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Bogenhausen:Kleiner Fortschritt

Das Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium verlässt die digitale Steinzeit: Falls wieder virtueller Unterricht notwendig wird, gibt es jetzt immerhin Webcams. Nach Lösungen für eine leistungsfähige Internetverbindung wird gesucht

Von Nicole Graner, Bogenhausen

"Wir freuen uns, wieder unterrichten zu können", sagt Uwe Barfknecht, Schulleiter des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums (WHG). Er sagt diesen Satz, und man spürt, sogar am Telefon, wie wichtig er ihm ist. Unabhängig davon, dass die Schülerinnen und Schüler endlich wieder in persönlichem Kontakt mit den Lehrern stehen, verschafft der Präsenzunterricht der Schule in ihrem großen Wunsch nach einer schnellen digitalen Aufrüstung auch ein bisschen Zeit.

Noch im Juli hatten der Schulleiter, der Elternbeirat und die Schüler in der Sitzung des Bezirksausschusses (BA) Bogenhausen mit einem dringenden Appell die Lokalpolitiker um Unterstützung gebeten. Denn in der größten Schule Münchens mit 1340 Schülerinnen und Schülern gebe es kein leistungsfähiges Wlan, keine Webcams und keine Laptops für Schüler und Lehrer. Man habe sich vom Referat für Bildung und Sport (RBS) alleingelassen gefühlt. Grund genug für den BA, Unterstützung zuzusichern und die Stadt München dringend aufzufordern, nach einer schnellen Lösung zu suchen. Am besten zum Schulbeginn.

Ein paar Wochen später, die Schule hat längst begonnen, klingt Uwe Barfknecht ruhiger. Denn, so sagt er, es gibt einen "kleinen Fortschritt": Eine Woche vor dem Sommerferienende seien die bestellten Webcams geliefert worden. Nun seien wenigstens schon mal Videos möglich, die aus der Schule gesendet werden könnten. Der kleine Rückschritt: Im Neubau seien zwar die Beamer neben den Whiteboards aufgestellt worden. Dabei seien nun aber die Computer lahmgelegt worden.

Zum kleinen Fortschritt gehört auch, dass der Schulleiter nach eigenen Worten vom RBS auch noch Informationen erhalten habe, dass zügig geprüft werde, ob ein mobiles Wlan für alle betroffenen Schulen möglich sein könnte. Wie das RBS bestätigt, prüft die Services GmbH der Stadt München "aufgrund der spezifischen Situation am alten Schulstandort des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums derzeit ergebnisoffen Übergangslösungen". Wie wohl zusätzlich auch, so erklärt der BA-Vorsitzende Florian Ring (CSU) in der jüngsten Sitzung, ein Labornetz, das in einigen Schulen Münchens bereits angewendet werde. Ein Labornetz sei, so das RBS, eine spezifische Anwendung an Berufsschulen, die auf einer "virtuellen und/oder physikalischen Netzstruktur aufsetzen" könne. Es habe, so ergänzt Ring, außerdem einen autonomen Server und würde von der Schule selbst betrieben. "Mit einem Labornetz", sagt Barfknecht, "kämen wir gut zurecht und wären flexibler mit den eigenen Rechnern". Ein solches Netz habe der Freundeskreis des WHG bereits beim BA beantragt.

Der BA signalisierte noch einmal, wie bitter notwendig eine schnelle digitale Aufrüstung des WHG sei. Die Grünen stellten sogar einen weiteren Antrag, in dem das RBS mit Fristsetzung bis 22. Dezember aufgefordert wird, mit 50 Routern und Zubehör eine "funktionsfähige digitale Infrastruktur im WHG herzustellen". Man brauche konkrete Antworten für die Schule, erklärte Fraktionssprecherin Petra Cockrell (Grüne).

Das RBS sei aber dran, würde alles versuchen, entgegnete die CSU. Wenn das Labornetz möglich sei, erklärte Robert Brannekämper (CSU), sollte man den Druck jetzt mit einem neuen Antrag herausnehmen. "Ich möchte aber, dass dieser Druck bleibt, damit es für das WHG weitergeht", betont Cockrell. Der BA will sich nun mit dem Grünen-Antrag dann noch einmal beschäftigen, wenn keine Lösungen gefunden werden. Zunächst wolle man aber die Antwort des RBS abwarten, ob mobiles Wlan oder ein Labornetz möglich sind.

Wenn alles gut geht, könnte die Schule für den Präsenzunterricht bis Mitte Oktober sogar in allen Räumen Beamer, Rechner und Docu-Cams haben, sagt Uwe Barfknecht. "Aber richtig flexibel sind wir erst, wenn wir mobile Endgeräte haben", ergänzt der Schulleiter. "Denn falls wir wieder zu Hause unterrichten müssen, wären wir im Moment da, wo wir vorher schon waren." Also ohne Laptops für die Lehrer.

Barfknecht will nicht hoffen, dass wegen Corona die Schulen wieder schließen müssen. Wenn, dann hat er dieses Mal aber noch einen Plan B: Das Sheraton-Hotel im Arabellapark hat der Schule kostenlos drei Räume plus Rechner in seinem Kongresszentrum zugesagt. "Damit können wir, im Falle eines Falles, der elften und zwölften Klasse komplett Präsenzunterricht anbieten", sagt der Schulleiter. Zwölf Räume brauche er, um hygienekonform zu unterrichten. Und die hat er jetzt.

© SZ vom 21.09.2020

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