme mit dem Frauenbild, das Sie darin verkörperten?

Dor: Das kam mir damals doch entgegen. Ich habe mir ja auch immer ältere Männer gesucht, weil ich mich bei ihnen beschützt fühlte. Erst später habe ich mich aus dieser Süßes-Mädel-Rolle befreit.

SZ: Es gab ja Jahre, in denen Sie fünf Filme gedreht haben.

Dor: Einmal habe ich sogar zwei Filme parallel gemacht. Ich kam um fünf Uhr vom Nachtdreh ins Hotel und um sieben holte mich der Chauffeur für den nächsten Film ab. Das war richtig hart. Aber sonst habe ich den Stress mit einem Fingerschnippen weggesteckt.

SZ: Dennoch verlief ihr Leben nicht nur glatt. . .

Dor: Es gab eine Zeit, in der es mir sehr elend ging. Ich war schlaftablettensüchtig und musste einen Entzug machen. Von den Tabletten wegzukommen, war ungeheuer schwer.

SZ: War das der Grund, weshalb Ihre Karriere ins Stocken geriet?

Dor: Nein. Ich kam an einen Punkt, an dem mir mein Privatleben wichtiger war. Ich hatte durch die Karriere ja schon meine Jugend verloren. In dem Alter, in dem andere sich ihre erste Wohnung einrichten, hatte ich schon ein Haus.

SZ: Ist das nicht traumhaft?

Dor: Die Schritte, die andere über Jahre machen, habe ich im Zeitraffer durchlaufen. Ich hatte ein herrliches Leben. Aber ich war nie ganz unbeschwert jung, weil ich immer gearbeitet habe. Ich brauchte irgendwann eine Auszeit.

SZ: Vermissten Sie den Glamour?

Dor: Um Himmels willen! Was glauben Sie, auf wie vielen Empfängen ich allein rund um den James-Bond-Film war. Das war alles herrlich. Aber irgendwann hat man genug davon. Zur Oscarverleihung etwa - da hätte man mich später hinprügeln müssen!

SZ: In Margarethe von Trottas Melodram "Ich bin die Andere" sind Sie auf die Leinwand zurückgekehrt. Würden Sie sich wieder mehr Filmrollen wünschen?

Dor: Ich spiele mit der gleichen Leidenschaft Theater, mit der ich Filme drehe. Aber ich will in Zukunft vor allem weniger arbeiten. Das Einzige, was ich mir im meinem Leben noch wünsche, ist Zeit, um es zu genießen.

© SZ vom 27.08.2008/lado
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