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Bogenhausen:Schandfleck wird Schmuckstück

Die Komplettsanierung des Hauptgebäudes des Berufsbildungswerks an der Musenbergstraße in Bogenhausen ist abgeschlossen

Mediengestaltung, Buchbinderei, Leder- und Textiltechnik, Raumgestaltung - das ist nur ein Teil der insgesamt 25 Berufe, die das Berufsbildungswerk (BBW) pro Jahrgang anbietet. Ihren Schwerpunkt legt die Einrichtung dabei auf die Arbeit mit Menschen, die einen Förderbedarf im Hören, Sprechen oder in der Kommunikation haben. Konkret heißt das, Auszubildende mit beispielsweise einer Gehörlosigkeit oder Schwerhörigkeit, mit Autismus sowie Menschen die eine Lese- oder Rechtschreibschwäche haben oder eine Hörprothese tragen, werden hier besonders unterstützt.

Dabei ist jedoch nicht nur das Fachwissen der Lehrkräfte, sondern auch eine geeignete Lernumgebung gefragt. Die hat das BBW mit einer Komplettsanierung des Hauptgebäudes an der Musenbergstraße 30 nun geschaffen. "Menschen mit Autismus beispielsweise haben ein enormes Rückzugsbedürfnis", sagt der Ausbildungsleiter des BBW, Lothar Spengler. Das sei in den renovierten Räumlichkeiten nun problemlos möglich. "Es gibt mehr Platz und mehr Möglichkeiten, sich zurückzuziehen." Auch die Produktionsbedingungen in der Schreinerei, dem größten Raum der Schule, haben sich demnach verbessert. Mehr Durchgangsflächen, eine zeitgemäße Lüftung sowie größere Fenster bieten bessere Arbeitsmöglichkeiten.

Auch akustisch ist das Gebäude laut Schulleiter Hannes Müller nun besonders gut eingestellt. "Wir haben wahnsinnig gute Schallabsauger." Bei Durchsagen oder Feueralarm geben sogenannte Blitzleuchten zusätzlich ein optisches Signal. Insgesamt 14 600 Quadratmeter Geschossfläche wurde bei der Sanierung erneuert. Dazu wurde das Gebäude in den Zustand eines Rohbaus zurückversetzt und anschließend neu aufgebaut. Die Entscheidung dazu ist laut Bezirkstagspräsident Josef Mederer nicht leicht gefallen. "Bei einem Neubau hätten wir enger zusammenrücken müssen", sagte er jetzt beim Festakt zur Eröffnung des Gebäudes. "Und wenn man schon so etwas macht, dann vernünftig." Dass es bei einem 42 Jahre alten Gebäude nichts hilft, "kleinteilig anzufangen", findet auch der Schulleiter. "In dem alten Gebäude hat einfach nichts mehr gepasst."

Also nahm der Sozialhilfeträger Bezirk Oberbayern 36 Millionen Euro in die Hand und beschäftigte unter Führung des Generalunternehmens Züblin 71 Fachbetriebe auf der Baustelle. Innerhalb von zwei Jahren entfernten sie Schadstoffe, erneuerten den Beton, aber auch die gebäudetechnischen Installationen. Nun gibt es zwei neue Aufzüge, neue Boden-, Wand- und Deckenbeläge. Die Tiefgarage ist saniert, das Dach abgedichtet und eine neue Fassade ist angebracht. Auch sechs Wohnungen, eine davon für den Hausmeister, konnten im dritten Obergeschoss geschaffen werden. Leitsysteme am Boden machen das Gebäude zusätzlich barrierefrei.

Damit der Unterricht auch während der Bauarbeiten weitergehen konnte, wurden die 150 Auszubildenden und 30 externen Berufsschüler in 230 Container und drei Werkshallen ausgelagert. "Das war am Anfang sicherlich mühsam", sagt Spengler, "nach einem Jahr dort hat sich aber keiner mehr beschwert." Erstaunlich gut lief der Unterricht dort auch laut Müller. "Das war kein Thema für die jungen Erwachsenen." Zwar habe es auch mal kleinere Probleme wie eine kaputte Heizung gegeben, die Arbeit und der Tagesablauf allerdings seien die selben gewesen.

Als einen ehemaligen "Schandfleck", der nun ein "architektonisches Schmuckstück" ist, bezeichnet Mederer das frisch sanierte Gebäude bei der Eröffnung am vergangenen Freitag. Seiner Meinung nach hat es sich aber gelohnt, die organisatorisch, arbeitstechnisch und finanziell große Herausforderung auf sich zu nehmen. Denn auch für den Bezirk Oberbayern sei es "eines der größten Bauwerke en bloc gewesen, das wir je hatten."