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Bogenhausen:Klangspieler und Soundtüftler

Drittklässler der Stuntzschule erarbeiten bei "Musik zum Anfassen" ihre ersten eigenen Kompositionen

Von Dirk Wagner, Bogenhausen

Mal hüpfen und rollen kleine Kugeln über die von einem Tonabnehmer verstärkte kleine Trommel. Mal erklingen andere von Robotern bediente Instrumente. Drittklässler der Grundschule an der Stuntzstraße 55 haben diese, ebenso wie die eigenwilligen Instrumente, auf denen die Roboter spielen, selbst gebaut. Unterstützt von erwachsenen Komponisten und Musikern haben die Kinder zudem eigens Musikstücke komponiert, in denen sie, zum Beispiel von einem Besuch des Deutschen Museums inspiriert, die Entstehung einer Fantasiewelt musikalisch beschreiben: samt Urknall, aber auch mit Lollipops, die auf einer Wiese wachsen.

Drittklässler der Grundschule an der Stuntzstraße 55 haben Instrumente, auf denen die Roboter spielen, selbst gebaut.

(Foto: Stephan Rumpf)

"Komponieren ist wie ein Haus bauen", erklärt die Komponistin Laura Konjetzky den aufmerksamen Schülern in der Grundschule. Die verschiedenen Klänge, die ihre Instrumente hervorbringen, seien die Bausteine, die es zunächst einmal zu sortieren gilt. Und also ordnen die Kinder die Instrumente nach der Art des Klanges. Ob ein Geräusch oder gar ein Ton erklingt, oder wie beim sogenannten "Karacho X 2" gleich mehrere Sounds in Serie. Hohe Töne werden von tiefen, laute von leisen unterschieden. Nacheinander werden alle zu einer Klangmaschine vereinten Instrumente vorgeführt. Plötzlich blinkt ein Licht. Augenblicklich behauptet ein Schüler, dass dies ein besonders hoher Ton sei, den man darum gar nicht mehr hören könne. Der Musiker Christian Heiss, der bei der Münchner Band Lali Puna Keyboard und Computer spielt, steuert die verschiedenen Robotermodule und Instrumente der Kinder über eine Elektronik, die die Klangquellen nebst zusätzlicher Effekte eint. Tatsächlich seien die Schwingungen des Lichts auch tausend mal so schnell wie die von hörbaren Klängen, bestätigt er die Einlassung des Schülers. Konjetzky schlägt vor, das Lichtinstrument für eine kleine Pause einzusetzen. Behutsam äußert sie solche Vorschläge. Schließlich will sie die Kinder für ihre Kompositionen zwar inspirieren, aber nicht beeinflussen.

Futuristische Klangwelt: Komponistin Laura Konjetzky und Musiker Christian Heiss erklären den Kindern, wie sie mit Tönen und Geräuschen komponieren können.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das Klangspiel, das so entsteht, wird von den Kindern mit weiteren selbst gebastelten Instrumenten ergänzt. Das kann dann auch mal ein Luftballon sein, dessen Luft laut pfeifend aus der stramm gezogenen Öffnung entweicht. Während Schüler diese Spielart eines Luftballons trainieren, reibt der ebenfalls die Gruppe unterstützende Musiker Philipp Kolb vom Ensemble Piano Possibile einen Schwamm über den Ballon. Auch ein interessanter Sound, wundern sich die Kinder und machen es ihm nach.

Christian Mattick, Leiter des Vereins "Musik zum Anfassen", der auch dieses musikpädagogische Projekt an gleich zwei Grundschulen in München anbietet, verzichtet bewusst auf herkömmliche Instrumente, die musikalische Vorkenntnisse bedingen. Stattdessen entdecken die Kinder eigene Klänge, die sie schnell selbst kreieren und in ihre selbst komponierte Musik einbringen können. Bevor sie ihre Kompositionen am 1. April in einem großen Konzert in der Muffathalle präsentieren, geben die erstaunlich kreativen Grundschüler und ihre Roboter diesen Mittwoch, 19. Februar, 18 Uhr, ein erstes Konzert in der Schule an der Stuntzstraße 55.

© SZ vom 18.02.2020
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