Bogenhausen Vier auf einen Streich

Die Adresse steht schon fest: Am Maria-Nindl-Platz entsteht derzeit das Sozial- und Kulturzentrum für das neue Wohngebiet Prinz-Eugen-Park.

(Foto: Robert Haas)

Das Sozial- und Kulturbürgerhaus am Maria-Nindl-Platz nimmt planerisch Gestalt an: Seniorenzentrum, Familien- und Nachbarschaftstreff sowie ein Multifunktionssaal mit 300 Plätzen entstehen unter einem Dach

Von Ulrike Steinbacher, Bogenhausen

Drei soziale Einrichtungen und das Kulturzentrum für einen Stadtteil mit 86 000 Einwohnern unter ein gemeinsames Dach zu bringen - dass das ein Spagat werden würde, war den Bogenhauser Lokalpolitikern und den Planern in der Stadtverwaltung von Anfang an klar. Seit acht Jahren tüfteln sie an dieser integrierten Quartierseinrichtung, in der Kulturbürgerhaus, Alten- und Service-Zentrum (ASZ), Familien- und Nachbarschaftstreff zusammengefasst werden. Rückschläge gab es immer wieder. Etwa als die benachbarte Schulaula, in die der Theatersaal ausgelagert werden sollte, versehentlich zu niedrig geplant wurde und keine Bühneneinrichtung aufnehmen konnte. Oder als der Stadtrat das Projekt in einem Anfall von Sparwut flächendeckend um zehn Prozent kürzte, was wiederum das Aus für die Zuschauergalerie des mittlerweile ins Bürgerhaus verlagerten Theatersaals bedeutet hätte.

Inzwischen sind all diese Klippen umschifft, der Saal bekommt eine versenkbare Bühne und auch eine Galerie. Doch hundertprozentig glücklich sind die Bogenhauser Lokalpolitiker mit dem Entwurf für das Sozial- und Kultur-Bürgerhaus noch nicht, den Anne Beer von Beer, Bembé, Dellinger Architekten und Stadtplaner jetzt im Gremium vorgestellt hat.

"Ein sehr lebendiger Ort" werde mit dem dreigeschossigen Gebäude am zentralen Maria-Nindl-Platz im neuen Wohngebiet Prinz-Eugen-Park entstehen, sagte Beer, ein "Stadtbaustein", der "sich selbstbewusst zeigt". Glasfassaden im Erdgeschoss sollen das Haus zum Platz hin öffnen. Im Inneren verknüpft ein "zentraler großzügiger Erschließungsbereich", sprich ein Treppenhaus, das Raumprogramm der drei Stockwerke. Das offene Foyer ist im Erdgeschoss von drei Seiten zugänglich. Ebenerdige Räume bekommt der Nachbarschaftstreff, außerdem sind der Werkraum des ASZ und das Café des Familientreffs dort eingeplant. Im ersten Stock liegt der Multifunktionssaal mit 200 Sitzplätzen im Parkett und 100 auf der Galerie, der sich mit beweglichen Zwischenwänden in drei Teile zerlegen lässt, wenn er nicht für Versammlungen oder Kulturveranstaltungen gebraucht wird. Die Teilbereiche sind dann für das ASZ nutzbar, etwa für den Mittagstisch. Im zweiten Stock sind Gruppenräume und Büros vorgesehen, von dort ist auch die Saal-Galerie zugänglich. Eigene Ausstellungsräume sind nicht eingeplant, Kunst soll an den Wänden im Foyer hängen, die nicht aus Beton bestehen werden, sondern aus "hell gefasstem Ziegelmauerwerk", so Beer. Der Saal werde "hölzern ausgeschlagen". "Das soll ein durchaus warmes Haus werden."

Robert Brannekämper, der für die CSU im Bezirksausschuss Bogenhausen sitzt, war von der Fassadengestaltung "noch nicht so ganz überzeugt" und verwies auf andere Kulturhäuser in München, die gestalterisch oft den "Charme einer Tiefgarage" hätten. Er erwarte zwar keine Zirbelstube, sagte Brannekämper, sehe aber noch Gesprächsbedarf.

Offen ist bisher, wer als Träger für die integrierte Quartierseinrichtung insgesamt verantwortlich sein wird. Im Kulturbereich dagegen sind die Organisationsstrukturen klar: Verantwortlich ist der "13er Kulturbürgerhaus-Trägerverein". Im sechsköpfigen Gründungsvorstand sitzen vier Lokalpolitiker, doch die Planungs- und Vorbereitungsarbeit sei jetzt getan, sagt die Bogenhauser Bezirksausschuss-Vorsitzende Angelika Pilz-Strasser (Grüne). Die Planung sei durchgekämpft, "jetzt sind die Künstler dran". Pilz-Strasser selbst kündigte an, ihr Amt als Vorsitzende des Trägervereins zur Verfügung zu stellen. Die Mitgliederversammlung mit Neuwahlen findet voraussichtlich im Februar statt.