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Bogenhausen/Unterföhring:Zwei Spuren sind genug

Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer will zusätzlichen Verkehr aus München vermeiden

Von Sabine Wejsada, Bogenhausen/Unterföhring

Was das neue Stadtviertel im äußersten Nordosten von Bogenhausen betrifft, ist auch nach zehn Jahren Planung noch fast alles offen. Weder steht fest, wo genau zwischen Riem, Daglfing, Englschalking und Johanneskirchen gebaut werden soll, noch hat sich der Stadtrat festgelegt, ob Wohnungen für 10 000, 20 000 oder 30 000 Menschen entstehen. Schon jetzt ist aber klar, dass es mit den Straßen, die diese Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme (SEM) Nordost mit der Stadt und dem Landkreis München verbinden werden, nicht ganz einfach wird. Nach Norden, Richtung Unterföhring zum Beispiel wird die Erschließung der SEM unweigerlich auf die Kreisstraße M 3 münden, die Verbindung zwischen dem Föhringer Ring und der neuen Auffahrt auf den Autobahnring A 99. Ein Teil der 10 000, 20 000 oder 30 000 SEM-Bewohner wird also in einigen Jahren die schon heute überfüllte M 3 ansteuern.

Daher gibt es Überlegungen, die Straße vierspurig auszubauen, was im Nachbarort Unterföhring aber auf starken Widerspruch stößt. Zudem prüft das Staatliche Bauamt Freising, die M 3 zur Staatsstraße umzuwidmen und im Gegenzug die Staatsstraße 2053 von Unterföhring nach Ismaning zur Kreisstraße abzustufen.

Landrat Christoph Göbel (CSU) hält die Umstufung für sinnvoll. Denn die Verkehrsbelastung der M 3 sei so hoch, dass sie enorm von jener einer Kreisstraße abweiche. Außerdem habe die M 3 bereits heute ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Für Göbel ist ein Ausbau deshalb unabdingbar: "Die Zahl der Fahrzeuge steigt und was wir heute tun, wirkt sich in 20 Jahren aus." Dennoch ist auch der Landrat der Ansicht, dass die Strecke nicht als einzige Nordanbindung der SEM fungieren kann.

Unterföhrings Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft, PWU) lehnt den vierspurigen Ausbau rundweg ab. Die Gemeinde habe keinen Bedarf: "Die Voraussetzungen haben sich durch die Corona-Krise geändert, eine Vielzahl von Beschäftigten arbeitet im Home-Office." Als Erschließung für die SEM "steht die M 3 mit mir nicht zur Verfügung", betont er.

© SZ vom 04.11.2020
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