Süddeutsche Zeitung

Bogenhausen:Zug zum Trecker

Der Girls' Day macht Mädchen auf Berufe neugierig, die bisher meist Männer ergriffen

Von Alisa Schrauth, Bogenhausen

Die Verbindung steht - ab geht es in die Werkstatt, zu den Treckern. Linda Gräf führt am Girls' Day die am Bildschirm sitzenden Mädchen in die mögliche Wirkungsstätte ihrer Zukunft. Denn darum geht es beim Mädchen-Zukunftstag: Zeigen, was möglich ist. Gräf ist Referentin für Ausbildungsmarketing bei der Münchner Firma Baywa. Sie zeigt am Donnerstag zusammen mit ihrer Kollegin Julia Kufer, was es heißt, Land- und Baumaschinenmechatronikerin zu lernen. Neben dem Besuch in der Werkstatt gibt es eine Präsentation, Fragerunden und ein Interview mit der Auszubildenden Magdalena Karmann.

Sie will den Mädchen Mut machen, sich auch in eine von Männern dominierte Branche zu trauen. "Ich bin echt gut aufgenommen worden von den Männern", erzählt sie und strahlt übers ganze Gesicht. Sieht stark nach Traumjob aus, trotz oder wegen des Männerüberschusses. "Am besten gefällt mir, wenn ich eine fertig reparierte Maschine dem Kunden übergeben kann." Das sei "schon cool" und mache sie stolz. Julia Kufer aus der Bogenhausener Konzernzentrale erzählt den Girls, an welchen Standorten Baywa Technikstandorte hat, die für die Ausbildung als Land- und Baumaschinenmechatronikerin in Frage kommen. Sie erzählt so inbrünstig von "schönen, neuen Standorten", dass sie sich kurz selbst überholt und sogar von "schönen Werkstattleitern" berichtet - der Versprecher wird mit einem Lachen quittiert. Die Atmosphäre in der digitalen Mädchenrunde ist locker und bewegt die Teilnehmerinnen zum Nachfragen. Die Palette der Fragen ist breit: Von "Was macht Baywa?" bis zu "Wie sieht der Pausenraum aus?" ist alles dabei. Viele der Mädchen kommen "aus der Landwirtschaft" und kennen die Gegebenheiten. Zu Baywa haben einige durch dort arbeitende Verwandte auch bereits eine Beziehung. Dennoch nutzen die Referentinnen die Gelegenheit, um für das Unternehmen und die Ausbildung zu werben. Auch das ist Girls' Day. "Das ist ein Beruf, der Zukunft hat", sagt Gräf. Trotz steigender Digitalisierung bleibe "das Handwerkliche" sehr wichtig.

Karmann deutet kurz die negative Seite des Jobs an: "Nervig ist, wenn zum Beispiel Erntetechnikzeit ist und wir länger arbeiten müssen." Ein Ausgleich sei aber da. Außerdem könne sie in der Reifenwechselsaison am Abend keine Reifen mehr sehen. "Mit den richtigen Kollegen geht das aber auch vorbei". Sie ermutigt die Mädchen, selbstbewusst in den Beruf zu gehen. Girls-Power am Girls' Day!

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Quelle:
SZ vom 23.04.2021
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