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Bogenhausen:"Komplett verrechnet"

An zu vielen Schulen findet kein Schwimmunterricht statt: Entweder fehlen die Möglichkeiten oder die Zeit, um zu weiter entfernt gelegenen Bädern zu fahren. Und es fehlen auch die Lehrkräfte.

(Foto: Catherina Hess)

Der Bezirksausschuss Bogenhausen fordert vehement ein drittes Schulschwimmbad. Die Lokalpolitiker schätzen den Bedarf dafür sehr viel höher ein als die Stadt - auch wegen der Flüchtlinge, die fast alle Nichtschwimmer seien

In der Musik ist der Score die Partitur, und Lewandowski scores vielleicht fünf Tore. Ja, und wenn das Referat für Bildung und Sport (RBS) einen Basisscore errechnet, dann ist das eine umfangreiche "Bedarfsaufstellung". Zum Beispiel im Bereich Schwimmen. Da ermittelt das Referat die "Minimalforderung an Übungseinheiten" pro Schule und Woche, also den Bedarf an Unterrichtseinheiten anhand der Anzahl der Klassen. Dementsprechend hat die Rechnung des Referats ergeben, dass die zwei Schulschwimmbäder an der Ruth-Drexel-Straße 23 und an der Regina-Ullmann-Straße 6 und die zugemieteten Schwimmzeiten im Cosimabad für den Stadtbezirk 13 "ausreichend" sind.

Das gefällt dem Bezirksausschuss Bogenhausen allerdings gar nicht. Das Gremium, insbesondere die SPD, fordert vom Referat eine Darlegung der Berechnungsgrundlage "Basisscore Schwimmen". Sie ist der Meinung, dass man sich "komplett verrechnet" und eine "falsche Beurteilung der Schulbauoffensive zugrundegelegt habe. "Unser Stadtbezirk", so ärgert sich Christine Hacker (SPD), "beherbergt an die 2000 Flüchtlinge, die zu 99 Prozent nicht schwimmen können". Allein das erhöhe schon einmal den Bedarf an Schwimmmöglichkeiten über den Schulbedarf hinaus.

Die Stadt weiß um diese Problematik. So macht das RBS deutlich, dass an 30 Münchner Schulen kein oder kein ausreichender Schwimmunterricht stattfinde. Deshalb hat der Stadtrat im September 2018 dem Bau von zehn neuen Schulschwimmbädern zugestimmt. Zusätzlich zu denen, die bereits gebaut werden. Für den Stadtbezirk Bogenhausen könnte ein neuer Standort das Entwicklungsgebiet München-Nordost sein. Doch noch werden die Standorte erst geprüft, Machbarkeitsuntersuchungen erstellt. Das reicht der SPD aber nicht. Die Begründung: Zeitnah müsse nach Standorten gesucht werden und nicht erst von 2030 an, wenn die Planungen für Johanneskirchen-Ost realisiert werden sollten. "Wir wollen", fordert Hacker, "dass ein drittes Schulschwimmbad forciert wird und in die Standortsuche auch die Grund- und Mittelschule an der Knappertsbuschstraße und an der Stuntzstraße miteinbezogen wird." Diesem Antrag wurde im BA zugestimmt.

Geprüft wird laut RBS übrigens nicht unbedingt stadtviertelbezogen, sondern nach einem Schwimmbad-Sprengel, für den entscheidend ist, wie weit das von der Schule zu nutzende Schwimmbad entfernt ist. Mit Schulbus oder ÖPNV muss es in zwölf Minuten erreichbar sein, um einen vernünftigen Schwimmunterricht zu ermöglichen. Auch seien die Standorte der zehn neuen Schulschwimmbäder noch nicht festgelegt. Wie wichtig das Schulschwimmen dem Referat aber sei, zeige die Initiative "Großes Schwimmfinale". Das zusätzliche Angebot des RBS, das 2018 drei Wochen vor den Sommerferien durchgezogen worden ist, habe großen Anklang gefunden. En bloc konnten Schulen damit von Montag bis Freitag zwei Stunden Unterricht ermöglichen. Eine erfolgreiche Initiative, wie das RBS mitteilt. 40 Schulen mit zirka 150 Klassen und 2800 Schülerinnen und Schülern haben teilgenommen. 780 Schwimmabzeichen wurden abgelegt. Und weil es so gut war: Das Schwimmfinale wird es 2019 wieder geben.