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Pasing:Bomben-Entschärfung verläuft ohne Komplikationen

Fliegerbombe Silberdistelstraße (Westbad, Max-Planck-Gymnasium, Laim/Pasing)

Das Sprengkommando München konnte die Fliegerbombe hinter dem Max-Planck-Gymnasium in Pasing ohne Komplikationen entschärfen.

(Foto: Florian Peljak)
  • Ein Sprengstoff-Entschärfungs-Kommando konnte die Fliegerbombe in Pasing am Montag ohne Komplikationen entschärfen.
  • Damit wurde der Sperrring aufgehoben. Anwohner konnten wieder in ihre Wohnungen zurückkehren.
  • Im angrenzenden Acker zum Max-Planck-Gymnasium war eine Bombe gefunden worden. Für die Schüler fiel der Unterricht aus, das Westbad wurde geschlossen und Anwohner evakuiert.

Von Martin Bernstein, Philipp Schulte und Melanie Staudinger

Eigentlich eine idyllische Szenerie: Abenddämmerung, ein abgeernteter Acker in Pasing, Sondengänger, offenbar zwei an der Zahl, durchstreifen ihn. Es könnten Hobby-Schatzsucher sein, so genau weiß das die Polizei nicht. Sie finden auch etwas - aber keinen Schatz, sondern eine nicht detonierte Weltkriegsbombe. Um kurz vor 21 Uhr am Sonntagabend geht bei der Polizei der Notruf ein. Ein Bombenentschärfer wird alarmiert, er inspiziert den Blindgänger, rät zum Abwarten bis zum nächsten Morgen.

Der Fundort wird mit Bauzäunen abgesperrt und über Nacht bewacht. Bombenalarm in München, das ist nicht ungewöhnlich. Die Umstände aber schon: Üblicherweise werden Blindgänger bei routinemäßigen Untersuchungen bei Bauarbeiten entdeckt - und nicht von Schatzsuchern. Laut Polizei und Feuerwehr waren es nun aber die Sondengänger, die den Notruf absetzten. Sprengmeister Martin Tietjen, 39, berichtet hingegen, sie hätten - wohl ahnend, dass da Gefährliches im Boden schlummert - das Weite gesucht, hätten sich buchstäblich vom Acker gemacht. Erst ein Passant, der sie dabei beobachtet habe, habe schließlich die Polizei alarmiert.

Wie die Evakuierung verlief

Wie auch immer, die Folgen waren die gleichen: Großeinsatz am Montag. Der Parkplatz des Westbads in Pasing wird an diesem Tag zum Einsatzzentrum umfunktioniert, nicht weit von hier ruht die Fliegerbombe im Boden, nahe der Silberdistelstraße. Direkt gegenüber: ein Gymnasium. Es wird geräumt, ebenso wie das Westbad. Der Evakuierungsradius beträgt 500 Meter. Häuser werden geräumt. 120 Feuerwehrleute und 130 Polizisten sperren die Gegend ab.

Von 11 Uhr an ziehen sie von Haus zu Haus, klingeln an jeder Wohnungstür. Etwa 1000 Anwohner müssen den Gefahrenbereich verlassen. Wer nirgendwohin kann, wird in die Turnhalle der Grundschule am Schererplatz geschickt. Alexander Hameder, der Leiter der Betreuungsstelle, ist fast ein wenig überrascht, dass so viele das Angebot nutzen: Knapp hundert Menschen finden sich bis zum frühen Nachmittag dort ein.

Ein Helfer unterhält die Kinder. Klaus Riessner sitzt an einem Tisch und beobachtet das Treiben. Der 91-Jährige wollte sein Haus nicht verlassen. "Ich habe noch die Fensterläden zugemacht, sodass mich keiner findet." Polizisten und Feuerwehrleute haben ihn trotzdem gefunden und gebeten, mitzukommen. "Man kann nur hoffen, dass es schnell vorbei ist", sagt Riessner. Er kann sich noch an die ersten Luftangriffe der Alliierten auf München erinnern. "Dann musste ich nach Russland. Für meine Familie waren die weiteren Angriffe schrecklich. Die Keller waren feucht und manch einer wurde krank."

Fliegerbombe Silberdistelstraße (Westbad, Max-Planck-Gymnasium, Laim/Pasing)

Um kurz vor 16 Uhr entschärfte Martin Tietjen die Bombe.

(Foto: Florian Peljak)

Die Münchner Verkehrsgesellschaft unterbricht den Linienverkehr des 57er-Busses zwischen Pasing und Westbad. Stillstand im Pasinger Süden. Kurz nach 15 Uhr ist die Evakuierung abgeschlossen. Danach beginnt die Arbeit für Sprengmeister Tietjen und sein Team vom Kampfmittelräumdienst. Lange brauchen sie nicht, knapp eine halbe Stunde. Kurz vor 16 Uhr ist die Bombe entschärft, die Pasinger können zurück in ihre Häuser.

Für Tietjen ist es eine normale Entschärfung, alles läuft glatt. Der Blindgänger ist nicht von der ganz gefährlichen Sorte: Laut Polizei hat er keinen der berüchtigten chemisch-mechanischen Langzeitzünder - umgangssprachlich auch Säurezünder genannt. Offenbar handelt es sich um einen einfachen Aufschlagzünder, für Entschärfer weit weniger knifflig. 250 Kilogramm ist die Bombe schwer. Geht sie hoch, entlädt sie eine Sprengkraft von 120 Kilogramm.

Was das für die Schüler des Max-Planck-Gymnasiums bedeutete

Walter Scharl, Direktor des Max-Planck-Gymnasiums, erfährt erst am Montagmorgen von der Fliegerbombe. "Es blieb keine Alternative, als die Schule sofort zu räumen", berichtet er. Vor dem Gebäude seien die Kinder und Jugendlichen abgefangen und nach Hause geschickt worden. Laut Kultusministerium sei das genau die richtige Vorgehensweise für Schüler in diesem Alter. Während Lehrer sich bei Grundschulkindern um eine Betreuung kümmern müssten, etwa wenn die Eltern arbeiten, seien Gymnasiasten reif genug, um eigenständig heim zu gehen. Zusätzlich informiert das Gymnasium mit seinen 1100 Schülern und 100 Lehrern die Eltern über die Homepage. Niemand soll das Gelände betreten, steht dort.

Manche Eltern beschweren sich trotzdem. "Ganz wenige hätten sich wohl ein Alternativprogramm gewünscht", erzählt Scharl. Dafür fehle ihm aber jedes Verständnis - wohin hätte man die Schüler denn auslagern sollen? Auch der Elternbeiratsvorsitzende Manfred Müller ist überzeugt: "Alle unsere Schüler sind alt genug, dass sie eigenständig nach Hause gehen können." Auch er berichtet von besorgten Anrufern. Allerdings habe es sich dabei meist um ein Missverständnis gehandelt, weil einige Kinder daheim erzählt hätten, dass die Bombe in der Schule gefunden worden war. Für die Schüler, sagt Müller, sei der Montag ein großes Abenteuer gewesen.

Fliegerbombe Silberdistelstraße (Westbad, Max-Planck-Gymnasium, Laim/Pasing)

Auf diesem Acker direkt hinter dem Gymnasium wurde die Bombe gefunden.

(Foto: Florian Peljak)
© SZ vom 21.07.2015/axi

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