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Bogenhausen:Mehr oder weniger Bäume

Nachbarn wenden sich gegen Initiative zur Rettung weiteren Grüns im Prinz-Eugen-Park

Von Nicole Graner, Bogenhausen

Im Prinz-Eugen-Park müssen für die Umsetzung des Landschaftskonzeptes in der sogenannten Grünen Mitte zwischen Jörg-Hube-Straße und Ruth-Drexel-Straße und im Bereich des zukünftigen Kletterspielplatzes 83 Bäume gefällt werden. 83 Bäume von 2225 im Areal. Die Gründe: Auf dem Gelände des Spielplatzes muss ein Meter Boden abgetragen werden, damit das Klettergerüst nicht zu hoch steht. Nötig ist das vor allem aus Sicht- und Lärmschutzgründen, aber auch wegen der Barrierefreiheit.

Ursprünglich sollten sogar 151 Bäume gefällt werden. Aber die Stadt, die Genossenschaft für Quartiersorganisation GeQo, Lokalpolitiker und Mitglieder des Arbeitskreises Ökologie im Quartier haben in langen Prozessen erarbeitet, dass die Fällung von 83 Bäumen ausreiche, um das Wege- und Landschaftskonzept umzusetzen. Der "Initiative zur Rettung von Altbaumbeständen in der Grünen Mitte" geht das aber nicht weit genug. Sie will die Baumfällungen zu Gunsten einer anderen, neu zu erarbeitenden Wegeführung im Quartier stoppen. Was aber eine große zeitliche Verzögerung in der Umsetzung des Landschaftskonzeptes mit sich bringen würde. 204 Anwohner haben noch im Dezember 2020 in einer Petition an Stadtbaurätin Elisabeth Merk ihren Unmut darüber geäußert - und damit sehr viel Unruhe im Viertel gestiftet.

Nun hat GeQo, die immer wieder den neutralen Dialog zwischen allen Anwohnern fördert, in einer Doodle-Umfrage ermittelt, dass eine große Mehrheit der Anwohner im Quartier Prinz-Eugen-Park nicht hinter der Petition der Initiative steht. "Wir haben wirklich viele E-Mails bekommen, die kein Verständnis für die Forderung der Initiatoren gezeigt haben", sagt Mara Roth von GeQo. Daraufhin habe sie diese Umfrage initiiert, um überhaupt einmal ein "grobes Stimmungsbild" zu bekommen, wie Roth sagt. 27 Stunden war die Umfrage aktiv. 461 Anwohner stimmten dafür, dass die Umsetzung jetzt startet und Wege und Spielplätze möglichst schnell gebaut werden. 167 ist der Schutz der Bäume wichtiger als eine schnelle Fertigstellung der Wege und Spielplätze. "Sicher", erklärt Roth, "das sind keine validen Zahlen, aber sie zeichnen trotzdem ein klares Bild." Ein Anwohner ergänzte - wie andere auch - seine Doodle-Abstimmung mit einem Kommentar: "Es gab genügend Informationsveranstaltungen zu dem Thema mit der Möglichkeit, sich einzubringen, jetzt die fertigen Pläne und den Start der Arbeiten zu kolportieren, ist unverantwortlich." Nun soll, wie die GeQo informiert, noch mal ein Ortstermin aller beteiligten Parteien Klarheit bringen und den Dialog ermöglichen.

© SZ vom 18.01.2021
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